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Reisebericht Skandinavien- Tour 2000

                     

Endlich ist es soweit! Der lang ersehnte Tag, - nun ist er da. Es ist der 28.07.2000 und ich begebe mich heute auf eine lange Reise, meinem bisher größten Abenteuer. Ich fahre alleine, mit einem Opel Corsa (B) nach Skandinavien. Wohin genau, - keine Ahnung, es geht auf in den Norden! Das Auto ist randvoll gepackt mit allerlei Ausrüstungsgegenständen und Verpflegung. Auf dem Dach ein Fahrrad und ein Kajak, um die Natur und die vielen Gewässer Nordeuropas zu erkunden.

Ich fahre nun los über die A9 nach Nürnberg, weiter auf die A3 Richtung Würzburg und dann auf die A7 nach Flensburg. Nach dem kleinen Dänischen Grenzübergang geht es die E 45 nach Kolding weiter und ich fahre auf die E 20, die nach Odense über den Großen Belt führt. Eine beeindruckend große Brücke überspannt diesen Sund. Von Dänemark kann ich nicht viel berichten, da es stockdunkel ist. 300 Kilometer sind es jetzt noch bis nach Kopenhagen. Diese Strecke schaffe ich aber heute nicht mehr und - nun auf der E 20 angelangt- fahre ich etwa 20 km nach Kolding auf einen Autobahnrastplatz, wo ich im Auto in halb sitzender Position unter einem ausgebreiteten Schlafsack übernachte. An dem Parkplatz gibt es ein WC, Duschen und Waschbecken, doch es stinkt dort so sehr nach Urin, dass einem schlecht werden kann! Ach ja, zu erwähnen ist noch, dass die Nordlichter hier eine beträchtliche Anzahl an Windrädern aufgestellt haben, die auch recht gut ins Landschaftsbild passen.

Nach einer etwas unruhigen Nacht und einem schmerzenden Rücken, geht es nun weiter auf der E 20 Richtung Schweden, an Odense vorbei, zur Großen Belt- Brücke. Eine etwa 10 km lange Brücke mit zwei großen Betonpfahlbauten, die die Insel „Fünen“ mit der Insel „Seeland“ miteinander verbindet. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk, das man eigentlich nicht in Europa erwarten würde. Parallel zur Fahrbahnstrecke laufen die Bahngleise entlang. An der anderen Seite des Großen Belts angelangt, befinde ich mich nun auf der Insel, wo auch Kopenhagen liegt. Die Landschaft bäuerlich geprägt von Ackerbau und ein wenig Waldwirtschaft. Neben einer auffallend großen Anzahl an Windparkanlagen, sind auch immer wieder modernste Gewerbegebiete von der Autobahn aus zu sehen. Das, was ich von weitem aus von Kopenhagen gesehen habe, ist nichts als Großindustrie, die vor sich hinqualmt! Plötzlich taucht der Öresund mit seiner, erst dieses Jahr fertig gestellten „Öresundbrücke“, auf. Die Brücke verbindet Dänemark mit Schweden auf der Höhe von Malmö. Bevor man sie überqueren kann, fährt man durch einen tiefen, 3.940 m langen Tunnel zu einer künstlich aufgeschütteten Insel („Peberholm“; 4.055 m lang) im Öresund. Die Konstruktion der Brücke ist vergleichbar mit der Brücke über den Großen Belt. Sie ist nur noch gewaltiger und 7.845 m lang! Skandinavien auf diese Art und Weise zu erreichen empfinde ich als Bereicherung der Bewegungsfreiheit. Bisher war man von den Zeitplänen und der Überfahrtdauer der einzelnen Fährgesellschaften abhängig. Jedoch sind die Kosten zur Benutzung dieser beiden großen Brücken in Dänemark nicht billiger als die Kosten für die Fähre (Für PKW, einfache Fahrt 32 € bzw. 275 SEK). Ist man in Schweden angelangt, muss man zunächst die Brückengebühr bezahlen. Das Land erscheint zunächst genauso wie in Dänemark; flach, durch Sanddünen ein wenig wellig, sonst gespickt mit Feldern. Von Malmö aus geht es weiter auf der E 6 nach Helsingborg, um auf die E 4 nach Jönköping zu kommen. Fährt man die E 6 weiter, würde man zwischen Halmstad und Varberg an die „Schwedische Riviera“ gelangen. Die E 4 ist eigentlich keine Autobahn, sondern eher eine gut ausgebaute Landstrasse mit einer zweiten optionalen Spur; ähnlich wie bei uns der Standstreifen. Fährt man gerade noch durch landwirtschaftlich geprägtes Gebiet, so beginnt etwa ab Orkelljunga der Schwedenwald. Auffällig sind hier die grün/ grünweißen Flechtenmatten (wie bei uns die Moose!) und die vielen Ameisenhügel. Bei Jönköping gelangt man an den Vättern- See. Ein wunderbarer See mit glasklarem Wasser, gesäumt von z.T. hohen Klippen aus rotem Granit, umgeben von tiefgrünen Wäldern. Schon hier würde es sich lohnen länger zu bleiben! Östlich am See entlang, etwa 2 km nach Granna, kommt man am Brahehus vorbei, das leider nur noch eine Schlossruine ist (Brand 1708). Von dort aus hat man einen exzellenten Blick auf den See. Bei Ödeshög fahr ich von der E 4 ab auf den RV 50. Der Vättern ist hier wegen des dichten Waldes kaum zu sehen. Weiter östlich liegt eine Vielzahl von typisch schwedischen Bauerngutshöfen, umgeben von goldgelben Gerstenfeldern. Diese Gutshöfe bestehen meist aus mehreren Holzhäusern, dem Wohnhaus, einer Scheune bzw. einem Stall und mehreren Schuppen. Die Hauptflächen der Häuser sind meist rot, braun, blau oder gelb angestrichen und werden, so wie die Fenster meist von weißer Farbe umrahmt. Sind die Häuser weiß angestrichen, so sind die „Rahmen“ meist mit dunkleren Farben, wie Braun, Blau oder Schwarz gefärbt. Am Fuße des Ombergs steht eine Klosterruine, „Alvastra“ (gegründet von Zisterziensern). Das ehemalige Kloster hatte anscheinend einen entscheidenden Einfluss auf die Kulturlandschaft des dortigen Teils Schwedens. Hier wurden neben der Felderwirtschaft, auch Obstbäume und Kräutergärten angelegt. Fährt man weiter, so gelangt man in den „Naturpark Omberg“. Die Anfahrt ist steil, aber der Blick über den Vättern ist absolut lohnenswert. Eine „Einbahnstrasse“ führt durch den Park und somit gibt es kein zurück mehr, immer entlang des Sees. Nach einigen Kilometern komme ich dann endlich mal wieder direkt ans Ufer, kurz vor der Stadt Vadstena. Der sommerlich warme Tag heute, lädt nun zum Verweilen ein und ich entscheide mich, das kühle Nass des Sees zu testen. – Es war saukalt! Aber wärmer werden die Gewässer wohl nicht bei den Nordmännern!? Also gute Abhärtung! Fast ganz alleine genieße ich den Sonnenuntergang am Ufer des Sees. Und jetzt fällt es mir das erste Mal auf, wie ruhig es doch hier ist! Endlich, danach hab ich mich doch so sehr gesehnt! Kein Hintergrundrauschen, nur das Summen der fliegenden Insekten. Davon gibt es aber auch viele! Vor allem große Fliegen gibt es hier, wie ich sie in ihrer Anzahl und Lästigkeit noch nicht erlebt habe! Schnacken gibt es bisher noch nicht so viele! Es geht nun weiter nach Vadstena, ein nettes Städtchen mit kleinen Gässchen, Überresten eines Klosters und vor allem ein tolles Wasserschloss, direkt am Vättern gelegen. Um das Schloss herum liegt ein Park, wo gepicknickt, gespielt und geratscht wird. Auffällig sind hier die vielen aufgemotzten Autos; umgebaute Opel, Caddys und Baggys. Scheint so als wären diese Vehikel geländefähig, ausgestattet mit viel PS, starken Profilreifen und getönten Scheiben… Es fällt auch auf, dass die Schweden einen Hang zur amerikanischen Nostalgie der 50er und 60er Jahre haben. So viele Caddys habe ich nicht mal in den USA gesehen. Zum Teil hängt an den Autos noch ein passender Wohnwagen dran! Aber auch sonst sind noch viele amerikanische Oldtimer zu sehen. Allmählich wird es nun dunkel, doch mein heutiges Ziel sollte Örebro sein. Weiter geht es nun vom RV 50 Richtung Norden erneut auf die E 20, Richtung Stockholm. Als ich in Örebro ankomme, ist kein Halten möglich, da heute in der Stadt eine fette Party stattfindet. Die ganze Stadt scheint auf den Beinen zu sein. Überall sitzen die Leute und quatschen, hier ein Rockkonzert, dort eine Disko im Freien. Könnte vielleicht ein Bürgerfest sein? Es ist auf jeden Fall eine fetzige Stimmung hier. Ich bin jedoch schon ziemlich müde und suche deshalb ein ruhiges Plätzchen zum Schlafen. Ein paar Kilometer nach Örebro, bereits auf dem RV 60, finde ich schließlich gegen 0.30 Uhr einen ruhigen Parkplatz, auf dem ich nun die Nacht verbringen werde. Rechts neben mir ein schwedisches Wohnmobil, in dem anscheinend kräftig gefeiert wird, rechts ein Norweger mit seinem Wohnwagen, der gerade zu Bett geht.

Gegen 6.30 Uhr wache ich auf, da dieser Sitz im Auto nicht sehr angenehm ist! Das Wetter ist heiter bis wolkig und es ist 19 Grad warm. Jetzt geht es die 60 weiter Richtung Falun. Auf dem Weg dorthin, fällt mir ein gewaltiges Gebäude am rechten Straßenrand auf. –Es handelt sich um eine alte Erzhütte, die noch bis zu den 20igern betrieben wurde. Die Orte Avesta, Borlänge und Falun sind bekannt für ihre Eisen- und Kupfererzvorkommen. An Bodenaufschlüssen erkennt man auch rötlich- braun- schwarzes, schweres Gestein. Nach Falun geht es nun weiter auf dem RV 80, Richtung Mora. Ursprünglich wollte ich zwar ostwärts nach Gävle, um an der Ostseeküste entlang nach Norden zu fahren. Jedoch habe ich in meinem Führer gelesen, dass die Ostseestrecke recht langweilig ist und man von der Strasse aus nicht viel von der Ostsee zu sehen bekommt. Deshalb habe ich nun die „wildere Variante“ gewählt und werde den RV 45 („Inlandsvägen“) gen Norden fahren. Bis nach Rättvik durchfährt man nun einen Nadelholz- Birkenwald, der sich auf riesigen Schuttbergen aus der Eiszeit angesiedelt hat (überall Findlinge!). In Rättvik trifft man auf den Siljan- See. Ein großer, weit ausufernder See, der mit seinem blauen Wasser fast eins mit dem Himmel zu sein scheint. Doch der Norden zieht mich nun weiter und in Mora biege ich auf den RV 45, der mich nach Orsa bringt. Ich nenne dieses Städtchen das „Tor zur Wildnis“ oder der „Endpunkt des zivilisierten Schwedens“. Ab hier fährt man durch endlose Sumpf- und Seengebiete, z.T. dicht umwachsen von Kiefern-, vereinzelt auch Fichtenwäldern. Die Orte, die plötzlich aus der Wildnis auftauchen, erscheinen mir wie ein Brandzeichen im Fell eines Tieres, denn dort war von all dem Wilden nichts mehr zu sehen. Bauernhöfe, Felder, Ferienhäuser und vielleicht noch eine Tankstelle. Ab Orsa nimmt nun auch deutlich die Mückenzahl zu! Ein weiteres Highlight sind meine ersten zwei skandinavischen Elche auf dem Weg nach Östersund, ein Pärchen. Das Männchen mit einer großen Schaufel, das Weibchen ohne. Beide haben gerade die Strasse überquert und äsen nun am Straßenrand. Ich steige aus dem Auto aus und nähere mich ihnen langsam. Dabei muss man einen Sicherheitsabstand einhalten, da Elche sich durchaus zu wehren wissen, was dann meist schmerzhaft oder sogar tödlich ausgehen kann. Als sie mich bemerken, schauen sie mich an und halten inne. Alles ist ruhig! Nach einer gewissen Zeit senken sie wieder ihre Häupter, und fressen an den kleinen Birken am Straßenrand weiter. Ich beobachte sie noch so lange bis sie im dichten Unterholz verschwinden. Das ist der Unterschied zwischen Elch und Renntier. Die Elche sind sehr gelassene Genossen, die sich kaum aus der Ruhe bringen lassen, während die Rentiere immer einen etwas gestressten Eindruck auf mich machen und weglaufen. Dabei vermeiden sie immer den Augenkontakt. Übrigens wird es auf meiner Fahrt in den Norden schon nicht mehr richtig dunkel. Ab 2.00 Uhr wird es dann schon wieder heller. Ich bin so begeistert von dieser Natur, dass ich gar nicht mehr schlafen will. Ich bin so gespannt, wie es noch weiter nördlicher ausschaut. Wenn es schon hier so schön ist, wie wird es erst dort sein? Ja, ich fühle es, wie mich der Norden, die Wildnis und die Einsamkeit anziehen, so wie damals in Kanada 1995! Gegen 3.30 Uhr erreiche ich einen netten, ruhigen Parkplatz bei Hoting, wo schon eine ganze Zahl an Wohnmobilen steht und ich beschließe, dort die „Nacht“ zu verbringen.

Heute ging es besser mit dem Schlafen im Auto. Es ist 8.30 Uhr und nach einer ausgiebigen Morgentoilette in einem kalten Teich, fahr ich die 45 weiter nordwärts. Nach Storuman komme ich an einen wunderbaren See mit einem rostbraunen, feinen Sandstrand vorbei. Da es mittlerweile sehr schön warm ist und die Sonne scheint, beschließe ich den Mittag am Ufer des Sees zu verbringen. Keine Menschen Seele hier, nur ein Haufen Mücken! Ab und zu ein kleines Lüftchen, das sachte über die Kiefernwälder streicht und die Wasseroberfläche des Sees kräuselt. So lässt es sich aushalten! Wenn da nicht diese Quälgeister wären. Mittlerweile habe ich eine dicke Jacke mit Kapuze, dicke Socken und feste Schuhe angezogen. Jede freie Hautfläche wird sofort von blutrünstigen Insekten genutzt! Nach zwei Stunden Belästigung fahr ich weiter. Ich fahre durch endlose, leicht hügelige Wälder und Sumpfgebiete, nur sehr selten kommt mir ein anderes Auto entgegen. Mein Ziel ist Jokkmokk (kulturelles Zentrum der Samen). Die 45 ist in diesem Abschnitt stark beschädigt. So wird auch der Corsa auf seine Festigkeit geprüft. Es geht über viele, viele Schlaglöcher und über Schotterpisten. Schnelleres Fahren als 60 km/h ist kaum möglich. Immer wieder Baustellen, die sich kilometerlang hinziehen und mich auf abenteuerliche Behelfswege zwingen. Hoffentlich hält das Auto bzw. halten die Reifen! Die Autofahrt kann man heute durchaus als anstrengend bezeichnen. Einige Kilometer vor Jokkmokk wird am Straßenrand angekündigt, dass man nun bald den Polarkreis überquert. An dieser Stelle kann man von der 45, auf einen Rastplatz abfahren. Dort steht ein Steinsockel, der darauf aufmerksam macht, dass ab hier der Polarkreis beginnt. Das ist also das erste Mal, dass ich soweit im Norden bin! Darauf trinke ich einen Schluck Cognac „Hennesey“. Überquert man den Polarkreis mit dem Schiff, wird man mit Eiswasser und Schnaps getauft. Das ist halt „meine“ Polartaufe. In Jokkmokk selbst komme ich erst spät gegen 1.00 Uhr an. Das Städtchen selbst ist ein Kuhnest, das mir irgendwie surreal vorkommt. Hier gibt es neben ein paar unschmucken Häusern, zwei Tankstellen, zwei Supermärkte, einen Friseur, eine Videothek und einen Campingplatz. Es ist irgendwie unheimlich hier bei diesem dämmrigen Licht. Ich stell mich an den Straßenrand, um zu sehen, welche Strasse nun weiter gegen Norden verläuft, denn hier möchte ich nicht übernachten. Während ich so die Karte studiere, fällt mir auf, dass immer wieder die gleichen Autos an mir vorbeifahren. Bei genauerer Betrachtung fahren die Leute hier mit den Autos ihre Schleifen, um gegebenenfalls irgendjemand anderes auf bzw. an der Strasse zu treffen. Sonst ist hier halt auch absolut tote Hose und vor lauter Langeweile fahren die Leute hier ihre Autos Gassi! Ich fahr also weiter die 45 und nach ein paar Kilometern nach Jokkmokk liegt auf der linken Straßenseite ein passabler Rastplatz, wo schon andere Wohnmobile halt gemacht haben. Jedoch sind anscheinend schon alle im Bett. Nun ja, es ist bereits 2.30 Uhr.

Schon gegen 6.30 Uhr bin ich durch lauten Schienenverkehr geweckt worden. So wie in Kanada verlaufen auch in Skandinavien die Gleise der Bahn (Inlandsbana) größtenteils parallel zu den Hauptverkehrswegen. Es handelt sich hier um einen kleinen Zug mit nur zwei Waggons, die jedoch mit Touristen voll besetzt sind und nun hier stehen geblieben sind, um auf der gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes einen Kunstschmied in seinem Laden zu besuchen. Man kann hier anscheinend eine Reise mit der „Inlandsbahnen“ buchen. Nun aber mal Frühstück machen. Der Himmel ist heute stark bewölkt und es sind 16 Grad. Während ich meinen Kaffee am Auto koche, spricht mich ein älteres Ehepaar aus Hannover an, die mit ihrem Wohnmobil bis hierher gefahren sind. Der Mann fragt mich, wo ich denn das Wasser zum Kaffeekochen her habe; sie würden auch Wasser benötigen. Leider kann ich ihnen nicht weiter helfen, da auch mein Wassertank fast leer ist; jedoch für einen Kaffee hätte es auch für die beiden gereicht. Dies lehnen sie jedoch dankend ab. Wir kommen jedoch in ein nettes Gespräch, wobei die beiden von ein paar interessanten Routen hier oben in Nordschweden, wie die nach Kvikkjokk, erzählen. Diese Tour steht auch in meinem Reiseführer. Sie soll entlang eines großen Sees durch fast menschenleere Wildnis bis zum bekannten Kungsleden, ein bekannter Wanderpfad in Schwedisch- Lappland, führen. Bei Vajkijaur, ein paar Kilometer nördlich von Jokkmokk, biege ich also links ab, Richtung Kvikkjokk. Diese Route sollte sich landschaftlich als Glücksgriff herausstellen. Es geht auf einer Schotterpiste entlang einer Anzahl verschiedener großer, seichter Seen, durch den endlosen Schwedenwald. Elche trifft man hier mit einer hundert Prozent Chance! Jedoch ist die Gegend hier auch ein Erlebnis anderer Art! In Kvikkjokk an einem großen Parkplatz angekommen, wundere ich mich über die recht große Anzahl von Autos und Menschen. Auf der ganzen bisherigen Strecke heute sind mir vielleicht zwei Autos entgegen gekommen. Wie schon oben erklärt, scheint Kvikkjokk ein wichtiger Ausgangspunkt für verschiedenste Wanderungen ins Fjell zu sein. So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele hier mit Rucksack und Campingausrüstung unterwegs sind, meist eingehüllt in Fliegennetzen! Ich möchte heute auch endlich mal im Zelt übernachten, mit ausgestreckten Beinen. So fahr ich wieder ein paar Kilometer zurück, denn ich habe während der Hinfahrt ein paar schöne Plätze am See gesehen, um auch das Kajak mal zum Einsatz zu bringen. Was nun in den nächsten Stunden passiert, kann man sich nur vorstellen, wenn man es am eigenen Körper erlebt hat. Zunächst baue ich mein neues Zelt auf. Währenddessen werde ich bereits von ein paar Stechmücken (Aedes sp. bzw. Culex sp. ???) und diesen gemeinen, winzigen „Gnitzen“ (Forcipomyia sp.) belästigt. Deshalb gemein, da man sie erst dann bemerkt, nachdem sie einen gebissen haben! Um sich von deren Attacken etwas zu erwehren, zünde ich ein stark rauchendes Feuer an und schmiere mich kräftig mit Autan ein (auch die Haare!). Jedoch hilft dieses Mittel nur für etwa 10 Minuten, dann sind anscheinend die ätherischen Öle verflüchtigt! Mittlerweile scheint aber meine Anwesenheit alle Blutsauger aus der Umgebung anzulocken. Graue Wolken mit tausenden von Tieren bilden sich über meinem Zeltplatz! Es hilft Nichts! Auch ich ziehe nun mein Fliegennetz über meinen Hut und Kopf, wie die Leute, die ich in Kvikkjokk gesehen habe. Man hält es ohne nicht aus! Wie soll es aber jetzt weiter gehen. Zwar sind nun alle nackten Hautstellen bedeckt, jedoch stechen die Viecher durch Hose und Jacke; z.T. warten die Stechmücken solange am Fliegennetz sitzend, bis sich eine Gelegenheit zum Hautkontakt ergibt! Es ist einfach furchtbar… der einzige Ausweg ist die Flucht ins Zelt, um dort zu verharren. Jedoch sitzen die Blutsauger überall an der Kleidung, wo sie nervös versuchen ein Tröpfchen Blut zu erhaschen. Sobald ich ins Zelt gekrochen bin, habe ich eine ganze Anzahl von ihnen mit im Zelt- Massen dieser böse surrenden Insekten! Nein, das kann es nicht sein, denke ich mir. Die saugen mich hier aus! Diesen Kampf kann ich nur verlieren. Nach hunderten von Stichen (auch in den Genitalbereich!), beschließe ich, meinen Lagerplatz wieder zu räumen und von hier zu verschwinden! Erst gegen 0.00 Uhr, mit den Nerven am Ende und körperlich erschöpft, steig ich erleichtert ins Auto. Erstmal alle Fenster des Autos auf, um die ganze Brut durch den Windsog wenigstens aus dem Auto zu bekommen. Nach diesem Erlebnis steht für mich fest, dass ich auf keinem Fall mehr im lappländischen Inland campen werde, bevor nicht der erste Frost ein paar von den Blutsaugern das Lebenslicht ausgelöscht hat. Wieder auf dem RV 45 angelangt, fahr ich noch bis etwa 30 km nach Porjus. Keine Menschen Seele auf der Strasse und es ist taghell. Gegen 2.30 finde ich in der Nähe der Inlandsbana einen Platz zum Übernachten. Im Auto bin ich recht sicher vor den Schnacken, die es aber nicht unversucht lassen, eine geeignete Lücke durch das Auto zu finden!

Geweckt werde ich heute durch die Sonne; ein wunderbarer Tag, kein Wölkchen am Himmel. Die Gegend um Porjus ist geprägt von der Stromgewinnung durch Wasserkraft. Riesige Staudämme wurden hier errichtet und große Hochspannungsleitungen führen von hier in alle Richtungen Skandinaviens, um die Bevölkerung mit Strom zu versorgen. Der Landstrich ist trotzdem sehr interessant, da er von tiefen Schluchten durchzogen wird und mit hellweißen Birkenwäldern bewachsen ist. Aber auch hier Schnacken über Schnacken!!! Weiter also nach Gallivare, das man wieder mal als von Menschenhand gebildete Oase in diesem endlosen Schwedenwald bezeichnen kann. Hier wird viel Eisenerz abgebaut. Die Stadt ist so groß, dass sie mit der Nachbarstadt Malmberget zusammengewachsen ist. Die 45 nordwärts geht es weiter durch wunderbare Birkenwälder, unterbrochen von zahlreichen Seen und Flüssen. Vielerorts hätte es sich gelohnt, das Zelt aufzuschlagen, aber auch hier wieder Mücken über Mücken. Der Entschluss steht fest, Richtung Küste ans Meer (Norwegen) zu fahren, da ich mir dort weniger Blutsauger verspreche. Etwa 40 km vor Karesuando bleibe ich an einem tiefen Fluss stehen, um dort einen Kaffee zu trinken. Sein Wasser ist tiefbraun, gefärbt von den Huminstoffen der umliegenden Sumpfgebiete. Im Wasser leben große Krebschen (Daphnien), die vor mir flüchten, sobald ich mich ihnen nähere. Eigentlich will ich ein paar fangen, um sie genauer betrachten zu können. Jedoch macht sich erneut eine ganze Horde Schnacken über mich her, so dass ich wieder weiterfahren muss. Bei Karesuando überquere ich den Grenzfluss Könkämäälven nach Finnland. Somit bin ich am nördlichsten Ende der 45 angelangt, deren Verlauf ich über 1.200 km gefolgt bin. Nun befinde ich mich also in Finnland auf der E 8, Richtung Nordwesten nach Norwegen, an die Meeresküste. Die Landschaft, die ich hier durchfahre, möchte ich besonders hervorheben, da sie mir besonders gut gefällt. Eine Sumpflandschaft, gespickt durch Seen und Bäche; im Hintergrund lang gestreckte, von den eiszeitlichen Gletschern abgehobelte Hügel, die z.T. dicht von niederen Birkenwäldern bewachsen sind. Im Herbst muss es hier sicherlich noch schöner sein, wenn die Blätter der Birken sich gelb und die Heide sich rot verfärben. Nähert man sich der norwegischen Küste, so gelangt man in ein montanes Gebiet. Ringsherum ragen die eis- und schneebedeckten Gipfel in den Himmel, die von Wasserfällen und Schutthalden bestückt sind. Bei Kilpisjärvi (bestehend aus einer Tankstelle!) überquert man die Grenze nach Norwegen. Auch hier führt die Strasse an Gebirgsflüssen entlang, bis man bei Skibotn an den Lyngenfjord kommt und auf die E 6 trifft. Nun ist also der Nordatlantik erreicht. Hohe Berge verdecken jedoch die Sicht auf ihn, verleihen aber dem Fjord ein typisch norwegisches Landschaftsbild. Auf der Halbinsel von Rotsund, finde ich ein geeignetes Plätzchen zum Übernachten mit fantastischem Blick. Mir ist klar, dass ich hier in der Nähe, frei von Schnacken, ein paar Tage bleiben muss.

Gegen 8.30 werde ich von lautem Möwengeschrei geweckt. Direkt hinter mir befindet sich ein kleiner Hügel, auf denen eine ganze Reihe von Seevögeln nistet. Ein wunderschöner, sonniger Tag und dann dieses Panorama hier! Die Kombination aus Meer und Bergen ist einfach herrlich! Der Platz ist jedoch etwas zu „öffentlich“ zum Campen. Deshalb mache ich mich nun auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Die E 6 zieht sich ziemlich lang am Lyngenfjord entlang. Ich wäre sehr gerne hier irgendwo stehen geblieben, jedoch finde ich dort keinen geeigneten Platz am Fjord, der einsam und geschützt gewesen wäre. So gelange ich zum nördlich gelegenen Reisafjord. Ca. 3 km vor Storslett finde ich endlich am Abhang des Fjordes einen schönen Platz. Ich sehe von der Strasse aus ein paar kleine Hütten und suche nun den Zufahrtsweg, den ich dann auch bald finde. Über einen Feldweg, der parallel zum Fjord führt, kommt man an einen kleinen Parkplatz. Von dort aus kann ich zu Fuß zum Fjord gehen (300- 400 m). Es scheint, als wäre dieser Ort gerne von Einheimischen besucht worden, denn ein Trampelpfad führt bergab an einigen Feuerstellen vorbei. Ich suche mir einen schönen Platz aus, direkt am Fjord, umringt von einem Birkenwäldchen. Der Strand besteht zum größten Teil aus Schieferplatten, die z.T. von verschiedenen Tangen (v.a. Fucus sp.) bewachsen wurden. Auf der linken Seite, ungefähr 500 m entfernt, liegen zwei kleine Ferienhütten und im Wasser sind 4- 5 Boote an Bojen befestigt. An einer der beiden Hütten kann ich beobachten, wie jemand Bäume in seinem „Garten“ ausschneidet. Um keine Probleme mit meinen „Nachbarn“ zu bekommen, gehe ich zu dem Mann und frage ihn, ob es in Ordnung wäre, wenn ich ein, zwei Nächte hier verbringen würde. Der Norweger fragt mich höflich, wo ich denn zelten möchte und wie viele Personen „wir“ wären. Er stimmte sofort zu, als ich ihm erzähle, dass ich ganz alleine hier bin. Nun, dann ist das auch in Ordnung und ich beginne mein Lager aufzubauen. Dabei bemerke ich jedoch, dass meine Zeltplane von irgendwoher komplett durchfeuchtet war und fahre, während sie in der Sonne zum Trocknen hing, mit dem Kajak aufs Meer hinaus. Betrachtet man den Fjord von Land aus, so kam er mir relativ ruhig vor. Doch ist man auf dem Wasser, so kann es einem schon mulmig werden. Das kleine Kajak wird hin und her geschüttelt, auch wenn der Wellengang nicht gerade groß ist. Nur nicht kentern! Jedoch ist es so schön auf dem Fjord. Eine frische Brise weht mir um die Nase und dann diese viel beschriebene Ruhe. Nach ein, zwei Stunden kehre ich zurück und nachdem auch nun die Zeltplane getrocknet war, baue ich mein Zeltlager auf. Es ist unwahrscheinlich, wie lange ich für den Aufbau benötige; etwa drei Stunden! Das Fahrrad lass ich oben auf dem Auto stehen. – So nun ist alles fertig, noch schnell eine Feuerstelle präpariert und dann lasse ich die Einsamkeit auf mich wirken. Ich packe mein Angelzeug zusammen und paddele mit meinem Kajak erneut raus auf das Wasser. Gute Fisch- Standorte in einem Fjord sind meist dort, wo eine Felswand fast senkrecht bis an den Grund reicht. Viele Fjorde sind so tief, dass man dort auch Hochseefische, wie Heringshai, Hundshai und Rotbarsche fangen kann. Voraussetzungen sind jedoch ein gut durchströmtes Tiefenwasser und ein tiefer Zugang zum offenen Meer, da sonst der Sauerstoff knapp werden kann. An den seichteren Stellen fängt man meist Kabeljau, Seelachs, Köhler, Makrele und Hering. Ich entscheide mich vorerst mit einem kleinen, silbernen Heringspilger zu beginnen. Ein Pilger ist ein recht schwerer Kunstköder aus Metall, der meist bis zum Grund herabgelassen wird. Hat man den Grund erreicht, so stellt man die Tiefe so ein, dass er ein paar Meter über dem Grund bleibt. In regelmäßigen Abständen wird dann die Angel auf und ab bewegt. Dadurch bewegt sich der Pilger in der Wassersäule in schlängelnden Bewegungen nach oben und fällt in chaotisch schwimmenden Bahnen wieder ab in die Tiefe. Während ich also den Pilger in die Tiefe herab lasse, stelle ich fest, wie lange man ihn noch sehen kann; sicher 20 Meter Sichttiefe! Aber trotzdem nur dunkle Tiefe unter mir. Irgendwie unheimlich! Stellt man sich vor, dass manche Walforscher mit Kajaks raus fahren, um sie beobachten zu können bzw. die Eskimos früher mit Kajaks auf Walfang gegangen sind, so ist das doch eine kleine Mutprobe! Man hat keinen Schutz und ist den Tieren voll ausgeliefert! Aber das könnte ja auch der Reiz sein! Innerhalb kürzester Zeit fange ich auch schon zwei kleine Köhler. Einen muss ich wegen seiner schweren Verletzungen töten. Dabei kommt mir in den Sinn, wie schwierig es sein könnte, wenn ich einen wirklich großen Fisch an der Angel haben würde!? Die Wahrscheinlichkeit ist hier zumindest gegeben, da ich in etwa 60 Meter Tiefe angele. In der Sitzposition im Kajak lässt sich ein solch großer Fisch nur sehr schwer „anlanden“. Außerdem würde mich der Fisch sicher mitziehen, da ich in dem Moment auch nicht gegen paddeln könnte! Ich beschließe also mit dem Angeln aufzuhören, genieße die Ruhe und paddele wieder zurück zu meinem Lager. Heute gibt es also frisch gefangenen Fisch. Zunächst suche ich Holz zusammen, das hier im Birkenwald zahlreich am Boden liegt. Es stellt sich aber bald heraus, das Birkenholz zwar schnell zu brennen beginnt, jedoch die Brenndauer sehr kurz ist. Man muss große Mengen Holz verbrennen, um eine geeignete Glut zum Kochen bzw. Braten zu erzielen. Bis ich meinen „Steckerlfisch“ zubereiten kann, vergeht also eine ganze Zeit mit Holzschüren. Zum Fisch mache ich mir einen Teller Reis. Satt werde ich davon zwar nicht, aber es hat gut geschmeckt. Gegen 1.00 Uhr bin ich in mein Zelt.

Nach einer langen, hellen Nacht wache ich heute erst gegen 12.00 Uhr auf. Endlich kann ich mal flach und ausgestreckt liegen und mehrere Stunden am Stück schlafen! Durch die unbequeme Sitzhaltung im Auto schläft einem ständig irgendein Körperteil ein, so dass man immer mal wieder aufwacht. Heute, bei heiterem Wetter, beschließe ich, meine benutzte Kleidung zu waschen. Dazu bin ich zu einem kleinen Bach, der sich am Strand in den Fjord ergießt. Die Wäsche hänge ich dann zwischen zwei Birken zum Trocknen auf. Ja und nun? Nun habe ich vorerst nichts mehr zu tun und mir wird, erschöpft von den letzten Tagen, etwas unwohl ums Herz! Ich merke plötzlich so was wie Heimweh in mir! Jetzt schon!? Das gibt´s doch nicht! Hier, wo es doch so schön ist! Ja, ich sehne mich nach meiner Freundin, nach meiner Familie und denke mir, wie bequem das Leben in München ist! Mir fehlt jemand, mit dem ich das Erlebte teilen kann! Dieses lähmende Gefühl lässt sich erst durch ein tröstendes Telefonat mit Gwen auslöschen. Am Abend versuche ich meine Gedanken durch Fischen zu vertreiben. Ein Köhler, ein Dorsch und ein Seelachs gehen an meinen Haken. Diesmal probiere ich es von Land aus. Auffällig ist, dass ich nach jedem Fang den Standort wechseln muss, um erneut erfolgreich zu sein. Anscheinend wird beim Fang ein Stresshormon freigesetzt, das andere Fische warnt. Nach einem schönen Lagerfeuer bin ich gegen 0.00 Uhr ins Bett.

6.00 Uhr; es regnet! Eigentlich war es doch um 0.00 Uhr zwar bewölkt, jedoch trocken und warm. Nun hat der Regen mich und meine Wäsche überrascht. Schnell stürme ich aus meinem Zelt, um noch zu retten, was zu retten ist. Jedoch vergebens, so dass ich das nasse Zeug jetzt in meinem Zelt aufhänge. Dann krieche ich wieder zurück in meinen warmen Schlafsack. Ich wollte heute weiter fahren! Bei dem Regen werde ich aber heute nichts mehr trocken bekommen. Fast den ganzen Tag verbringe ich im Zelt. Gegen Abend wird es lichter und die Sonne kommt noch mal zum Vorschein. Der Reisafjord liegt ruhig wie ein Ententeich vor mir! Landschaftlich ist es hier wunderschön. Um 20.00 Uhr ruf ich dann meinen Vater an, der ja heute Geburtstag hat. Er feiert gerade in Kehlheim bei gutem und deftigem Essen. Irgendwie ist es saublöd, dass ich immer bei seinem Geburtstag auf Reisen bin! Wäre auf jeden Fall sehr gerne dabei gewesen.

Vormittags regnet es wieder, nun scheint aber wieder die Sonne, so dass ich guten Mutes bin, dass heute wieder alles trocken wird und ich weiter fahren kann. Das Kajak allein den Hang hinauf zum Auto zu schleppen, ist eine Qual. Nun verstaue ich wieder alle Sachen im Auto, nur das Zelt will nicht trocken werden. Ich hänge es deshalb noch in die Büsche. Gegen 16.30 Uhr ist alles fertig und verstaut. Es war ein schöner Platz hier, jedoch bin ich nun froh weiter zu fahren, um von dieser bedrückenden Einsamkeit etwas abgelenkt zu werden. Die E 6 entlang nach Alta ist traumhaft! Der Kvaenangenfjord und das gleichnamige Gebirgsmassiv sind an Schönheit kaum zu übertreffen. Am Kvaenangen muss man über eine Passhöhe, an der ein Hotel/Restaurant/Cafe („Gildetun“) liegt; völlig einsam in dieser kargen, montanen Landschaft. Die Dächer mit Gras gedeckt… und der Blick von hier aus auf den Fjord einfach super! Auch die Fahrt entlang des Altafjordes ist an Ausblicken nicht mehr zu übertreffen. Abwechslungsreich fährt man durch Birkenwälder, an kleinen Gehöften und an kleinen Fischerdörfchen vorbei. Alta selbst ist als Durchfahrtsort zu bezeichnen. Die E 6 führt zentral durch die Ortschaft, rechts und links an den üblichen städtebaulichen Einrichtungen, wie Supermärkten und Tankstellen vorbei. Aber mir gefällt es hier irgendwie, nicht zuletzt deswegen, weil ich einen schönen Übernachtungsplatz am Hafen, neben einem feinen Hotel finde, das, so glaube ich, extra für die Passagiere der Hurtigruten gebaut wurde. Von dort aus genieße ich einen sensationellen Sonnenuntergang am Wasser und ich bin gespannt, was ich auf der weiteren Fahrt gen Norden alles erleben werde.

Schon gegen 6.30 Uhr kann ich der Helligkeit wegen nicht mehr weiter schlafen. Ein schöner Tag, bereits 15 Grad warm bei Sonnenschein. Während der Fahrt durch Alta, bemerke ich erst, wie groß diese Stadt ist. Typisch, wie in allen Nordstädten, wird eine enorme Fläche bewohnt. Davon haben die Nordmänner auch genügend! Es scheint so, als hätte hier jeder ein eigenes Haus mit großem Garten! Die Häuser bestehen meist aus einem Fundament aus Beton bzw. Naturstein (meist Granit) und da die meisten Häuser meist am Hang liegen, werden die Fundamente meist als Keller bzw. als nutzbares Stockwerk verwendet. Darüber liegt das eigentliche Wohngeschoß (im typischen Fall aus reinem Holz bzw. Sperrholzplatten). Die Grundform dieser Häuser ist fast quadratisch. An das Haupthaus wird noch ein kleiner Anbau gehängt, der den Eingangsbereich mit Windfang bilden dürfte. Die allermeisten Häuser besitzen dann noch ein weiteres Stockwerk unter dem Dach. Das Dach selbst ist als einfach zu bezeichnen, das in den meisten Fällen mit Ziegeln gedeckt ist. Andere Varianten sind Blechdächer. Ältere Häuser sind meist mit Gras gedeckt. Bei besonders schönen Häusern umgibt eine große Terrasse bzw. eine Veranda entweder ganz oder teilweise den Bau. Da diese „Hütten“ nicht gerade groß sind, stehen meist ein oder zwei Schuppen auf dem Grundstück, wo das Auto, Gartengeräte, Angelzeug und viel Holz untergebracht wird. Die meisten Häuser sind rötlich- braun gestrichen; die Fensterrahmen meist immer weiß. Also Alta verlasse ich nun weiter nordwärts auf der E 6. Im Verlauf kehre ich dem Meer den Rücken und durchfahre zunächst steil bergauf einen wunderschönen Birkenwald. Plötzlich öffnet sich die Landschaft und ich befinde mich auf einer endlosen Tundrahochebene, die an Weite nicht zu übertreffen ist. Die Strasse schlängelt sich dünnbandig durch diese Landschaft, aber auch hier, Gott verlassen, leben Menschen. Kleine Häuschen, zusammengerottete Dörfchen, sogar eine kleine Holzkirche haben sie sich hier errichtet. Es muss sich um Lappen handeln, die hier im Sommer zusammen mit ihren Renntierherden leben. Im Winter hier zu leben, kann ich mir nur schwer vorstellen! Neben der Strasse verläuft auf der linken Seite der Fluss Repparfjordelva, ein breiter, aber seichter Fluss, der ein braunes Wasser führt. Hier soll es braune Äschen geben! Paradiesische Verhältnisse für Fliegenfischer, jedoch hab ich keinen Fisch zu Gesicht bekommen. Da man überall am Straßenrand Fischerkarten kaufen kann, denke ich, dass auch hier der Bestand überfischt ist. Auch wenn der Autor meines Reiseführers Hammerfest und die Strecke dorthin nicht als sehenswert beschrieben hat, entscheide ich mich gegenteilig. Eine Nordkapfahrt ohne Hammerfest ist unvollständig, so denke ich mir. Und recht hatte ich mit meiner Entscheidung! Die Fahrt erwies sich als äußerst sehenswert, denn nicht nur die Gegend entlang des Repparfjordes, sondern auch die Häuser und kleinen Häfen der einzelnen Dörfchen stellten sich als sehr reizvoll heraus. Vielleicht hatte der Autor schlechtes Wetter??? Um Hammerfest erreichen zu können, verlässt man das norwegische Festland am Kvalsundet über eine große Hängebrücke, die plötzlich zwischen den steil abfallenden Fjordwänden erscheint. In Hammerfest bei 20 Grad und Sonnenschein angekommen, ist mir das Städtchen sofort sympathisch. Hammerfest liegt in einer Bucht und die 94 läuft bergab auf das Städtchen zu, so dass sich fantastische Blicke auf das Meer und die Stadt ergeben. Ich staune, als ich die Hauptstrasse von Hammerfest entlang fahre, was für Leben auf den Strassen herrscht. Nach all der Einsamkeit in den vergangenen Tagen! Die Leute sitzen in der Sonne, flanieren entlang des Hafens und belagern die Schaufenster der Geschäfte. An der anderen Seite der Bucht, vorbei an Gewerbe- und Automechanikerbetrieben, erreiche ich den Industriehafen, wo Schiffe repariert und riesige Ölmengen gelagert werden. Außergewöhnlich ist, dass hier überall Rentiere zu finden sind. Stehen sie den Autofahrern im Weg, so wird kurz mal gehupt und so manches Renntier steht im Vorgarten und knabbert an den Blumen. Am Industriehafen lasse ich das Auto stehen und fahre mit dem Rad zurück in das Zentrum. Gegen 13.00 Uhr legt das Hurtigrutenboot „Kong Harald“ am Stadthafen an. Touristen aus aller Welt erobern für zwei Stunden die Stadt und die Einheimischen sehen zu, wer da so kommen mag. Die größte Attraktion an diesem Tag sind acht einheimische Mädels, die in die eiskalten Fluten ins Hafenbecken springen. Sie gehen zum Steg, ziehen sich bis zur Unterwäsche aus und springen fünf bis sechs Meter tief von der Kaimauer runter ins Wasser. Ringsherum stehen die Schaulustigen im ganzen Hafen verteilt. Dass das Wasser kalt ist, bemerkt man dadurch, dass die Mädels möglichst bald wieder auftauchen und aus dem Wasser klettern. Für ihren Mut ernten sie Applaus von den Zuschauern. Nach dem lustigen Schauspiel gehe ich den Hafen weiter entlang, wo noch zwei norwegische Großsegler festliegen; auch ein Publikumsmagnet. Zum Schluss gehe ich noch zur Kirche und brenne dort eine Kerze für all meine Lieben an. – Das ist also Hammerfest, das ich jeder Zeit wieder besuchen würde, zumindest wenn das Wetter gut ist. Außer der Kirche hat das Städtchen sonst nichts Besonderes zu bieten. Ich persönlich werde Hammerfest schon der Lage wegen in sehr guter Erinnerung behalten. Gegen 15.30 Uhr fahr ich wieder auf dem RV 94 zurück auf die E 6 nach Skaidi. In Olderfjord angekommen, sind es jetzt noch ein wenig mehr als 100 km bis zum Nordkap. Bei einem solch schönen Wetter wäre die Chance auf einen Sonnenuntergang am Nordkap recht groß. Entlang des Porsangenfjordes führt die E 69, die fast die gesamte Strecke in den Fels gesprengt ist. Die Tunnels, die man auf dem Weg durchfährt, sind ein Erlebnis für sich, da sie nicht beleuchtet und nicht verschalt sind! Der weitere Verlauf der Strasse bietet Hunderte schöner Blicke auf den Fjord und wer sich für Makroalgen begeistert, kann hier im glasklaren Meerwasser auf seine Kosten kommen! Etwa 30 km vor Honningsvag, bevor es durch den Eismeertunnel (teure Maut und voll mit Abgasen!) geht, verschlechtert sich leider das Wetter. Die Bewölkung nimmt immer mehr zu, die Temperatur fällt auf 14 Grad ab und es beginnt zu regnen. Ein Schauer, denke ich; doch weit gefehlt! Je näher ich dem kargen Nordkap komme, umso schlimmer werden die Wetterverhältnisse. Die letzten Kilometer muss ich noch durch eine große und dichte Nebelbank fahren. Halbblind komme ich also an einen unwirklichen Ort. Bevor man den Parkplatz erreicht, wird man noch saftig gemolken, um einmal am Nordkap übernachten zu können. Es ziehen lange, dichte Nebelschwaden in einem Orkan an mir vorbei. Mein Thermometer zeigt nur noch 9 Grad an. Nun stehe ich da, das Heck des Autos gut im Wind und ich fang an zu frieren. Es zischt und zieht durch alle Ritzen. Erkennen kann ich in dieser Hexenküche weiterhin nix außer mein Auto und ein Mülleimer, der vor mir steht. Erst mal warm anziehen! Das wird schon mit dem Wetter! Allmählich knurrt auch der Magen, doch wie soll ich bei diesem Sturm hier was kochen? Die einzige Möglichkeit ergibt sich nur im Auto! Aus irgendeiner Richtung riecht es nach frischer Pasta. Kurze Zeit später kann ich auch sehen, woher der Duft kommt. Etwa 6 Meter neben mir steht ein Wohnmobil aus Italien! Doch dann verschwindet es wieder im Nebel. Während ich meine Sachen im Auto so zusammenkrame, um mir selbst eine Pasta zu kochen, lichtet sich der Nebel wieder kurz auf und lässt den Blick auf einen Zaun vor mir frei, in der eine Maggi- „Spaghetteria“- Tüte hängt. Das find ich zum Schießen lustig! Nicht nur ich, sondern auch die anderen Nordkapfahrer nehmen ihren Proviant von zu Hause mit! Bei halbgeöffnetem Dachfenster kann ohne Gefahr auf dem Boden des Beifahrersessels gekocht werden. Nach dem Essen lichtet sich der Nebel immer mal wieder für kurze Zeit und ich kann einen Blick auf die Barentssee erhaschen, sowie auf das flache „Nordkapzentrum“. In diesem Bau sind Souvenirläden, mehrere Bars und Restaurants, ein Kino und eine Kapelle untergebracht. Zum Aufwärmen ist das Gebäude gut geeignet! Als ich nach ein paar Fotoshootings wieder zurück ans Auto komme, hatte sich ein weißer Passat aus Esslingen neben mein Auto gestellt. Es handelt sich um ein Paar, das das erste Mal wieder ohne Kinder in den Urlaub gefahren ist. Wir kommen sehr schnell in ein nettes Gespräch, wobei wir uns über diverse Touren unterhalten. Die beiden sind echt nette Schwaben und ich bin froh, mal wieder mit jemandem zu reden.

Die Nacht am Nordkap, die ja keine ist (Sonnenuntergang gegen 0.30 Uhr), war kalt und stürmisch, aber trotz allem ein Erlebnis! Um 10.00 Uhr werde ich durch lautes Rattern diverser italienischer Motorradfahrer geweckt. Es ist auffällig, wie viele Italiener hier hoch in den Norden fahren! Die meisten sind mit wilden Motorrädern oder Campingwagen oder gleich mit beiden Vehikeln zusammen unterwegs. Wir Deutsche fahren das Nordkap zahlenmäßig sicherlich am häufigsten an, dicht gefolgt von den Italienern. Und wie die Italiener halt so sind, so wird das Erreichen des Nordkaps zusammen mit dem Gefährt auch gebührentlich gefeiert. Das schwere Motorrad wird dann 500 m lang über Stock und Stein zum bekannten Nordkap- Globus geschoben, um sich dort zusammen mit der Motor Guzzi ablichten zu lassen. Irgendwie der Wahnsinn, aber lustig zu beobachten!  Der Nebel hat sich über die Nachtstunden verzogen, es ist aber immer noch kalt und stürmisch. Das Nordkap ist sicherlich ein „Mythos“! Man fährt hierher, um sagen zu können, dass man dort gewesen ist. Viel zu sehen gibt es in dieser kargen Umgebung jedoch nicht, außer vielleicht einen schönen Blick auf das Meer, wenn es das Wetter zulässt. Die Rentiere fühlen sich allerdings hier in dieser menschenleeren Umwelt pudelwohl. Hat man bisher noch keine von ihnen gesehen, so wird man ihnen spätestens hier begegnen. Nach der obligatorischen Postkartenschreiberei und diversen Fotoshootings heißt es nun wieder Abschied nehmen. So gegen 17.00 Uhr fahre ich den Weg wieder zurück. Kaum habe ich Honningsvag erreicht, wird auch das Wetter wieder besser. Irgendwie ist das Nordkap eine Hexenküche! Man fühlt sich eher auf dem Wasser als auf Land! An der E 6 wieder angekommen, fährt man, man glaubt es kaum, durch eine liebliche, bäuerlich geprägte Landschaft entlang des Porsangenfjordes. Viehwirtschaft, insbesondere Schafzucht, aber auch Pferdezucht scheinen die Haupteinnahmequelle zu sein. Nähert man sich am südlichen Ende des Fjordes der Stadt Lakselv, so fällt auf, dass eine Menge kleiner Findlinge im flachen Wasser des Fjordes liegen. Lakselv selbst kann man als Durchfahrtsort bezeichnen, der geprägt ist durch den Angeltourismus (insbesondere Lachs). Jedoch hab ich auch hier keinen einzigen Fisch gesehen! In Lakselv verlasse ich vorerst die E 6 und fahre den RV 98 nach Norden weiter. Auf der anderen Seite des Porsangenfjordes ist das Landschaftsbild anders. Von schroffen Berghängen reichen krüppelige Birkenwäldchen hinunter bis zum Fjord, durchzogen von rauschenden Bächen. Diese Landschaft ändert sich, vorbei am Laksefjord bis nach Ifjord kaum. Es ist mittlerweile schon spät, aber die Dämmerung lässt es zu, weiterzufahren, da auch kein geeigneter Parkplatz zu finden ist. Die Strecke zwischen Ifjord und Vestertana kann man berechtigter Weise als Mondlandschaft bezeichnen. Ein Hochplateau, kaum Vegetation, bestehend aus Moosen und Flechten. Aber auch hier sind Menschen. Es sind Samen, die hier ihre Hütten haben und mit ihren Rentieren den Sommer verbringen. Des Öfteren fährt man an „Scheidegittern“ vorbei. Das sind Anlagen, in die die Rentierherden im Herbst meist mit Helikoptern zusammen getrieben werden und zum Schlachten sortiert werden. Es ist eine besondere Landschaft, die im Großen und Ganzen so erhalten geblieben ist, wie es das Eis geformt hat. Kurz nach Vestatana fallen mir die Augen fast schon zu. Etwas oberhalb des Tanafjordes finde ich einen schönen Parkplatz zum Übernachten.

Am heutigen Morgen werde ich schon gegen 8.00 Uhr von trommelndem Regen aufgeweckt. Jedoch bin ich so müde, dass ich mich noch mal „umdrehe“ und dann bis um 12.30 Uhr weiter schlafe. Der Regen hat zwar nun aufgehört, jedoch hängen dunkle Wolken in den steilen Fjordwänden. Weiter geht es durch Krüppelbirkenwälder, bis man plötzlich ein paar Kilometer vor Tanabru auf Bauernhöfe mit ihren Feldern trifft. Der Regen hat mittlerweile wieder eingesetzt. Tanabru beeindruckt mich irgendwie. Es ist zwar auch ein Durchfahrtsort, ist aber von quirligem Leben erfüllt, wie man es seit dem Nordkap nicht mehr gesehen hat. Viele Wohnmobile sind hier zu sehen, die sich anscheinend mit Proviant versorgen. An der E 6 wieder angekommen, beschließe ich, die E 75 zur östlichsten Stadt Skandinaviens, nach Vardö zu fahren. Vardö liegt auf dem gleichen Längengrad wie Istanbul und scheint während des Kalten Krieges eine wichtige Abhörstation der NATO gewesen zu sein. Die Fahrt ist ein Erlebnis, nicht zu letzt deshalb, weil auch das Wetter nun mitspielt! Zunächst fährt man wieder an einer Vielzahl von Gehöften vorbei. Nach wenigen Kilometern am Varangerfjord entlang, finde ich auf einer kleinen Landzunge ein nettes Kirchlein (Nesseby). Wie werden die Einheimischen zu Weihnachten hier sitzen und feiern!? Im weiteren Verlauf der E 75 ändert sich das Landschaftsbild. Zunächst durchfahre ich wieder Krüppelbirkenwäldchen bis ich Vadsö erreiche. Scheint ein bedeutender Fischereihafen zu sein. Allerdings sieht man hier vor allem russische Fischkutter im Hafen liegen. Norwegen hat kaum noch Fisch in seinen Hoheitsgewässern! Jahrzehnte lange Überfischung hat ihre Spuren hinterlassen. Die Barentssee auf russischer Seite hat noch große Fischbestände, die von den Russen ausgebeutet wird und hier in Vadsö für den westeuropäischen Markt verkauft wird. Folgt man der E 75 weiter nach Vardö durchfährt man eine karge, aber nicht uninteressante Tundralandschaft, an mehr oder weniger verlassenen Hüttenfeldern vorbei. Der Landstrich ist voll und ganz in der Hand der Schafe, nur wenige Rentiere bekomme ich zu Gesicht! Nach Vardö selbst fahre ich nicht mehr. Die Stadt liegt auf einer Insel, die durch einen Tunnel mit dem Festland verbunden ist. Ich fahre den gleichen Weg wieder zurück nach Varangerbotn, um wieder auf die E 6 zu gelangen. Bei Neiden finde ich dann einen guten Parkplatz zum Übernachten. Auch hier das gleiche unglaubliche Bild; Bauernhöfe, Felder, Viehweiden, Krüppelbirken! Am Abend wird es am Parkplatz richtig nebelig.

Am nächsten Morgen wird mir klar, warum es gestern so nebelig wurde. Gleich in der Nähe liegt ein wunderbarer Fluss mit dem Wasserfall Skoltefossen. Das Wasser ist auch hier braun gefärbt, aber glasklar. Die E 6 nach Kirkenes führt dann weiter durch karges, steinig- felsiges Terrain, bis man die Stadt erreicht. Für mich seit Jahren die Stadt als Inbegriff des Wilden, Unbezähmbaren, letzter westlicher Posten auf dem Weg nach Russland. Die Stadt liegt an einem Hang mit einem kleinen Zentrum und einem großen Industriehafen am Bökfjord. Bei schönstem Sonnenschein bei 20 Grad bin ich erstaunt, wie schön und gepflegt diese Stadt ist. Wunderschöne, frisch gestrichene Holzhäuser, blühende Gärten mit Fjordblick. Es fällt auch auf, dass hier fast nur alte Menschen leben. Woher haben die das Geld für ihre schönen Häuser? Ich habe gelesen, dass der norwegische Staat 100.000 DM/Jahr demjenigen zahlt, der im Norden bleibt. Wahrscheinlich gilt dies auch für Kirkenes. Anders ist das nicht zu erklären. Die Menschen, die hier leben, scheinen durch ihre private schöne Umgebung die harten Wintermonate so erträglich wie möglich zu machen. Was mir auch hier auffällt, dass kein einziger norwegischer Fischkutter im Hafen zu sehen ist. Nur rostige, abgewrackte russische „Seelenverkäufer“. Nach einem längeren Aufenthalt am Hafen, an dem noch diverse Hinterlassenschaften der Deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg zu sehen sind, geht es nun weiter an die russische Grenze Richtung Murmansk zum „schmiedenen Tor“, das sich jedoch als Törchen entpuppt (!), das nun auch offen steht. Keine Ahnung, wie das hier noch vor 10 Jahren ausgesehen hat. Heute jedoch würde ich diesen Grenzübergang mit allen anderen europäischen Grenzübergängen gleich stellen. Noch Reste des gegenseitigen „Abhörens“ und „Misstrauens“ findet man entlang der russischen Grenze nach Grense Jakobselv. Eine Fahrt durch eine bizarre Stein- und Felswüste, farblich geprägt von einer Vielzahl unterschiedlicher Flechtenarten. Ein See folgt auf den anderen. Die letzten Kilometer bis zur Barentssee wird die Strasse steinig. Die Grenze verläuft hier mitten durch einen kleinen Grenzfluss (Jakobselva). Eine in den Hang gebaute Kirche fällt sofort auf der linken Seite auf, die von norwegischen Fischern gebaut wurde als Symbol dafür, dass hier die Orthodoxen Christen aus Russland nichts zu suchen haben, nachdem es damals immer wieder Grenzüberschreitungen der Russen gegeben haben muss. Auf der rechten Seite des „Feldweges“ zieht sich der Grenzzaun entlang. Der meiste Stacheldraht rostet eingerollt in den Wäldern und Wiesen vor sich hin! Zu beiden Seiten steht auf erhöhter Position eine Radarstation. Außerdem sind auch hier Deutsche Spuren aus dem 2. Weltkrieg zu finden (Artilleriestellung?). Am Ende der Straße erreicht man einen kleinen Parkplatz, der an einem kleinen Hafen liegt mit Blick auf die offene See. Die Aussicht auf die Barentssee ist gigantisch. Die Küste ist schroff, vom Eis abgehobelt. Während ich den schönen Blick auf die Barentssee genieße, spricht mich ein Schweizer an. Er erzählt, dass er aus Basel komme und vor zwei Wochen nach Ivalo (FIN) geflogen sei, um sich dort ein Auto zu mieten, mit dem er in den letzten Tagen von Hotel zu Hotel gefahren ist, immer auf der Suche nach den besten Fischgründen. Das Gebiet um Kirkenes gefiele ihm gar nicht, er bevorzuge doch eher Finnland, weil da alles so „ordentlich“ sei. Was auch immer er damit gemeint hat …. Erst durch einsetzenden Regen am Nachmittag kann ich mich von diesem schönen Platz lösen. Allerdings ist dieser Parkplatz nicht als einsam zu bezeichnen; ein kontinuierliches Kommen und Gehen von Autos und Besuchern. Zurück geht es also dann im Regen nach Kirkenes und Neiden auf der E 6. Da ich noch nicht müde bin, beschließe ich die 971 zum Inari- See (FIN) zu fahren. Die Fahrt, von der ich mir soviel versprochen habe, stellt sich als enttäuschend und langweilig heraus. Mag sein, dass das schlechte Wetter, oder aber auch das sehr abwechslungsreiche Norwegen schuld für diesen Eindruck ist! Man fährt durch endlos monoton wirkende, ja fast aufgeräumte Birken- Kiefern- Wälder; mal hier ein Sumpf, mal dort ein See. Aber fast alles ausschließlich flach, so dass mir die weite Sicht fehlt, die ich doch in den letzten Tagen so schätzen gelernt habe! Die finnischen Wälder sind meist recht licht, grünweiße Flechten bewachsen den Waldboden und eine Vielzahl an Pilzen entzückt jeden Sammler. Jedoch drückt die spürbare Enge zwecks mangelndem Überblick auf das Gemüt! Der Inarisee mag schon schön sein, ist jedoch touristisch voll erschlossen! Es sind viel zu viele Menschen hier! Gerade deutsche Touristen! Das gefällt mir alles hier nicht und ich beschließe die 955 nach Lemmenjoki weiter zu fahren. Lemmenjoki ist ein Nationalpark und ein Goldgräberort, der allerdings in der Vergangenheit nie große Mengen dieses Edelmetalls zu Tage gefördert hat. Trotzdem will ich mir mal dieses Gebiet anschauen. Auch hier endlose finnische Wälder, von Mückengeschwadern durchsetzt, auf sandigem bzw. kiesigem Untergrund. Ich hatte den Eindruck als hätte der Sand einen goldfarbenen Touch. Erst um 1.00 Uhr finde ich einen geeigneten Rastplatz direkt am Touristen- Informationszentrum des Naturparks Lemmenjoki. Dort begegne ich einem kleinen Hasen, der in der Dämmerung neugierig um mein Auto hobbelt und mich anscheinend beobachtet, wie ich mich für die Nacht fertig mache, bevor er dann wieder in den dunklen Wald verschwindet.

In der Nacht, als ich hier in Lemmenjoki angekommen bin, bin ich vollkommen alleine gewesen, kein einziges Geräusch war zu hören- gespenstisch. Am nächsten Morgen werde ich schon gegen 8.00 Uhr durch diverse heranfahrende Autos geweckt. Viele Deutsche und auch Spanier sind darunter! Unter ihnen ist ein etwa 65- jähriger Mann aus dem Ruhrpott. Er ist mit einem VW- Bus durch den wilden Finnenwald unterwegs, am Heck das Rad, oben auf dem Dach ein Faltboot geschnürt. Wir kommen ins Gespräch: Er sei bisher 8 Wochen unterwegs und habe sich bisher nur in Finnland aufgehalten, das ihm mächtig gefalle. Seine Frau sei letztes Jahr verstorben und nun möchte er sich dieses Erlebnis alleine noch mal gönnen. Was erleben in der Natur, zu sich finden! Solche „lonelies“ sind mir ein paar mal in Finnland aufgefallen! Lemmenjoki scheint ein bekanntes Wandererziel zu sein. Als ich dann sehe, wie viele Menschen diesen Pfad heute begehen wollen (ganze Schulklassen!), entscheide ich mich für die Weiterfahrt. Um nun weiter in den Süden Finnlands vorzustoßen, fahr ich die 955 wieder zurück nach Inari, um von dort aus, der E 75 folgend, nach Rovaniemi zu gelangen. Auch an diesem Tag sehe ich, wie am Vorabend, dass hier Touristen über Touristen sind. Das gefällt mir einfach nicht, so dass ich schnurstracks durch die weiten finnischen Wälder bis an den Polarkreis gefahren bin. Dieser Polarkreisübertritt ist insofern erwähnenswert, da er als das Zuhause des Weihnachtsmannes gehalten wird und die Kinder hier ihre Wunschzettel abgeben können. In meinen Augen ein totaler Kitsch, aber das ganze Jahr über ein Publikumsmagnet aus aller Welt! Zu Weihnachten scheint sogar eine Concorde mit Amerikanern hierher zu fliegen. Der Parkplatz ist abends über recht ruhig, weshalb ich hier die Nacht verbringen will. Links und rechts neben mir stehen zwei Italienische Wohnmobile aus Rom bzw. Mailand, die köstliche Pasta und Oliven essen. Bin dann ziemlich bald eingeschlafen. Ach ja, es wird hier in Rovaniemi das erste Mal wieder für kurze Zeit dunkel!

Trotz dessen, dass die Nacht auf dem Parkplatz recht ruhig war, bin ich bereits um 7.00 Uhr durch fahrende Autos und Weihnachtsmusik geweckt worden. Das „Weihnachtsfantasia“ öffnet seine Tore. Ich habe gelesen, dass es hier in der Nähe von Rovaniemi einen Deutschen Soldatenfriedhof geben soll. Etwa 20 km nordwestlich von Rovaniemi nach Nordajärvi, wo eine Stichstrasse hinführt. An einem Parkplatz muss man das Auto abstellen, um dann ca. 800m durch den Wald zum Friedhof zu gelangen, der direkt an einem See liegt. Eine Art Segnungshalle steht im Zentrum des Friedhofs, von hohen Bäumen gesäumt. Sonst sieht man in diesem großen Areal keinen einzigen Grabstein bzw. ein Kreuz. Erst bei Betreten des einzigen Gebäudes, das sehr dunkel und unheimlich ist, kann man lesen, dass hier in mehreren Kruften, die toten Soldaten im Boden dieser Halle ihre letzte Ruhe gefunden haben. Etwa 3.000 Menschen sind hier aus verschiedenen Teilen Finnlands zusammengetragen worden. Auf Bodenplatten sind die einzelnen Toten in Reih und Glied aufgelistet. Ist irgendwie gespenstisch hier, kein Licht, so dass eine Taschenlampe empfehlenswert gewesen wäre. Am Eingang liegt ein Buch aus, wo man den Namen, den Rang, Geburtsdatum und Sterbedatum, falls bekannt, nachschlagen kann. Viele 19- und 20- jährige haben hier in Finnland ihr Leben lassen müssen! Für nix und wieder nix! Etwas bedrückt verlasse ich diesen sonderbaren, aber sehr ruhigen Ort und fahre zurück nach Rovaniemi. Überall auf den die Stadt umgebenden Seen sieht man die Finnen in ihren Booten fischender Weise sitzen. Weiter geht es die 78 nach Ranua. In Ranua soll es einen schönen Zoo geben, wo alle Tiere des Nordens zu besichtigen sind. Jedoch regnet es mittlerweile in Strömen, so dass ich weiter durch endlosen Finnenwald, der mal durch Sümpfe, mal durch Seen unterbrochen wird, Richtung Kajaani unterwegs bin. Was über die meisten Teile des Finnischen Waldes jedoch zu sagen ist, ist folgendes: er besteht meist aus Kiefern und Birken und ist relativ licht, so dass auch genügend Licht auf den Waldboden fällt, so dass hier eine Vielfalt an Flechten, Moosen und diversen Beerenarten ungehindert wachsen können. Der Charakter des borealen Waldes lässt sich also nach anderen Kriterien beschreiben als wir unseren, gemäßigten Wald kennen. Auch wenn auf der Straßenkarte Finnland von der Infrastruktur ganz gut erschlossen scheint, so darf man nicht den Eindruck haben, dass hier die Wildnis zu Ende ist! Gegen Abend komme ich in Kajaani an. Der Ort hat nicht viel zu bieten. Eine größere Kirche und ein kleines, schmuckes, hölzernes Rathaus. Ansonsten unschöne, moderne Betonanlagen und eine Vielzahl von Einbahnstrassen. Weil ich hier zu Abend gegessen habe, habe ich hier den alltäglichen „Schwachsinn“ erlebt, den die hier lebenden Jugendlichen verüben! Ich habe mich auf einem leeren Parkplatz des hiesigen Stadttheaters gestellt und esse meine Pasta. Vor mir drei parallel laufende Strassen. Die eine der Zubringer zum Theater, die zweite die Hauptstrasse und die dritte eine Strasse, die in ein Wohngebiet führt, aber so breit ist, dass deren Mitte als Parkplatz genutzt werden kann. Die Hauptstrasse ist an einen Kreisverkehr geknüpft, der wiederum alle Strassen in alle Himmelsrichtungen verbindet. Ein verrückteres Auto, oder Altes Auto nach dem anderen, fährt hier an mir vorbei, z.T. toll aufgemotzt. Ähnlich wie in Jokkmokk bemerke ich, dass sich die „Art der Autos“ immer wiederholt, sprich die Fahrer also ständig im Kreis fahren. Bei genauerer Beobachtung stellt sich auch heraus, dass sich in den meisten Autos entweder nur Mädels oder nur Jungs aufhalten. Die Mädels schauen mal bei den Jungs vorbei, fahren dann weiter, kommen wieder zurück und stellen sich zu einem anderen Auto. Dort bleiben sie dann so 5 Minuten, dann fahren sie weiter, um nach ein paar Runden durch die Stadt erneut an mir vorbei zu fahren. Ähnlich verhält es sich auch bei den Jungs, nur dass die auch ordentlich Alkohol trinken. In der dritten Strasse bildet sich so allmählich ein Cliquentreff aus. Dort wird gesoffen und geraucht bei laut aufgedrehter Musik. Doch es sind nicht nur junge Leute unter den Vielfahrern, sondern man sieht auch ältere Pärchen, die immer mal wieder an mir vorbei fahren. Die größte Attraktion ist dann so ein A- Team- Bus, der mit drei total betrunkenen Jugendlichen vorbei kommt. Der Fahrer wird noch nicht so voll gewesen sein, aber die anderen zwei hängen zunächst noch angezogen grölend in der Schiebetür. Jedes Mal, wenn sie wieder an mir vorbeikommen, scheinen sie ein weiteres Bekleidungsstück abgelegt zu haben. Dieses Spektakel ist echt amüsant zu beobachten, aber doch irgendwie krass. Die leben hier nur auf der Strasse und in ihren Autos. Da ist nix mit weggehen oder so. Außerdem kennen sich hier anscheinend alle und deshalb muss es hier auch verdammt langweilig sein! Wer fährt denn bei uns dauernd mit seinem Auto im Kreis herum? Ich bin noch nicht sehr müde, so dass ich noch eine ganze Strecke weiter fahre, auf der E63 nach Lapinlahti, wo ich neben einer sehr schönen Holzkirche und einem Altenheim einen Parkplatz zum Schlafen gefunden habe. Auf der Strecke ist mir aufgefallen, wie viele Frösche und Kröten die Strasse bei Nacht überqueren und zu tausenden zusammengefahren werden. Es hat übrigens den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch geregnet bei etwa 14 Grad. Es war also wirklich ungemütlich und triste!

 Die Wahl des Schlafplatzes hat sich am heutigen Morgen als ungünstig erwiesen. Gegen 5.00 Uhr setzt reges Begängnis um mein Auto herum ein. Das ist mir irgendwo schon mal früher aufgefallen, dass hier in Finnland recht früh aufgestanden wird (es ist ja auch schon lange hell!), aber auch früh zu Bett gegangen wird. Ich hab eigentlich noch gar nicht die Augen richtig auf bekommen, aber ich fühle, dass ich hier auch nur geduldet werde. Um keinen Ärger zu verursachen, fahre ich deshalb weiter, um nach ein paar Kilometer später einen Rastplatz an der Strasse anzusteuern und dort weiter zu schlafen. Erst gegen 13.00 Uhr wache ich wieder auf und mir ist nun klar, dass ich mich noch mal gründlich waschen möchte, bevor ich nach Helsinki fahre! Da ich mich nun auch am Anfang der Finnischen Seenplatte befinde, sollte dies auch nicht so schwer werden. Es ist mittlerweile sonnig und 24 Grad warm geworden, so dass es mir nicht so schwer fallen sollte, in einem klaren, aber kalten See bei Silinjärvi zu baden. Während ich schwimme und mich wasche, werde ich von einem Schwarm Fische beäugt. Mir tut´s irgendwie leid, dass ich ihr Wasser mit ein wenig Seife verschmutzte. Man fühlt sich wirklich ganz anders, wenn man so frisch gebadet ist und so geht es nun weiter auf der 5 an Kuopio, Mikkeli und Lahti vorbei, nach Helsinki. Die Sprungschanzenanlage von Lahti sei auf jeden Fall noch zu erwähnen, die mich durch ihre Größe fasziniert. Da sollen Menschen runterspringen? Die Finnische Seenplatte ist zwar schön, doch für mich nichts Besonderes, da die Seen von Wald umgeben sind und immer mal wieder auch durch Dörfer unterbrochen werden. So ein wenig hat es mich an die oberbayrische Seenplatte erinnert. Bei Sonnenuntergang treffe ich in Helsinki ein. Eine Stadt mit einigen größeren Vororten, so dass es einige Zeit dauert, bis ich das Zentrum erreicht habe. Wie immer stürzt man sich ins Ungewisse bei der Suche nach Zentrum und geeignetem Parkplatz. In der Nähe des Hafens finde ich einen kostenlosen Abstellplatz, wie sich später herausstellen sollte fast genau am Zentrum. Es ist gegen 21.00 Uhr und es ist schon fast dunkel. Meine Müdigkeit hält sich in Grenzen, so dass ich nun noch eine Stadtrundfahrt per Rad unternehmen möchte. Die fast mediterranen Temperaturen von 24 Grad laden mich dazu ein. Erstmal fahre ich der Straßenbahn Nummer 4 nach, die an meinem Parkplatz vorbeiführt. So erreiche ich gleich mal einen großen Platz, der von klassizistischen Gebäuden umsäumt wird. An der anderen Seite des Platzes erhebt sich der Dom empor, den man über ein paar Treppen erreichen kann. Hinter dem Dom breitet sich die Universität mit einer sehr hübschen Bibliothek aus. Ich fahre weiter an der Uni vorbei, überquere eine Brücke und bin nun anscheinend im modernen Teil Helsinkis gelandet. Zu allen Seiten stehen hohe, hell erleuchtete Gebäude aus Glas und Beton; ein Fastfood- Restaurant ans Nächste gereiht. Je weiter ich fahre, um so mehr öffnet sich die Strasse wieder zu einem größeren Platz. Eine Strasse nach der anderen erkunde ich nun von diesem Platz aus und fahre an zum Teil schönen alten 3 bis 5- stöckigen Wohnvierteln aus dem vorigen Jahrhundert vorbei. Nach einer Stunde Sightseeing per Rad, entscheide ich mich den Weg zum Auto wieder zu finden. Ich folge wieder den Straßenbahngleisen, habe aber nicht die richtige Abzweigung erwischt, so dass ich nun in der Fußgängerzone im Zentrum Helsinkis lande. Dort verfahre ich mich nun vollends. Jedoch mache ich mir keinen Kopf, da hier das Leben pulsiert. Überall in den Häuserfronten nette Bars und Restaurants, mal wieder eine Fußgängerzone mit vielen schönen Geschäften. Auf meiner Irrfahrt durch die Stadt gelange ich auch zu dem bekannten Bahnhof Helsinkis. Nun ist es aber schon nach 1.00 Uhr und langsam bekomme ich Angst, das Auto wirklich nicht mehr zu finden. Erst gegen 2.00 Uhr komme ich zufällig wieder an den Ostseehafen und von da aus finde ich auch das Auto wieder. Die Hauptsehenswürdigkeiten liegen also nicht weit von meinem Parkplatz entfernt. Ich schau noch in meinen Stadtführer und lese, dass dem auch so ist. Ich bin also heute Abend einiges an Kilometern durch Helsinki geradelt, hab aber auch einiges vom Nachtleben dieser Stadt erlebt. Nach dem ersten Eindruck ist mir die Stadt sehr sympathisch. Bis um 8.00 Uhr vormittags kann ich hier an meinem Parkplatz kostenlos stehen, so dass ich mich um 5.00 Uhr wecken möchte, um Helsinki auch bei Tageslicht anschauen zu können.

Auch wenn die Nacht relativ ruhig verlaufen ist (viele Betrunkene), so werde ich auch schon um 5.00 Uhr von lautem Autoverkehr aufgeweckt. Mir scheint es wirklich so, dass die Leute hier früher aufstehen als in Deutschland. Die Straßenbahnen fahren die Menschen schon fleißig zur Arbeit. Also geht´s wieder los mit dem Fahrrad. Zuerst zum Ostseehafen; dort befindet sich auch der Marktplatz, wo jeden Tag von 7.00- 14.00 Uhr ein Markt stattfindet, an dem alles Mögliche angeboten wird. Von Lebensmitteln, über Textilien und touristischen Kitsch, alles, was das Land hergibt. Was ich lustig finde, ist ein kleines „Zeltcafe“, dass schon um 5.30 Uhr vollkommen voll ist. Die Leute frühstückten hier draußen bei 18 Grad und lesen Zeitung. An der Hafenstrasse befindet sich dann der Präsidenten- Palast und die Hauptwache. Vom Marktplatz aus erreicht man dann die Esplanaden, eine Strasse wie in etwa die La Rambla in Barcelona. An den Seiten Häuser mit den vielseitigsten Geschäften aus aller Welt. Die Mitte wird von einem Art lang gestrecktem Park gebildet, der von zwei Strassen eingerahmt wird. Wenn man hier die Esplanaden entlang flaniert, könnte man das Gefühl haben in jeder anderen südlichen Metropole Europas zu sein! Ein Stückchen hinter den Esplanaden befindet sich der Bahnhof, der ein archetektonisches Meisterwerk sein soll, das ich aber nicht so beeindruckend finde. Der Busbahnhof, der dort anschließt, ist durch seine Größe dagegen enorm beeindruckend, wie auch die große Anzahl an Menschen, die man hier beobachten kann. Zurück am Marktplatz, spitzt hinter dem Präsidentenpalais der lutherische Dom im Morgenlicht hervor, den ich ja bereits gestern Abend gesehen habe. Auch die Universität schaue ich mir noch mal genauer an und den modernen Teil Helsinkis, den ich auch schon gestern durchfahren habe. Jedoch war ich nun bei Tageslicht etwas enttäuscht, da die Stadt sehr dreckig ist. Überall liegen Papier, leere Flaschen und Dosen herum. Mir fällt auch auf, dass eine ganze Schar Straßenfeger die Hinterlassenschaften der Nacht wegfegen. Ansonsten finde ich Helsinki recht nett, da es mich auch ein wenig an Genf erinnert. Jedoch hat die Stadt nicht mehr zu bieten, als dass man sie nicht mehr als an einem Wochenende besuchen könnte! Gegen 8.00 Uhr fahr ich noch am Olympiastadion vorbei, das so ein wenig vor sich hingammelt und auch nichts besonderes ist, so dass ich mich also wieder auf die Strasse Richtung Tampere (E12) begebe. Die ganze Strecke eigentlich bis nach Oulu kann man stark landwirtschaftlich geprägt nennen. Schöne Getreidefelder (noch fast grün, obwohl hier z.T. bereits die Herbstfärbung eingesetzt hat!) und nette Bauernhäuser, fast alle in Rot- Weiß! Manche haben sogar noch eine Getreidemühle. Sonst ist das Land fast brettel- eben! Zu den Schären kommt man nur recht selten, da man meist durch privates Waldgebiet, das auch meist umzäunt ist, laufen muss. Nur zweimal ist es mir gelungen, die Schären über eine Stichstrasse zu Gesicht zu bekommen. Der Wald reicht bis zur Küstenlinie und die kleinen charakteristischen Inselgruppen im Meer sind fast ausschließlich von Bäumen bewachsen. Jedoch auch hier alles eben, jedoch findet man hier wunderbare Strände mit grobem, goldbraunem Sand. Ich habe es dann heute noch bis zum Rastplatz „Oulu“ entlang der 8 auf dem Weg in die Wildnis geschafft. Das Wetter war durchgehend heiter bei 20 Grad.

Trotz dessen, dass der Rastplatz stark besucht war, habe ich gestern einen guten Platz gewählt, wo ich bis um 12.00 Uhr schlafen konnte. Der Himmel präsentiert sich zunächst bescheiden bei starker Bewölkung und 18 Grad. Ab Oulu kann man den Landstrich wieder stark forstwirtschaftlich geprägt ansehen. Viele Holztransporter prägen das Straßenbild und überall sind an der Küste Holz- Verladehäfen zu sehen. Die E 75 bis nach Tornio ist deshalb auch sehr von Industrie geprägt. Anders dann, wenn man die E 8 wieder nach Norden abzweigt und zunächst entlang des Torneälv fährt. Hier findet man wieder ruhige Wiesen und Wälder, die ab und zu von kleinen Dörfern unterbrochen werden. Im weiteren Verlauf wird die Landschaft dann wieder typisch skandinavisch, wo sich Sümpfe mit kleinen Birken- und Kiefernwäldern und Heiden abwechseln. Der Torneälv ist sicherlich als guter Lachsfluss zu bezeichnen, habe aber keinen darin schwimmen sehen! Auffällig auch hier ist wieder sein braunes, von Huminstoffen angefülltes Wasser. Kurz nach dem Ort Pello mache ich Rast und werde von einem Finnen angesprochen. Er ist so gegen Ende 60 und ist mit seiner Frau, so erzählt er, unterwegs, um sein Land von Nord nach Süd kennen zu lernen. Wo er eigentlich herkommt, hat er mir nicht erzählt. Er sagt mir, dass er diesen Traum schon immer gehabt hat und ihn nach 30 Jahren endlich erfüllen möchte. Während wir uns so auf Finnisch- Deutsch unterhalten, bereitet seine Frau das Essen vor. Seine Frau ist irgendwie der Wahnsinn. Sie ist auch so Ende 60, hat einen schiefen Hals, weshalb sie den Kopf immer schräg hält und irgendwie schwerfällig wirkt. Beide tragen einen Trainingsanzug. Er erzählt noch, dass er sich in seinem VW- Bus einen stärkeren Motor einbauen lassen will. Das sind nun also die Gespräche, die man hier draußen in der Wildnis führt. Nach diesem netten, aber doch schweren Gespräch, fahr ich die E 8 weiter an Muonio vorbei, um dann die 93 nach Kautokeino zu nehmen. Die Strecke der E 8 verläuft auf jeden Fall endlos durch den finnischen Wald. Kaum zu glauben, dass die E 8 eine „Europastrasse“ sein soll. Es grenzt fast an Unglaubwürdigkeit, wenn man sieht, wie klein bzw. eng sie ist. Aber so sind halt die Verkehrswege im Hohen Norden, wie es sich damals auch am Alaska- Highway in Kanada erkennen ließ! Also kurz nach dem Dorf Palojoensuu stelle ich mich zum Schlafen neben die Strasse. Ein aufgerissener Müllbeutel lässt erahnen, dass in der Nacht einiges Getier hier sein Unwesen treibt. Der Herbst ist hier bereits eingezogen, was man auch anhand der niederen Temperatur von 10 Grad spüren kann.

 

 

Die Temperatur hat sich auch um 10.00 Uhr kaum verändert. 11 Grad, noch bei nur stark bewölktem Himmel. Kautokeino ist die offizielle Hauptstadt der Lappen. Deshalb will ich auf jeden Fall noch einen Abstecher dorthin unternehmen. Was wieder auf dem Weg auffällt, ist, dass man eigentlich durch Sanddünen fährt, die nun von lichtem Wald bewachsen sind. In diesen lichten Wäldern gibt es eine ganze Vielzahl an unterschiedlichen Flechten- und Pilzarten. Die Pilze werden hier auch sehr groß! Ein El Dorado für alle Pilze- Sammler und – Esser! Nach dem Finnisch- Norwegischen Grenzübertritt setzt dann ein unangenehmer Nieselregen ein, so dass ich eigentlich froh bin, dass Kautokeino zum einen nicht groß und zum anderen nicht sehr sehenswert ist, außer vielleicht die dortige Holzkirche. Von der Skisprungschanze aus, hat man einen umfassenden Blick über die Stadt der Nordeuropäischen Ureinwohner! Der Regen sollte an diesem Tag leider nicht mehr aufhören, aber für mich steht fest, dass die E 8 einer der schönsten Strecken in Skandinavien ist. Im westlichen Verlauf wird das Gebiet hügeliger bis man dann vor Kilpisjärvi in montanes, raues, kaum bewachsenes Gebiet kommt. Fast den gesamten Abend verbringe ich an der „Sturmbock- Stellung“. Ein Festungs- Relikt der Deutschen aus dem 2. Weltkrieg. Zu sehen ist ein rekonstruktiver Teil eines Hügels, der vom 20. Gebirgsregiment in eine Festung umfunktioniert wurde. Beeindruckend, was sich dort die Deutsche Wehrmacht während des Rückzugs hat einfallen lassen! Das Besondere ist noch ein völlig intaktes 75 mm Panzer- Abwehr- Geschütz. Die Nacht verbringe ich noch vor der Grenze an der Straßenseite, was sich allerdings am nächsten Morgen als Fehler herausstellen sollte. Gleich in der Nähe ist eine Abzweigung zur Feltstasjon der Universität Tromsö, jedoch kann ich dort nichts besonderes ausfindig machen.

Schon um 5.30 Uhr werde ich aus dem Schlaf gerissen. Ein orkanartiger Regensturm bei 10 Grad (das ganze Auto war vollkommen beschlagen!) und noch viel schlimmer anrückende Straßenbaufahrzeuge, die den Seitenstreifen der neu geteerten Strasse bearbeiten wollen. Da ist an Schlafen nicht mehr zu denken, weshalb ich nun weiter fahre. Wieder in Skibotn angekommen, stehe ich erneut an der Kreuzung, wo es rechts nach Kirkenes und links nach Tromsö geht, wie vor über 14 Tagen. Die Route nach Norden ist schon verdammt gut und ich würde sie jeder Zeit wiederholen. Leider geht´s nun links die E 6 nach Süden. Das Wetter bessert sich allmählich und ich fahre zunächst an der anderen Seite des Lyngenfjords entlang. Die Troms würde ich als die Alpen Norwegens bezeichnen. Hohe von Wäldern bewachsene Berge umrahmen die Strasse. Überall schlängeln sich kleine Gebirgsbäche entlang der dunkelgrünen Hänge. Tromsö liegt nicht an der E 6, sondern ist etwa 73 km nördlich davon durch die E 8 zu erreichen. Eine winzige Strasse, die größtenteils nur mit 60 km/h zu befahren ist, führt entlang des Balsfjordes durch eine Vielzahl kleiner Bauerndörfer. Eine wirklich sehr ansprechende Strecke, die sich lohnt! Tromsö selbst überrascht mich durch seine Größe und durch seinen Charakter. Die Nördlichste Universitätsstadt der Welt, scheint dem harten Klima so hoch im Norden zu trotzen. Das Wahrzeichen der Stadt ist die „Eismeerkathedrale“. Um sie von innen betrachten zu können, muss man einen horrenden Eintritt bezahlen, den ich mir jedoch spare. Architektonisch macht die Kirche auf jeden Fall was her! Die eigentliche Stadt liegt auf einer Schäreninsel, die man über eine große Brücke vom Festland aus erreicht. Dort zu besichtigen sind das Polarium (Tromsö ist traditioneller Expeditionsausgang nach Spitzbergen!), sogar eine Katholische Kirche und eine recht nette Fußgängerzone mit diversen Geschäften und Kneipen. Mittlerweile hat es 17 Grad und die Menschen füllen leicht bekleidet und gut gestimmt die Strassen und Straßencafes. Die Universität interessiert mich noch sehr. Um sie zu erreichen, muss man durch zwei Straßentunnels, so dass ich die Orientierung verliere und nicht sagen kann, wo sie eigentlich liegt. Der Universitätskomplex hat diesen Namen auf jeden Fall verdient! Eine so große Uni hätte ich hier nicht erwartet! Hier findet man von natur- bis literaturwissenschaftlichen Instituten alles. Überall auf dem Gelände moderne und ansprechende Gebäude. Am späten Nachmittag geht´s dann wieder die E 8 zurück zur E 6, wo ich noch bis zum Målselvfossen fahre. Das ist ein Lachsfluss, wie er im Bilderbuch steht! Dazu muss man ein paar Kilometer von der E 6 weg bis man zu einem Campingplatz gelangt. Hier treffe ich noch ein Ehepaar mit ihrer Tochter und ihrem Freund aus Berlin, die jetzt schon zum zehnten Mal zum Nordkap fahren! Die Frauen sind damit beschäftigt „Strandgut“ entlang des Flusses zu sammeln. Alle möglichen Hölzer und Steine, während wir Männer uns über die Routen und die Reise (das Erlebte) unterhalten. Sie sind über Kiruna nach Norwegen gekommen und haben fast die ganze Zeit über schlechtes Wetter gehabt. Noch hält sich das Wetter hier und sie wirken ein wenig überrascht, als ich ihnen erzähle, wie schön der Tag heute in Tromsö war. Sie erzählen mir weiter, dass dieser Fluss hier ein exzellenter Lachsfluss sei, jedoch die Fangerlaubnis bereits ein Jahr vorher zu kaufen ist, da man sonst keine Chance hat, einer dieser begehrten Fischerkarten zu kaufen. Ich gehe dann den Fluss am Ufer entlang und da sehe ich sie, die Profi- Fliegenfischer, mit fast 5 Meter langen Ruten. Der Fluss selbst führt glasklares, aber auch hier bräunliches Wasser. Am Ufer liegen vom Eisenerz geprägte, rostig- braune Steine. Der Weg führt bis zu einem laut tosenden, breiten, kaskadenartigen Wasserfall und man glaubt es kaum … hier springen sie, die Salmons! Fast unvorstellbar, dass sie eine solche Hürde nehmen können! Was das Kraft kosten muss! Oberhalb des Wasserfalls beginnt dann ein Schutzgebiet, wo nicht mehr gefischt werden darf, was ich für sehr sinnvoll halte, da sich hier die Fische ausruhen können, ohne gestört zu werden. Am Wasserfall harre ich so etwa 2 Stunden aus bis es fast schon dunkel wird. In dieser Zeit sehe ich aber nur 4 Lachse springen! Auf dem Rückweg zum Auto stehen die Fliegenfischer immer noch hüfttief im Wasser ihre Ruten schwingend. Ich sehe die Fischer kaum, so dunkel ist es bereits. Auffällig ist, dass sie nun mit Leuchtfliegen fischen! Der Hammer, oder? Nach dem kleinen Lachsflusserlebnis kehre ich wieder auf die E 6 zurück und verbringe die Nacht am nächsten Rastplatz direkt an der Barduelva.

Das ganze Gebiet von Andselv, Bardu und Fossbaken ist z.T. sehr stark durch Militäraktivitäten geprägt. Die Städte und Dörfer haben deshalb hier auch alles zu bieten, was man so braucht, obwohl es der Größe nicht unbedingt angemessen wäre! Die Landschaft ist weiterhin gebirgig und bewaldet, sogar Fichten sieht man hier wieder! Die Nacht war ruhig, da allgemein nicht mehr viel Verkehr hier herrscht. Die Saison scheint vorbei zu sein. Irgendwie kann ich mich heute nicht mehr riechen, weshalb ich heute mal wieder eine vernünftige Wäsche benötige! Die Barduelva ist jedoch so kalt, dass mir die Beine schmerzen sobald ich im Wasser stehe! Nun dann gibt´s halt doch nur eine Katzenwäsche, während ich diese herrliche Gebirgslandschaft um mich herum genieße. Heute soll auch mal eine Bergtour fällig sein! Zwischen Fossbakken und Gratangen halte ich an einem in der Ferne ersichtlichen Gebirgswasserfall an der E 6 an und starte um 14.00 Uhr bei heiterem Wetter die Tour, was hier im Norden noch nicht zu spät ist, da der Tag auch länger ist! Zuerst geht´s durch dicht mit Birken bewaldetes Gebiet bergauf, dann wird es relativ sumpfig und zunächst eben. Hier wachsen auch die berühmten Moltebeeren (das Gold des Nordens!)! Elchspuren und ihre “Koteier“ verraten, dass sie hier öfter anzutreffen sind. Es geht nun immer weiter bergauf entlang des Gebirgsbaches bis die Baumgrenze erreicht ist und sich die Vegetation nur noch auf Flechten und Moose beschränkt. Die Sicht von hier ist herrlich, die Luft und diese Ruhe hier oben! Nach längerer Zeit oben am Gipfel angelangt bei noch gutem Wetter, genieße ich die Sicht auf die Gipfel ringsum. Von meinem Standpunkt aus öffnet sich der Berg in eine Hochebene, wo noch riesige Schneefelder die grauen Bergrücken bedecken. Irgendwo dort muss das Quellgebiet des Baches sein. Eine Unternehmung wert, so denke ich. Aus einem kleinen Teich sprudelt  die Quelle. Allmählich ziehen jetzt schwarze Wolken auf und ich glaube, nun wäre es an der Zeit, den Abstieg vorzunehmen. Ich folge wieder dem Verlauf des Gebirgsbaches talabwärts. Mal führt der Bach durch einen Eistunnel, ergießt sich dann in einen kleinen Gebirgssee und fällt anschließend über hunderte von Kaskaden den Berghang nach unten ab. Der Abstieg ist dementsprechend schwer und z.T. auch gefährlich, so dass ich nach ca. sechs Stunden froh bin, völlig verausgabt, das Auto zu erreichen. Aber die Mühen haben sich gelohnt, da ich viele Natureindrücke mitgenommen habe. Kurz nach Gratangen biege ich dann rechts die 825 nach Grovfjord ab. Entlang des Fjordes führt eine kleine, in den Fels gesprengte Strasse von einem Dorf in das Nächste. Die kleinen Häfen gefallen mir dort sehr. Die sportliche Unternehmung hat mir irgendwie einen Adrenalinschub verpasst, so dass ich noch nicht gewillt bin, mich schlafen zu legen. Also fahre ich weiter durch die hereinbrechende Nacht, am Grovfjord vorbei, bis ich vor Gausvik die E 10 erreiche. Vorher muss ich aber noch über eine lange Brücke, um die Vesterålen zu erreichen. Noch immer bin ich nicht müde und da ich ja diese Strecke bei der Rückfahrt ein zweites Mal befahren sollte, fahr ich im Dunkeln weiter bis nach Lødingen, wo ich dann an einem ruhigen Rastplatz halt mache und, immer noch aufgewühlt, versuche, die Augen zu zumachen.

Das Schlafen sollte mir diese Nacht nicht so recht gelingen und so fahre ich bereits gegen 6.00 Uhr bei strömenden Regen weiter. Gegen 7.00 Uhr gelange ich in Melbu an und habe für die Fährüberfahrt nur ein Auto vor mir. Gewöhnlich muss man hier eine Stunde Wartezeit einkalkulieren! Hier ist also klar, dass die Hauptsaison vorbei ist! Die Fahrt entlang der E 10 ist bis Melbu als langweilig zu bezeichnen. Zwar öffnen sich immer wieder schöne Blicke auf die Insel Hinnøya, da die Strasse entlang der gegenüberliegenden Küste führt. Die Küste hier bei Melbu ist eher flach und wird von Viehwirtschaft geprägt. Die Überfahrt nach Fiskebøl dauert nur 20 Minuten. Während dessen bemerke ich meine Müdigkeit, die mich allmählich übermannen sollte!? Gleich nach Fiskebøl fahre ich deshalb den nächsten Parkplatz an und schlafe dort bis um 12.30 Uhr. Der Regen hört sogar mal zeitweilig auf. Die dunklen Wolken hängen aber tief in den schroffen, fast kahlen Berghängen. Nur ein leichtes Grün überdeckt den fast schon schwarzen Fels. Weiter geht es an Svolvaer vorbei und über mehrere Brücken zur Insel „Vestvågøy“, wo es wieder kräftig das Regnen beginnt. Ich beschließe jetzt anzuhalten, an einem tollen Parkplatz, von wo man aus einen fantastischen Blick auf ein Schärengebiet hat, wenn sich mal der Nebel lichtet. Hier verbringe ich ein paar Stunden mit Schreiben und Kochen, da es ja auch nur regnet und nebelig ist. Plötzlich kommt ein Auto vorbei. Darin sitzt ganz allein ein blondes Mädchen, das irgendetwas schnell in ihrem Handschuhfach sucht und dann wieder weiterfährt. Sie hatte ein deutsches Kennzeichen und ich frage mich, ob sie hier wirklich alleine durch die Lande fährt und wenn ja, dann ist das doch echt sehr mutig! Na ja, ich schreib weiter und weiter bis es dunkel wird. Müde bin ich auch noch nicht, so dass ich jetzt noch ein wenig Strecke machen will und letztendlich an der sehr engen Passage zwischen Ramberg und Hamnøy übernachten sollte. Der Regen hat nun aufgehört und der Wind bläst hier recht stark, so dass ich guten Mutes bin, dass das Wetter morgen besser werden sollte.

So ist es denn auch! Ich werde durch die warme Sonne geweckt. Prachtvoll liegen die schroffen Berge vor mir, manche immer noch von Wolken verhangen. Ich fühle, dass das ein super Tag werden sollte! Die enge Meer- Passage ist durch eine etwas holprige, einspurige Hängebrücke passierbar. Die Strasse entlang der Küste ist wirklich in den Fels gesprengt; klein und eng. Und so sind die Ortschaften - eigentlich gibt es hier keinen Platz für die Häuser- sehr klein und sie scheinen wie an den rauen Fels der Lofoten gedrückt. Der Nordmann hat hier teilweise seine Häuser ins Meer gebaut, sog. Meer- Pfahlbauten, die auf norwegisch „Rorbua“ genannt werden. Das sind einfache, aber schön angestrichene Holzhütten. Die schönsten unter ihnen gehören einem in Reine ansässigen Hotel. Also für Unterkunft ist für die etwas komfortabler Reisenden auch gesorgt, denn man kann diese Hütten als Ferienhütten mieten. Viele von ihnen tragen einen Name, wie z.B. Bjørn, Niels … Darin ist Platz für ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und eine Küche. Man hat aber auch die Möglichkeit im Restaurant des Hotels zu essen. Gerade Fischgerichte sollen hier ein großer Genuss sein!? Die Lofoten dürften davon noch genügend haben. Überall sind hier die Gestelle für den Stockfisch zu sehen und die an den Häfen liegenden Lagerhallen sind voll von dem steinhart getrockneten Fisch. Die E 10 endet bei Å, ein kleines Fischerdörfchen, wo es sogar ein Stockfischmuseum gibt. Die Insel- Landschaft ist hier so, wie ich sie aus dem Fernsehen her kenne. Schwarz- graue, steil aus dem Meer ragende, von zart grüner Vegetation bedeckte Berge. Im Hafen schaukeln kleine, farbige Fischkutter und bunte Häuser geben der Landschaft einen freundlichen Eindruck. In Reine ist die Statoil- Tankstelle sogar photogen in einer Holzhütte untergebracht. In Moskenes finde ich auch eine hervorragende, abseits gelegene Stelle, wo ich Dorsche aus dem Wasser ziehe, wie selten zuvor. An dieser Stelle führt der Fels fast senkrecht in die Tiefe, vorbei an großen Algenpflanzen. So in zehn Meter Tiefe scheinen die Fische auf meinen Pilger zu warten! Einer nach dem anderen und einer schöner als der andere (golden gefärbt!)! Stundenlang halt ich mich hier auf. Gegen Abend fahr ich wieder zurück, zuerst noch zum Ort Nusfjord, ein kleines Fischerdorf, am gleichnamigen Fjord gelegen. Auch hier Pfahlhütten und eine Fischzuchtanlage, die anscheinend Setzlinge für die zahlreichen Fischfarmen produziert. Da ich denke, dass an diesem schönen Abend auch ein wunderbarer Sonnenuntergang zu erwarten ist, fahre ich fast bis nach Ramberg zurück. Dort habe ich bereits bei der Hinfahrt einen weißen, langen Sandstrand entdeckt. Doch leider macht mir eine große, dunkle Wolke einen Strich durch meine Rechnung. Aber kein Problem, ich genieße diesen herrlichen Abend in weißem Sand, an türkis- grünem Meer! Es könnte hier genauso in der Karibik sein. Es wird nun allmählich dunkel und ich suche mir einen geeigneten Schlafplatz, möglichst am Meer mit Blick auf die Lofotenwand. Bei Vikten, ein kleines Dorf, das anscheinend die nördlichst gelegene Glasbläserei besitzen soll, werde ich fündig. Jedoch steht dort bereits auch ein anderes Auto. Wie sich bald herausstellt, ist es das Mädchen aus Deutschland, das sich gestern kurz neben mein Auto gestellt hat. Eigentlich will ich weiter, steige aus dem Auto, um noch ein Foto von diesem schönen Blick zu machen. Als ich zum Auto zurückkehre, steht das blonde Mädchen vor ihrem Auto und wir kommen schnell ins Gespräch. Tatsächlich ist sie hier alleine unterwegs, verlassen von ihrem Schulkameraden, der sie eigentlich begleiten sollte. Es habe ihm nicht gefallen, dass es in Norwegen soviel regnet, weshalb er in Oslo bereits die Heimreise angetreten habe. Ihr Name ist Svenja, sie hat gerade Abitur gemacht und kommt aus der Nähe von Hamburg (Jesteburg). Sie besitzt ein Pony, will vielleicht Tierärztin werden und möchte Anfang Oktober nach Island, um dort für ein Jahr auf einem Pferdehof zu arbeiten. Wir merken beide, wie gut dieses zufällige Zusammentreffen uns tut, nach all der langen Einsamkeit. Sie ist über zwei Wochen allein! Deshalb beschließen wir, eine Zeit lang gemeinsam die Inselwelt der Lofoten und Vesterålen zu erkunden und ev. eine Whale- watching- tour in Andenes zu machen. Verfroren (der Whiskey hat nur kurze Zeit gewärmt!) und müde gehen wir dann gegen 1.00 Uhr in unsere Autos schlafen.

Gegen 9.00 Uhr werde ich durch die Sonne, die gerade über dem Bergkamm strahlt, geweckt. Es ist recht windig und nur 12 Grad warm. Svenja ist schon auf und richtet ihr Frühstück her. Wie sie gestern Abend angekündigt hat, ist sie auch schon im Fjord schwimmen gegangen, nachdem sie eine halbe Stunde gejoggt ist. Das Wasser hat sicherlich nicht mehr als 12 Grad und ich bewundere sie ihrer Zähigkeit wegen. Wir wollen die nächsten Tage vor allem die Nebenstrecken abfahren, die ich auf meiner ADAC- Karte z.T. gar nicht finden kann. Wir biegen die 815 Richtung Stamsund ab. Irgendwo dort an der Strasse stellen wir die Autos ab und erglimmen gemeinsam einen der zahlreichen Berge. Wir wollen wissen, wie die Lofoten von „oben“ aussehen. Wir beide haben uns enorm in Bezug auf Höhe und Steilheit verschätzt. Mit allen Vieren stürmen wir den Gipfel. Vor allem Svenja, die wie eine Bergziege ohne Probleme hochklettert! Sie ist echt fit! Oben angelangt (nach ca. 1 ½ Stunden) bin zumindest ich ziemlich geschafft, doch dieser Blick entschädigt für all diese Mühen! Die Sonne strahlt uns an und wärmt uns ausreichend, da der Wind hier oben doch recht heftig und kalt ist. Im Hintergrund läuten die Glocken von ein paar Bergschafen, die in diesen Bergen perfekt angepasst sind und auch gute Nahrung finden. Überall an den Berghängen wachsen Beeren, Gräser und Ericaceen. Während wir da oben so sitzen (ca. 1 Stunde) graust es uns schon vor dem Abstieg, der bei dieser Steilheit sicherlich nicht einfach werden sollte! Doch irgendwann müssen wir uns von diesem Panoramagenuss wieder lösen, um auch noch während des Abstieges was sehen zu können, da der Hang bereits völlig im Schatten des Bergkammes liegt. Der Abstieg geht zwar schneller, aber er ist für die Gelenke belastender als der Aufstieg. Außerdem wird man mit der Zeit unvorsichtiger, so dass man insgesamt den Abstieg schwerer einschätzen muss als den Aufstieg. Gegen 18.00 Uhr (also 4 Stunden) sind wir froh, wieder bei unseren Autos zu sein. Hunger und Durst sind natürlich riesig. Jedoch ist es hier zu schattig und zu windig, um an dieser Stelle Essen zu kochen. Wir fahren deshalb ein paar Kilometer weiter an einen windgeschützteren Ort. Svenja kocht Reis mit Suppe und ich Nudeln mit Tomatensauce. Danach fahren wir erneut ein paar Kilometer bis zu einem netten Platz, wo man einen recht guten Blick auf das Felsmassiv von Hennigsvaer, dem „Hafen der Lofotfischerei“, hat. Schon gegen 22.30 Uhr gehe ich schlafen, während Svenja noch eine Zeit lang an der Küste rumklettert.

So gegen 10.00 Uhr werde ich von zuschlagenden Türen geweckt. Svenja ist schon wieder auf, obwohl sie vorgestern behauptet hat, eine Langschläferin zu sein!? Nun ja, im Fjord ist sie auch schon wieder gewesen! Sie brauche das zum Aufwachen! Es ist windig, bei 10 Grad! Schon irgendwie verrückt … Nach dem Frühstück geht´s nach Henningsvaer. Das ist auch ein nettes Fischerdorf! Auch hier gibt es ein Hotel mit einem Fischrestaurant. Im Hafen liegt neben mehreren Fischkuttern auch ein altes Walfangboot, das wir uns etwas genauer betrachten, auch wenn eigentlich alles abgesperrt ist. Die Harpune ist natürlich abgebaut gewesen, doch hinter der Abschussvorrichtung liegen Rollen mit dicken Seilen, die wahrscheinlich ans Ende der Harpune gebunden werden, um den Wal zu fangen und nicht zu verlieren. Der Walfang ist als recht brutal zu bezeichnen. Vorn an der Harpune ist ein Sprengsatz montiert, der nach dem Auftreffen im Wallaib explodiert und die Innereien des Wales sprichwörtlich zerfetzt! Von Island her weiß ich, dass die Wale nach dem Fang mit Luft befüllt werden, damit sie nicht absinken, und dann einfach längsseits des Bootes angebunden und zum Hafen transportiert werden. Das Wetter ist heute leider nicht so besonders. Es ist ziemlich bewölkt, windig und kalt. Dennoch beschließen wir, den Blick auf die Schären und das Meer bei „Lesen und Schreiben“ zu genießen. Ich setzte mich in eine windgeschützte Felsspalte und schreibe dieses Tagebuch weiter. Am späteren Nachmittag fahren wir weiter, an Kabelvåg vorbei, wo eine schöne Holzkirche steht (Lofotenkathedrale). Gleich in der Nähe befindet sich ein grauer Granitfels auf dem der jeweilige Norwegische König seit 1850 seinen Namen hinterlassen hat. Der Schriftzug wurde in den Fels gemeißelt und vergoldet. Etwa 15 km vor Fiskebøl, finden wir einen netten Parkplatz, wo wir auch über die Nacht bleiben sollten. Auch hier am Austnesfjord ist mir das Fischerglück hold (5 kleine Seelachse). Gleich in der Nähe muss der Trollfjord sein, der zweit bekannteste Fjord Norwegens nach dem Geiranger Fjord. Das Felsmassiv und das grüne Wasser des Fjordes haben auch was ganz Besonderes an sich. Am Abend lassen wir diesen Anblick auf uns bei einem guten Glas Whiskey wirken, bis es gegen 0.00 Uhr so kalt wird, dass ich kaum noch meine Glieder zum Auto bewegen kann.

Ein eiskalter, regnerischer Morgen, der einen eigentlich nicht zum Aufstehen einlädt, empfängt uns. Die dunklen Regenwolken hängen tief im Fels. Wir beschließen sofort nach Fiskebøl zu fahren, um die Fähre nach Melbu zu erwischen. Irgendwie bedrohlich erscheint mir dieser Fjord heute! Dunkel, fast Weltuntergangstimmung bei diesem Regen! In Melbu angekommen, fahren wir zunächst die E 10 nach Stokmarknes und biegen dann links Richtung Sandnes ab. Dort geht es entlang der Küste Nordwestwerts. Dieser „Feldweg“ führt zum Teil an landschaftlich schönen Gegenden vorbei und ist nicht so langweilig wie die E 10. In Sortland angekommen geht es weiter die 82 nach Andenes. Auch diese Strecke ist zunächst recht schön entlang des Atlantiks, doch etwa ab Risøyhamn fährt man durch absolut trostloses z.T. hügeliges Sumpfland, das auch teilweise stark von Menschenhand bearbeitet worden ist. Gegen 18.00 Uhr kommen wir dann in Andenes an, eine Stadt am „Arsch der Welt“! Irgendwie komisch! Ein Militärflughafen, viele Wohnhäuser, ein Campingplatz, eine Bäckerei, mehrere Kneipen… Man bekommt hier alles, was man so braucht! Auch eine Bank! Am Leuchtturm finden wir dann auch das Whale- Watching- Zentrum, das aber bereits um 17.00 Uhr geschlossen hat. Ein Ehepaar aus Essen trifft auch noch ein und wir versuchen herauszubekommen, wann die nächste Tour starten sollte. Jedoch sind die Informationen, die man von draußen aus sehen kann, sehr spärlich. Man hat auch den Eindruck, das hier nicht viel los sein kann, weil alles so ruhig und vereinsamt aussieht, wie übrigens die ganze Stadt! Um 8.00 Uhr sollte der Laden morgen früh geöffnet sein. Nun ja, leider ist es aber nicht ersichtlich, ob dann morgen tatsächlich eine Tour starten soll. Während wir uns so beraten, sehen wir zufällig einen riesigen Walschädel neben dem Gebäude. Echt der Wahnsinn, wenn man die Knochen so sieht und sich vorstellt, wie groß dieses Tier gewesen sein musste. Das hilft uns in unserer Entscheidungsfindung irgendwie weiter und wir beschließen, diese Tiere auch endlich mal lebend zu Gesicht zu bekommen. Schau ma mal, was morgen möglich ist. Wir fahren zurück bis an die Abzweigung nach Bleik, wo wir noch ein paar Kilometer entlang einer Felsklippe fahren und von dort aus einen fabelhaften Blick auf das Meer haben. Der Regen hat nun übrigens aufgehört, so dass es uns nun auch möglich ist, zu kochen. Dabei fallen Svenja zwei große Vögel auf, die über dem Meer kreisen. Sie fragt mich, ob das Adler seien. -Ich habe natürlich keine Ahnung! So sind wir fast den ganzen Abend damit beschäftigt die Vögel zu beobachten und ich bin mir nun sicher, wir haben da Steinadler gesehen, denn die waren wirklich riesig! Manchmal werden sie von Raben oder Möwen attackiert, wenn sie der Vogel- Kolonie, die auf einer kleinen Insel vor uns liegt, zu Nahe kommen. Ein tolles Schauspiel! Um morgen auch wirklich bei einer Walbeobachtungsfahrt dabei zu sein, gehen wir gegen 22.30 Uhr Schlafen. Der Wind pfeift ordentlich durch das Auto!

Es ist 7.00 Uhr; ein kalter, stürmischer Morgen! Doch Svenja ist schon wieder im Meer schwimmen gewesen!! Heute friert sie aber auch richtig!! Nach einem kurzen Frühstück bei Nieselregen fahren wir wieder zum Whale- watching- center nach Andenes und sind doch etwas erstaunt, wie viele Menschen hier anzutreffen sind. Mehrere deutsche und italienische Autos stehen auf dem Parkplatz, so dass wir schon fast Angst haben, die letzten zu sein. So ist es denn auch irgendwie! Sie haben auf der Schiffsliste nur noch zwei Plätze frei, die wir Gott sei Dank deshalb, weil wir so früh da sind (8.15 Uhr), in Anspruch nehmen können. Alle anderen Plätze sind irgendwie vorreserviert worden! Als sich dann noch herausstellt, dass die 6- 8- stündige Tour (davon 2 Stunden Museum!) nur 600 NKR für Studenten (ca. 150.- DM) kosten soll, schlagen wir zu und wir sind nun dabei!! Wir müssen erst um 10.00 Uhr zahlen, so dass wir auch noch Gelegenheit haben, Geld von der einzigen Bank zu holen und Proviant aufzunehmen. Dazu muss die nette Bäckerei in einer der Seitenstrassen betont werden, die uns frisch duftendes Gebäck verkauft. Um 10.30 Uhr geht es dann endlich los. Nach ein paar Begrüßungsworten, werden die ultimativen Pillen (für manche, für manche auch nicht, was sich z.T. später als Fehler herausstellen sollte!) gegen die Seekrankheit ausgeteilt. Ich weiß, dass ich seefest bin, während Svenja es nur glaubt! Anschließend wird die ganze Gruppe (ca. 50 Leute) durch das Museum geführt. Die größte Attraktion ist sicherlich ein echtes, komplett aufgestelltes Pottwalskelett (ca. 12 Meter lang!), das in einem durchlüfteten Raum liegt. Ansonsten könnte man den Trangestank kaum aushalten, denn die Knochen beinhalten auch eine Menge von diesem Öl. Dieser Pottwal ist durch einen Zusammenstoß mit einem Schiff ums Leben gekommen, was man anhand des Schädels deutlich sehen kann. Pottwale liegen (das sollte sich auf der Tour auf dem Meer bewahrheiten) wie Baumstämme schwimmend an der Wasseroberfläche (ca. 15 Minuten), wo sie Sauerstoff in ihr Blut pumpen, bevor sie dann auf 400- 1000 Meter Tiefe, bis zu einer Stunde lang auf Nahrungssuche abtauchen. Das ist der Grund, warum es viele Unfälle zwischen Pottwalen und Schiffen gibt, wobei meist der Wal den Kürzeren zieht. Eine zweite schöne Sache ist eine ½- stündige Diashow über die hier lebenden Wale (Pott- und Schwertwale), aber auch die dortigen Seevögel. Wunderbare Lichtstimmungen, die man hier auf dem Meer erleben kann! Die musikalische Begleitung, während der Diashow, gefiel mir ungemein! Eine Mischung aus Wahlgesängen, untermalt von Oboe- und Syntheziserklängen. Nach einer Pause, besteigen wir dann das Boot. Das ist sicherlich auch ein altes Walfangboot mit Ausguck und erhöhtem Bug. Ein ganzer Bus mit Spaniern trifft dann noch kurz vor der Abfahrt ein, die anscheinend nur den Trip auf dem Meer gebucht haben. Die Armen haben aber sicherlich alle keine Pille gegen die Seekrankheit eingenommen! Nun sind wir also so etwa 80 Personen auf dem Boot, was für die Größe dieses Bootes nicht zu viele sind! Zwei Biologiestudentinnen aus Kopenhagen und eine Studentin aus Barcelona begleiten die Fahrt raus aufs Meer. Sie informieren und bewirten die Gäste, zuerst mit Kaffee, Tee und Keksen, später dann mit Suppe! Das alles machen sie sehr nett und kompetent, so wie man generell das Gefühl hat, dass sich die Leute hier mächtig ins Zeug legen. Warum man von Andenes aus fast 100 %ig Wale sieht, liegt an der geographischen Lage. Ca. 15 km westlich von Andenes liegt ein 1000 Meter tiefer Canyon, der enorm viel Fisch und Kopffüßer (Tintenfische) beherbergt, die die Hauptnahrung der Pottwale sind. Eine Stunde lang geht es raus auf das offene Meer. Svenja und ich stellen uns natürlich ganz vorne an den Bug! Der Seegang ist beträchtlich, so dass sich Svenja jedoch ziemlich bald nach hinten von mir verabschiedet; sie ist also doch nicht seefest! Wie übrigens viele andere, die auf dem Heck rumkauern und die baldige Rückfahrt erhoffen, ja sogar die bereitgestellten Tüten gebrauchen müssen. Außerdem ist es ziemlich kalt und windig auf der Offenen See. Da haben sich vor allem die Spanier mit ihren Jeansjacken verschätzt! Ich dagegen habe, passend gekleidet (Watthose und winddichte Jacke), einen riesen Spaß da vorn am Bug. Der Seegang wird immer stärker, bis sogar die Bugwelle über das Schiffsdeck rollt! Coole Aktion, nun bin ich also ganz allein und habe beste Sicht auf das wellige Wasser. Wie soll man da einen Wal entdecken? Nach längerem Zickzackkurs macht uns der Kapitän auf eine abtauchende Fluke eines Pottwals auf Steuerbord aufmerksam. Ich hab sie allerdings nicht mehr gesehen! Das Schiff dreht sich zu der Position, wo der Kapitän den Wal angeblich gesehen hat. Ganz aufgeregt steigen nun die Passagiere aus ihren „Lieblingspositionen“ zu mir auf den Bug, um mit als erste den Wal zu finden. So wie wir nun alle da stehen, macht sich auch das Jagdfieber breit. Wer sieht einen als erster!? Plötzlich etwa 1 km auf der Backbordseite entfernt, sehen wir zwei von ihnen „blasen“. Also schnell hin; der Kapitän gibt mächtig Gas und da liegen sie nun im welligen Wasser, wie tote Holzstämme treibend, zwei Kolosse, die sicher so lang sind, wie unser Kutter! Das Boot neigt sich nun durch die heranströmenden Menschen auf die Backbordseite (ich denke, dass deshalb nur 80 Leute mitfahren können, damit ein Kentern ausgeschlossen werden kann!). Ruhig und fast bewegungslos liegen die beiden Wale vor uns und atmen mit einer feuchten Luft- Fonthähne langsam Ein und Aus. Nach ca. 5 Minuten gibt uns der Kapitän ein Zeichen und einer von den beiden Walen streckt nun langsam seine Schwanzflosse in die Höhe und taucht in die schwarze Tiefe ab. Nach etwa 2 Minuten folgt der andere. Wie zum Abschied streckt auch er seine große Fluke aus dem Wasser, dann sinkt er langsam in die Fluten ab. Ein super cooles Erlebnis! Nun hab ich sie auch mal lebend gesehen! Die Walsafari ist aber noch nicht zu Ende, es geht weiter auf die Hohe See hinaus, da der Kutter noch nicht die tiefste Stelle des Tiefsee- Canyons erreicht hat. Plötzlich spitzen etwa 500 Meter vor uns mehrere schwarze Finnen aus dem Wasser. Wie sich ein wenig später herausstellt, handelt es sich um eine kleine Schwertwal- Schule, bestehend aus etwa 5- 6 Tieren. Als sie aber den Kutter herantuckern sehen, flüchten sie. Einer von ihnen springt sogar mit einem riesigen Satz aus dem Wasser nach vorne und platscht wieder zurück in die Fluten, wie man es von Delphinen eher gewohnt ist. Der Kapitän versucht ihnen zu folgen, jedoch sind diese Wale nicht so träge wie die Pottwale. Sie sind einfach nicht mehr zu sehen und der Kapitän bricht die Verfolgung ab. Total begeistert von diesen imposanten Bildern, will ich mich aus diesem Menschenpulk da vorn am Bug lösen, um nach Svenja zu sehen. Oweia, sie sieht nicht gut aus! Sie ist bleich, hat eine sorgenvolle Mine aufgesetzt und steht fest an der Rehling angepresst. Sie meint, dass ihr schlecht sei, aber nicht kotzübel, so dass sie schon ein wenig diese Safari genießen kann. Hier hinten am Heck, ist das Schwanken des Bootes etwas sanfter, das Boot rollt eher über die Welle. Mittlerweile nähern wir uns erneut zwei „Spermwhales“, wie sie im Englischen genannt werden. Einer davon ist wirklich riesig! Auch die beiden liegen langsam atmend fast bewegungslos an der Wasseroberfläche, bis dann einer nach dem anderen abtaucht. Erwähnenswert und irgendwie surreal ist die Situation an Bord. Auch wenn ich mich hier nicht über die Seekranken lustig machen will, so waren die Safaritouristen zweigeteilt. Der eine Teil steht begeistert an der Rehling des Schiffes und erwartet den nächsten Wal. Für sie könnte die Safari endlos weiter gehen. Der andere Teil sitzt zusammengekauert auf dem Mitteldeck, blau und grün angelaufen, hoffend, das der ganze Spuck bald vorbei ist. Gerade die Spanier tun mir leid, da einfach viele unvorbereitet wie Greenhörner an Bord gegangen sind und nun frieren und viele von ihnen fleißig die bereitgestellten Tüten benutzen. Nach etwa 2 ½ Stunden wird nun durchgesagt, dass es wieder zurück zum Hafen von Andenes gehe. Die Rückfahrt sollte noch mal eine Stunde dauern, weshalb nun heiße Suppe und Brot angeboten wird, um sich von dem Jagdfieber zu erholen. Nur fies für die Seekranken! Ich bin auf jeden Fall vollends begeistert und kann diese Walsafari in Andenes nur wärmstens weiterempfehlen! Die 150.- DM sind sehr gut angelegt, denn hier bekommt man was für sein Geld! Allerdings ist dafür ein kompletter Tag einzuplanen! Es ist nämlich bereits 18.00 Uhr als wir wieder bei unseren Autos ankommen und Svenja und ich uns eigentlich heute wieder trennen wollen. Allerdings sollte es sich heute nicht mehr großartig lohnen, größere Strecken auf sich zu nehmen, weshalb wir noch zusammenbleiben und Andenes Lebewohl sagen, bevor wir den Nebenweg entlang der Westküste von Andøya einschlagen und Richtung Børvagen fahren. Diese Strecke ist größtenteils als Feldweg zu bezeichnen! Irgendwo auf dem Weg liegt ein wunderbarer, weißer Sandstrand, an dem wir nun Halt machen und hier auch über Nacht bleiben wollen! Hier zeigt sich auch mal wieder kurz die Abendsonne und hüllt diese schöne Gegend in ein oranges Licht. It´s a nice place to be!

Ich wache heute um 9.00 Uhr auf und wundere mich, dass Svenja noch gar nicht aufgestanden ist. Es wird 10.00 Uhr, es wird 11.00 Uhr, da regt sich plötzlich was in ihrem Auto. Also stimmt es doch, dass sie länger schläft. Das Wetter ist heute mal wieder so schön und warm, dass ich heute mit Hemd rumlaufen kann. Svenja ist das egal. Wie jeden Morgen stiefelt sie in die kalten Fluten des Atlantiks. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Wasser nicht mehr als 10 Grad hat. Währenddessen schlendere ich entlang des schönen, weißen Sandstrandes. Dabei entdecke ich eine tote, angespülte Robbe, bei der bereits der Kopf abgebissen ist. Verschiedene Vögel fliegen den toten Kadaver an, um davon zu fressen. Nachdem Svenja gefrühstückt hat, fahren wir die Küste entlang weiter. Die Strecke lohnt sich landschaftlich eher als die entlang der 82 bei der Hinfahrt nach Andenes. In Strand angekommen verabschiede ich mich von Svenja. Sie fährt nun weiter Richtung Harstad und ich fahre nun die E 10 zurück bis zur E 6 Richtung Narvik. Die Zeit mit Svenja war recht nett, noch dazu, weil Svenja so unkompliziert und eigenständig war und wir die gleichen Interessen teilten -> Natur, Bergwandern und Wale sehen. Echt ein nettes Mädchen. Nun wieder allein, geht es die E 10 zurück nach Bjerkvik, wo ich die E 6 Richtung Narvik abbiege. Was hier auffällig ist, sind die hohen, z.T. schneebedeckten Berge, die den Ofotfjord säumen. Allerdings schauen die Berge hier anders aus als auf den Lofoten. Sie sind vom Eis abgeschliffen und z.T. von Wäldern bewachsen. Narvik selbst ist wahrscheinlich nicht als schön zu bezeichnen. Daran sind sicherlich auch wir Deutsche schuld, die Narvik, wie auch viele andere Städte in Skandinavien, im 2. WK den Erdboden gleich gemacht haben. Nach wie vor wird hier Erz abgebaut. Die Bergwelt, die man hier im weiteren Verlauf der E 6 durchfährt ist der absolute Hammer! Leider beginnt es wieder zu regnen. Da es nun auch immer nebliger wird, beschließe ich hier in der Nähe zu übernachten, um nicht etwas wegen des Nebels zu verpassen. Unterhalb eines kahlen, graufarbenen Berghangs bei Saetran finde ich einen ruhigen Platz zum Übernachten. Morgen wird das Wetter sicherlich wieder besser sein.

Dem ist heute leider nicht so! Zwar hat der Regen aufgehört, doch tiefe, dunkle Wolken ziehen die abgeschliffenen Berghänge entlang. Bei Tageslicht erscheint die Gebirgslandschaft noch imposanter. Ein Bach schlängelt sich ohne erkennbarem Bachbett auf dem blanken Fels talwärts. Granit verwittert sehr langsam, wie man sieht. Das lässt sich auch bei der Verteilung und Ansiedlung der Vegetation erkennen. Sie ist nur dort zu finden, wo das Eis Rinnen oder Spalten in das Gestein geschliffen hat. Dort hat sich mit der Zeit ein Humusboden angesammelt, der Pflanzen genügend Halt und Nährstoffe liefern kann. Das schaut dann aber so ähnlich aus wie bunte Blumentöpfe auf kahler, schwarz- grauer Fläche. Ich steige heute Vormittag bis an den ersten Grat dieses Bergmassivs hinauf, wo ich mich auch in das dort ausgelegte Gipfelbuch eintrage. Von hier oben hat man eine fabelhafte Sicht auf einen in der Nähe gelegenen Fjord. Außerdem kann man von hier oben aus sehr gut nachvollziehen, wie die Gletscherzunge bis runter zum Fjord verlaufen sein muss. Nach zwei Stunden Wanderung muss ich mich heute auch mal wieder gründlich waschen. Wenn es doch nur nicht so kalt wäre! An dem vorher beschriebenen Gebirgsbach habe ich einen kleinen Wasserfall entdeckt. Das ist doch eine passende Dusche!? Haha… Was für eine Überwindung, sich unter dieses eiskalte Wasser zu stellen, dann schnell einseifen und dann noch mal unter den Wasserfall stellen. Das Gefühl nach der „Dusche“ ist jedoch super. Man glaubt, dass die Haut brennt und es wird einem ganz warm. Frisch gewaschen geht es nun weiter auf der E 6 bis nach Skarberget. Von dort aus muss man mit einer Autofähre nach Bognes übersetzen. Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten, dann führt die E 6 weiter durch eine bizarre, vom Eis deutlich sichtbar geformte Gebirgslandschaft, wie ich sie bisher höchstens im Jasper National Park (Kanada) gesehen habe. Sehr beeindruckend, jedoch nur schade, dass das Wetter so scheußlich ist! Außerdem stellt sich mittlerweile ein etwas gröberes Problem mit meinem Auto ein. Beide Abblendlampen sind nun ausgebrannt. Ausgerechnet jetzt, wo die E 6 durch eine Vielzahl langer und dunkler Tunnel führt! Die Tunnel zu durchfahren, ist bei diesen Bedingungen kein Kinderspiel, da ich kaum was sehe, höchstens, wenn ich das Fernlicht einschalte. Das geht aber natürlich nur, wenn kein Gegenverkehr kommt. Ca. 60 km nördlich von Fauske verlässt man dieses schroffe, hoch montane Gebiet. Nun fährt man weiter durch eine waldreiche Hügellandschaft. In Fauske angekommen, fahr ich trotz Dunkelheit, noch weiter Richtung Bodø die 80 zum bekannten Saltstraumen, der für seinen großen Tidenhubunterschied bekannt ist. Hier in der Nähe zu Übernachten, ist recht schwer, da inoffizielles Campen hier in der Umgebung fast überall verboten ist. In der Nähe des Saltstraumen, über den eine gewaltige Brücke führt, liegt eine Kirche, auf dessen Parkplatz ich das Auto nun abstellen muss, da ich mit meinen defekten Scheinwerfern nicht mehr weiter fahren kann.

Schon gegen 6.00 Uhr wache ich heute auf und fahre nun eine kurze Strecke auf der 17 über den Saltstraumen und biege dann links in die 812 Richtung Beiarntal, von dem ich in meinem Reiseführer gelesen habe, ab. Da ich doch noch sehr von Müdigkeit geplagt bin, fahr ich den nächstmöglichen Parkplatz an, wo ich dann doch noch 5 Stunden lang schlafe! Von hier aus hat man übrigens einen super Blick auf den Misvaerfjord. Das Gebiet ist bergig, jedoch nicht so hoch wie das montane Gebiet nördlich von Fauske. Ab und zu sieht man hier von der Eiszeit noch ein paar Spuren, aber meist sind diese durch Vegetation verdeckt. Um das Tal mit dem gleichnamigen Beiarnfjord zu erreichen, biegt man von der 812 in die 813 ab, die zunächst auf einen steilen Pass führt. Die Passstrasse verlangt dabei von seinem Fahrzeug einiges! So steil, wie es hinaufgeht, geht es nach der Passhöhe wieder bergab. Während der Fahrt öffnet sich langsam ein Tal, das an seiner Sohle eine sehr hübsche Flusslandschaft beherbergt. Bis zum Ende der Strasse fährt man entlang des Flusses durch viele, kleine Ortschaften. In der Nähe von Tvervik stelle ich mein Auto auf einen Parkplatz, von wo aus ich einen weiträumigen Blick auf das Tal und den Fluss habe. Das Wetter spielt heute auch wieder mit und beschert mir einen schönen Tag bei sonnigen 18 °C. Nach den recht kalten Temperaturen in den letzten Tagen leg ich mich erstmal ein paar Minuten in die Sonne. Ein paar hundert Meter weiter flussabwärts stehen ein paar Fliegenfischer im Wasser. Es sollten nicht die einzigen sein! Das Wasser ist hier aber auch herrlich. Klar, grün- bläulich und recht tief. Ich kann erkennen, dass der Flussboden vornehmlich aus Sand besteht. Ab und zu springt auch was aus dem Wasser, was ich jedoch nie rechtzeitig erkennen kann. Nach all diesen ansprechenden Eindrücken hier unten im Beiarntal, meldet sich jetzt der Hunger. Während ich mir eine Suppe koche, kommt ein Norweger mit seiner Angelausrüstung vorbei und baut seine Angeln etwa 20 Meter von mir entfernt auf. Wie es halt immer so ist, kommt man schnell in Blickkontakt und nach ein paar Minuten spricht er mich auf Englisch an. Er ist etwa 40, starker Raucher und als recht nett zu bezeichnen. Er kommt seit 25 Jahren jedes Jahr ins Beiarntal, um zu fischen. Er will auch gern wissen, wie ich denn in dieses ruhige Tal gekommen bin, weit abseits der üblichen, touristischen Wege. Ich sage ihm, dass ich das Beiarntal per Zufall gefunden habe, was ja nicht ganz stimmt, da ich etwas davon in meinem Reiseführer gelesen habe. Er erzählt mir weiter, dass er hier geboren worden ist, aber nicht hier lebe, aber immer gerne zu seinen Wurzeln zurückkehre, weil das Tal einer der schönsten Flecken Norwegens ist. Aha, nun, wenn er das sagt, dann muss das ja auch stimmen! Ich denke, er hat auch wirklich recht, vor allem, wenn man eine Angel dabei hat! Ein paar Minuten später zappelt auch schon eine prächtige Meerforelle an seinem Haken. Mittlerweile ist es gegen 14.00 Uhr und der Parkplatz füllt sich hier mit anderen Fischern, die vom Ufer aus ihr Glück versuchen. Der Norweger deutet nun auch an, dass die Fische jetzt auch besser beißen werden, da die Sonne nun etwas schräger steht. Er selbst fischt mit Wurm, den er dann mit einem Blei auf Grund setzt. Er sei kein guter Fliegenfischer, meint er. Die Fliegen seien immer in irgendwelche Bäume und Büsche gelandet. Nun ja, seine Art und Weise Fische zu fangen ist zwar irgendwie ein wenig langweilig, jedoch erfolgreich. Er fängt nun nochmals zwei ca. 60 cm große Meerforellen, unglaublich! Seine zwei Söhne, die jetzt angeradelt kommen, bringen sie in seinen nahe gelegenen Wohnwagen, um sie einzufrieren. Er erzählt mir weiter, dass der größte Lachs, den er hier gefangen hat, 18 kg auf die Waage gebracht hat! Zu seines Vaters Zeiten fing man hier jedoch Lachse bis zu 30 kg! Vor drei Jahren soll der gesamte Lachsbestand wegen der Lachslaus getötet worden sein. Mittlerweile gibt es strenge Fangbestimmungen. Von Mitte Juli bis Ende August darf von Donnerstag Mitternacht bis zum darauf folgenden Sonntag Abend Lachs gefangen werden. Die Angelkarte ist relativ günstig und kostet ca. 75 NOK (denke, das gilt nicht für Ausländer!). Nach ein paar Stunden Verweilens verabschiede ich mich und wünsche dem Norweger noch viel Glück. Ich fahre zunächst noch mal zum Ende der Strasse, da hier der Fjord beginnt und der Fluss hineinmündet. Vom Meer ist nichts zu sehen! Nach diesem schönen Nachmittag fahr ich den gleichen Weg zurück, wie ich ihn gekommen bin. Ich möchte gerne den Saltstraumen bei Tage sehen. Wie schon beschrieben, führt eine ziemlich große Brücke über diesen engen, natürlichen „Kanal“, der den Saltfjord mit dem Skjerstadfjord verbindet. Ein Straumen ist also eine natürliche Verbindung zwischen dem Offenen Meer und einem mehr oder weniger abgeschlossenen Fjordbecken. Bei Ebbe und Flut leert bzw. füllt sich das Becken etwas Zeit versetzt als die normalen Gezeiten. Dementsprechend starke Strömungen sind an diesen Engstellen, wie hier, zu beobachten. Gleich in der Nähe befindet sich ein Museum und ein Informationszentrum, das allerdings jetzt schon geschlossen ist. Weiter geht es nun die 17 südwärts. Im Reiseführer wird diese Strecke als Traumstrasse bezeichnet. Die Berge werden hier wieder höher und bizarrer. Die Spuren der Eiszeit werden auch wieder deutlicher. Meine Scheinwerferprobleme und die dadurch gefährlichen Tunneldurchfahrten, erlauben mir vorerst keine Weiterfahrt, da doch relativ viel Verkehr ist. Irgendwo vor Ørnes, vor einem lange Tunnel, geht links eine kleine Abzweigung ab. Die Strecke verläuft durch recht wildes Gebiet, jedoch ist die Strasse in sehr gutem Zustand. Nach etwa einer halben Stunde gelangt man zu einer schönen Aussichtsplattform, von wo aus sich anscheinend Drachenflieger und Paraglider den Hang hinunterstürzen. Diese Nebenstrecke muss eine ehemalige Passstrasse gewesen sein, die durch den Tunnel abgelöst worden ist. Zu Fuß kann man ein kleines Stück den Hang in „Serpentinen“ hinunterlaufen. Nun ja, das wichtigste ist jedoch der Blick, den man von hier oben aus hat. Die Abendsonne geht hier direkt im Meer unter. Zunächst sind noch vier andere Autos anwesend. Wie sich herausstellt sind es Paraglider, die eine Stunde später mit einem anderen Auto zu ihren Autos hier oben gebracht werden. Danach bin ich vollkommen alleine und genieße bei einem herrlichen Sonnenuntergang diese Ruhe. Was für ein wunderbarer Tag!

Wegen meines kleinen Scheinwerferproblems will ich den frühen Morgen nutzen, da ich denke, dass jetzt weniger Verkehr auf der 17 sein wird. Es stehen nämlich einige lange und dunkle Tunnels auf dieser Strecke an. So hab ich wenigstens die Möglichkeit mit Fernlicht durch sie hindurch zu fahren. Ein Tunnel folgt nach dem anderen, einer ist sogar über acht Kilometer lang. Die Berge, wenn man sie denn wegen der Tunnels mal zu Gesicht bekommt, sind bizarr und erinnern mich irgendwie an Beton, obwohl es abgeschliffene Granithänge sind! Das Grau und die Abrundungen erinnern mich irgendwie an Bunker in der Normandie!? Leider ist der Himmel wieder sehr stark bewölkt. Möchte gern wissen, wie die Felsen aussehen, wenn direktes Licht auf sie fällt. Bei Forøy wird die 17 das erste Mal durch eine Fährüberfahrt unterbrochen. Die 17 ist dafür bekannt! Sechs mal muss man sich im Verlauf der 17 einer Fähre bedienen. Die Gegend hier ist so schön, da macht es auch nichts aus, dass die Fähre hier in Forøy gerade abgefahren ist. Von hier aus eröffnen sich sehr beeindruckende Blicke auf den Svartisen- Gletscher. Das Wasser des Holandsfjordes ist milchig- türkis. Die kleine Fähre bringt mich in etwa 10 Minuten auf die andere Seite des Fjordes. Nun geht es weiter durch wunderbare Gebirgsformationen; auch zwei weitere lange Tunnel liegen auf dieser Strecke. Die Blicke, die man auf die Fjorde und z.T. auf das Meer hat, sind der Hammer. Für die Tunneldurchfahrt muss man übrigens nichts bezahlen. Nach etwa 28 km auf dem Festland steht die nächste Fährüberfahrt an. Auch hier muss ich warten, diesmal fast 2 Stunden. Bei diesem Panorama jedoch kein Problem. Die Bergszenerie um Jektvik, das Dörfchen selbst in einer Bucht gelegen, ist wie in einem Bilderbuch. Die Fährüberfahrt nach Kilboghamn, wo ich den Polarkreis diesmal mit dem Schiff überquere, dauert etwa eine Stunde. Während der Fahrt hat man einen sehr schönen Blick auf die typische Küste Norwegens. Der weitere Verlauf der 17 ist kaum zu toppen, wie einfach die gesamte Strasse 17! Hier entlang zu fahren ist ein absolutes Erlebnis! Doch durch meine Scheinwerferprobleme beschließe ich nun bald eine Werkstatt anzufahren, da mir der Blindflug durch die Tunnel allmählich zu nervenaufreibend ist! Deshalb verlasse ich nun die 17 und biege in die 12 nach Mo I Rana ab. Ist zwar schade, aber für mich steht fest, dass ich die 17 noch ein anderes Mal erkunden möchte. Das nächste Mal aber von Anfang (Steinkjer) bis Ende (Bodø)! Mo I Rana ist wieder ein krasser Gegensatz zu dem, was ich die letzten Tage so gesehen habe. Sie ist eine Industriestadt, die auch einen großen Hafen besitzt. Jedoch findet man hier alles, was man so braucht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es hier einen Opelhändler gibt, der mir für 120 NOK die Abblendlampen austauscht. Nun sehe ich also auch wieder etwas in der Nacht! Um auch die E 6 im weiteren Verlauf nach Süden Richtung Trondheim kennen zu lernen, fahr ich nun so weiter, was ich aber irgendwie bereue. Die 17 wäre sicherlich besser gewesen! Den Landstrich, den man hier im Verlauf der E 6 durchfährt, vergleiche ich mit dem im Allgäu. Er ist hügelig bis sumpfig und z.T. stark von der Landwirtschaft geprägt. Überall wird Heu geerntet und die Rinder stehen fressend auf den fetten Weiden. Ich find es hier irgendwie langweilig! So fahr ich also weiter Richtung Süden bis ich gegen 22.00 Uhr südlich von Grong am Svåsavatnet an einem Parkplatz, neben der E 6, anhalte und ziemlich müde die Nacht verbringen möchte. Wie gut das gehen wird, weiß ich noch nicht, da hier auf der E 6 ziemlich viel Verkehr ist! Allgemein werden die Europastrassen hier im südlicheren Teil Norwegens stark von LKWs befahren, weshalb man generell Nebenstrassen wählen sollte!

Na ja, so gut habe ich die Nacht hier nicht verbracht! Gegen 6.00 Uhr werde ich durch ein herannahendes Mähfahrzeug aufgeweckt. Gleich am Parkplatz liegt der Svåsavatnet. Der See ist vor allem wegen seiner lang gestreckten Ausdehnung zu erwähnen. Das gegenüberliegende Ufer ist immer in Sichtweite und von dichtem Wald bewachsen. Man hat hier aber nicht mehr das „Wildnisfeeling“. Der Ort ist hier viel zu geordnet und aufgeräumt! Deshalb halte ich mich hier nicht länger auf und fahre die E 6 weiter durch relativ bäuerliches Gelände. Ich denke, dass ich heute meine zwei Kommilitoninnen Wendy und Bettina besuchen werde, die hier in der Nähe von Trondheim ein Experiment für ihre Diplomarbeit durchführen. Dabei fallen mir die recht großen Gehöfte auf. Nach Steinkjer biege ich rechts die 761 ab, die ich auch bald Richtung Grønnesby auf einer unbefestigten Strasse verlasse, um noch ein wenig von dem norwegischen Landleben zu erleben.

Die Strasse führt zunächst entlang des Breitstadfjordes an vielen kleinen Bauernortschaften und Gehöften vorbei. Auf dem Weg bekommt man einen recht guten Überblick von der Norwegischen Landwirtschaft! Bei Utøy treffe ich auf die 755, die mich dann über eine gebührenpflichtige Hängebrücke (ca. 67 NOK!) führt. Nach der Brücke biege ich gleich wieder nach Vestvik ab, um weiterhin am Breitstadfjord entlang zu fahren. Die Strecke stellt sich jedoch dann nicht so heraus, wie ich es mir vorgestellt habe, da die Strasse durch dichten Wald führt. Der Wald macht den Ausblick auf das Meer unmöglich. Das ändert sich dann auch nicht bis nach Varrabotn, wo ich auf die 720 stoße und links nach Alset abbiege. Auch hier geht es durch ein Waldgebiet bis ich nach Skalmerås auf die 715 nach Norden abbiege, um dann nach ein paar Kilometern nach links in die 710 nach Brekstad abzubiegen. Von Brekstad aus kann man dann mit einer kleinen Autofähre nach Valset übersetzen, von wo aus ich vermute, dass die Trondheimer Feltstasjon Sletvik in etwa 15 km südwestlich an Mølnbukt vorbei, zu erreichen ist. Das ist immer so ein komisches Gefühl, wenn man jemanden in einer anderen Umgebung sucht bzw. besucht als man ihn sonst gewöhnlich antrifft. Ist auf jeden Fall lustig, als ich den Feldweg zur Feltstasjon hinauffahre, einen Bogen fahre und dann auf dem großen Vorplatz der Station stehen bleibe. Da stehen sie nun, die Mädels und scheinen irgendetwas vorzubereiten. Nach einer herzlichen Begrüßung fahren wir mit Herwig gleich mal raus auf den Hopavågen zu den Enclosures (Mesokosmos- Experiment), um ein paar Proben zu nehmen. So ein marines Experiment ist schon etwas anderes als in Seeon! Wellengang und Gezeiten sind wichtige Faktoren, die beim Floßbau zu berücksichtigen sind! Wie es der Zufall so will, soll heute auch noch eine Party stattfinden, mit allen, die hier arbeiten. Gegen 19.00 Uhr geht ein Grillfest los. Aus Trondheim sind etwa 30 Norweger angereist. Ein 55 Liter Bierfass (das ist hier wirklich was besonderes, da die Halbe 10.- DM kostet!) steht noch bereit! Auch ich werde vom „Norwegerchef“ Yngwar Olsen eingeladen. Es gibt gegrillten Lachs und mal wieder Salat! Ein Hochgenuss nach tagelangem Suppenfraß. Nach vielem Gequatsche (Nike, Anna und Sabine sind die Hilfskräfte von Tom, der hier seine Doktorarbeit anfertigt), baue ich mein Zelt neben der Station auf. Ich dürfte so eine Stunde gebraucht haben, bis ich alles wieder aufgebaut habe. Als ich dann zum Fest zurückkehre, traue ich meinen Augen nicht. Die meisten Leute sind vollkommen betrunken, tanzen und sind lustig. Es ist gerade mal 23.00 Uhr und Wendy kann nicht mehr stehen!? Sie meint, dass sie nur drei Bier, 2 Wodka, 2 Whiskey und 2 Tequilla getrunken habe! Das Resultat ist, dass sie nun „krank“ in ihrem Bett liegt! Nike geht´s da übrigens nicht anders, die von drei Norwegern abgefüllt worden ist, bis auch sie in den Federn landet. Szenen hab ich hier erlebt, wie im Alten Rom! Die norwegischen Professoren toben sich bei „Rage Against The Machine“- Klängen aus und wälzen sich im Dreck. Wie zu meinen „Nirwana- Zeiten“! Zu etwas späterer Stunde gehen Anna, Herwig und ich runter an den Hopavågen, um mir das Meeresleuchten zu zeigen. Das ist dann schon auch was Besonderes und irgendwie magic! Im Wasser blitzen immer wieder kleine, bläuliche Punkte auf. Hält man die Hand ins Wasser und bewegt sie, dann zieht ein heller Schweif nach. Das nennt man Biolumineszens, der durch mechanische Reize ausgelöst wird und wahrscheinlich der Feindabwehr dient (das ist noch nicht genauer untersucht!). Vor allem Quallen und einige Algenarten können dieses Leuchten hervorbringen. Sehr beeindruckend! Da ich ja letzte Nacht nicht so gut geschlafen habe, bin ich nun hundemüde und ziehe mich gegen 1.30 Uhr in mein Zelt zurück, während die, die noch stehen können noch bis tief in die Nacht weiter feiern. Ich bin trotzdem ganz schnell eingeschlafen.

Der gestrige Alkoholkonsum nicht nur der Deutschen Mädels zieht heute morgen noch so seine Spuren. Wendy und Nike zeigen sich immer mal wieder aus ihren Zimmern und behaupten, dass es ihnen gut gehe. Bettina dagegen besucht des Öfteren die Toilette und ist den restlichen Tag dann nicht mehr zu sehen. Trotz Regens unternehme ich eine zwei stündige Wanderung entlang der Küste über die hier so typisch mit Heide bewachsenen Felsen. Immer wieder ergeben sich dabei recht schöne Blicke auf die vorgelagerten Inseln der Kommune Agdenes. Ein wirklich schöner Ort, um auch wissenschaftlich hier zu arbeiten, da auch während der Freizeit Natur erlebt werden kann. Ian, ein weiterer Mithelfer von dem Doktoranden Tom Kunz, ist heute gegen 16.00 Uhr hier in Sletvik eingetrudelt. Ich kenne ihn von diversen Botanikvorlesungen. Er ist sehr interessiert, was ich in den letzten Wochen so erlebt habe. Auch er hat vor noch einen Abstecher zu den Lofoten zu unternehmen, sobald er das OK von Tom erhält. Ob es da nicht schon zu spät ist??? Auch Nike scheint sich für die Lofoten zu interessieren. Den Abend verbringen wir bei warmen Tee und süßen Speisen in der Feltstasjon. Der Regen hat gegen frühen Abend aufgehört und sogar die Wolken haben sich ein wenig gelichtet. Was für ein Sternenhimmel! Ich gehe noch mal runter an den Hopavågen, um auch das Meeresleuchten zu sehen. Was für eine Kombination. Das Wasser leuchtet wie der Himmel. Gegen 2.00 Uhr bin ich dann ins Bett. Nur schade, dass ich das Meeresleuchten nicht auf Film hab festhalten können!

Erst gegen 12.00 Uhr wache ich durch die Mittagshitze im Zelt auf. Ein wunderbarer, fast wolkenloser Tag. Heute will ich mal mit dem Rad die Gegend von Agdenes erkunden. Außerdem brauch ich ein paar Sachen zum Essen. In Mølnbukt gibt es einen kleinen Supermarkt. Das erste Mal kann ich mein Radldress anziehen! Sonst ist es immer zu kalt gewesen. Ich hab mich trotzdem verschätzt und bin nun ziemlich ausgefroren. Die Sonne hat aber noch so eine Kraft, dass ich mich schnell wieder aufwärmen kann. Wie schaut es wohl in Deutschland aus, wenn ich wieder komme? Ist es dann auch schon so kalt? Die Mädels sind heute alle recht fleißig und scheinen den Alkohol herausgeschwitzt zu haben. Nur nicht Bettina, der es weiterhin recht schlecht geht. Wir werden alle alt!!! Am Abend sitzen wir alle wieder in der Feltstasjon, trinken Tee, Kaffee und essen Cornflakes mit Kakao. Wenn man hier in Sletvik wissenschaftlich arbeitet, wird man sehr gut versorgt. Es gibt dreimal am Tag etwas zu essen und man hat jeder Zeit die Möglichkeit, sich aus dem Kühlschrank zu bedienen. Wendy meint, dass ihr das gar nicht so gut tut und sie sicher bereits ein paar Kilo zugenommen habe. Das Essen ist hier auch recht deftig und fett! Der Koch Jon ist auch ein ehemaliger Schiffskoch, was einiges erklärt! Heute hab ich auch von Herwig erfahren, dass die Feltstasjon eine ehemalige Deutsche Kaserne aus dem 2. WK ist! Reste von Bunkern und Funkanlagen lassen sich entlang der Küstenlinie leicht ausfindig machen. Auf der vorgelagerten Insel entdecke ich dann auch ein in Beton geschriebenes Hakenkreuz und das Datum 1. Nov. 1941. Bis um 2.30 Uhr verweile ich wieder am Wasser und betrachte dieses sonderbare Licht des Meeresleuchtens und den Sternenhimmel.

Die Nächte werden jetzt schon recht kalt! Es wird sicher schon 0 Grad bei unbewölktem Himmel. Heute verbringe ich fast den gesamten Tag mit Schreiben und erst gegen Abend fahr ich mit drei Norwegern, Wendy und Bettina mit dem kleinen Fischkutter „Calanus“ auf den Hopavågen hinaus zum Fischen. Nun ja, dafür, dass ich eigentlich keinen so großen Bock habe, fang ich den größten Fisch! Es ist ein riesiger Seelachs! Die Norweger haben nichts gefangen! Ich denke, dass ihre Pilger auch viel zu bunt sind! Es ist wichtig einen silbernen Köder zu verwenden oder eine Kombination aus Silber/Blau oder Silber/Grün. Das weiß ich noch aus Erzählungen der Norweger von der 93- er Tour. Das Ausnehmen eines so großen Fisches ist nicht so einfach, weil die Innereien viel fester in der Bauchhöhle verankert sind. Deshalb ist es sinnvoller, den Fisch gar nicht auszunehmen, sondern nur die Filets raus zu schneiden, was netter Weise der Norweger Thorstein macht. Der kann das halt auch. So gibt es also noch einen guten Mitternachtssnack, frisch gefangenen Seelachs in ein wenig Mehl geschwenkt, gesalzen und gepfeffert und kurz in der Pfanne angebraten. Zuerst sind die Gesichter am Tisch ein wenig skeptisch, doch nach den ersten Bissen sind alle hell auf begeistert. So sind die 2 ½ Kilogramm auch schnell von 10 Leuten aufgegessen! So guten Fisch hab ich, glaube ich, nur in Island gegessen. Ganz weiches, saftiges Fleisch, gar nicht nach Fisch schmeckend! Am späten Abend fängt es nun wieder in Strömen zu regnen an. Gegen 1.00 Uhr gehen wir alle dann ins Bett. Auffällig ist, dass das Licht hier in Norwegen fast nie gelöscht wird, weil der Strom anscheinend so billig ist!

Die ganze Nacht hat es hindurch geregnet. Auch der Tag wird immer durch Schauer unterbrochen. Es ist irgendwie ungemütlich kalt und feucht! Den ganzen Tag verbringe ich im Zelt mit Schreiben und Lesen. Danach packe ich das Auto mal wieder richtig ein, um auch was wieder zu finden. Die anderen sind heute recht fleißig, nehmen draußen auf dem Hopavågen aus den Enclosures Proben und werten sie teilweise bereits aus (Wasserchemie). Am Abend bereitet Herwig ein paar Proben zur C14- Bestimmung vor. Zuvor wandere ich noch zur vorgelagerten Insel, um die Deutschen Bunkeranlagen noch mal genauer anzusehen. Es sollte heute der letzte Abend sein. Ich will irgendwie weiter. Der Regen hat mittlerweile auch aufgehört, so dass ich guter Dinge bin, mit trockenem Zelt weiter zu fahren. Am späten Abend genieße ich noch mal das Meeresleuchten unten am Hopavågen, das man anscheinend nur an sehr wenigen Plätzen der Welt so intensiv erleben kann wie hier!

Heute Nacht hat es mal nicht geregnet, allerdings ist es wieder recht kalt gewesen! Jedoch gibt es am frühen Morgen einen ordentlichen Schauer, so dass das Zelt nun wieder völlig nass ist! Gott sei Dank spitzt gegen Mittag die Sonne aus dem Wolken verhangenen Himmel heraus, so dass das Zelt relativ schnell abtrocknet und ich gegen 14.00 Uhr abfahrtsbereit bin. Es ist hier recht schön gewesen und ich kann mir es durchaus sehr gut vorstellen, auch hier meine Diplomarbeit anzufertigen! Einfach schöne Gegend und außerdem sehr gute Verpflegung! Nachdem ich mich von allen verabschiedet habe, fahr ich auf der 710 entlang des Trondheimfjordes nach Orkanger und biege dort links auf die E 39 nach Trondheim ab. Gegen 16.00 Uhr komme ich dort an und parke gleich neben der berühmten Trondheim- Kathedrale. Die Kirche wird von einem alten Friedhof umgeben, wo noch gut erhaltene Grabsteine aus dem 19. Jhd zu sehen sind. Das Gotteshaus selbst ist durch sein enorm großes Portal bekannt, in dem mehrere Reihen von Statuen in Portälchen aufgestellt sind. Einer von den Statuen hält seinen abgeschlagenen Kopf in seinen Armen! Wie die anderen skandinavischen Städte erkunde ich Trondheim mit dem Fahrrad. Es geht weiter über eine kleine Zugbrücke über die Nidelva. Hier sind an beiden Uferseiten z.T. sehr alte Kontore, die sehr schön renoviert sind und als Mietshäuser genutzt werden. Auch einige Restaurants und Cafes sind hier untergebracht. Auf der anderen Uferseite sind eine ganze Vielzahl netter, alter Holzhäuser zu finden. Auch hier sind viele Kneipen und Läden. Nun geht es weiter auf die dahinter liegende Anhöhe. Hier ist die Kristiansfeste, die Festung Trondheims, von wo aus man einen sehr schönen Blick auf die Stadt und den Fjord hat. Dann fahre ich wieder runter in die Fußgängerzone. Hier sind alle möglichen Läden und Restaurants ansässig, wie man sie aus anderen größeren Städten her kennt. Weiter geht es nun zum Hafen, in denen ein paar nette Holzschiffe liegen. Der Bahnhof von Trondheim liegt hier gleich in der Nähe. Trondheim ist wahrlich nicht sehr groß! Ca. 170.000 Einwohner leben hier in der ehemaligen Hauptstadt Norwegens. Nach etwa vier Stunden Aufenthalt, fahr ich weiter. Trondheim ist eine nette Stadt und ein Abstecher immer wert. Allerdings muss man hier für die Einfahrt mit dem Auto bezahlen (außer sonntags!)! Die Biologische Fakultät habe ich allerdings leider nicht gefunden. Nun geht es also die E 6 weiter Richtung Süden und nach etwa 40 Kilometern biege ich auf die 30 ab. Die Strasse führt durch ein Tal entlang der Gaula. Das Tal wird von leicht bewaldeten Hügeln umsäumt. Bei Tynset biege ich in die 3 ab. Nach ein paar Kilometern bei Alvdal übernachte ich an dem Fluss Glåma.

Die Nacht war recht kalt bei 2,5 Grad und ich hab gefroren! Gegen 9.00 Uhr geht es nun die 3 weiter nach Elverum. Die Strasse führt dabei entlang der Glåma durch ein weites, offenes und z.T. stark bewaldetes Tal. Immer wieder kommt man an sehr charakteristischen Gehöften, Kirchen und Ortschaften vorbei. Sehr idyllisch! Die lichten Nadelwälder sind charakterisiert durch dichte Flechtenmatten und Beerengewächse am Boden! Hier lässt sich noch mal der Unterschied zu den mitteleuropäischen Wäldern anschaulich verdeutlichen. Nur an sehr schattigen und feuchten Stellen findet man alle möglichen Arten von Moosen. Sonst wird die Gegend landwirtschaftlich genutzt. Bei Stange trifft man wieder auf die E 6, die hier am See Mjøsa Schnellstrassencharakter hat. Die Gegend ist auch hier stark von Felderwirtschaft geprägt. Die Getreidefelder reichen bis runter an den See. Die Fahrt bis nach Oslo kann man jedoch landschaftlich als langweilig charakterisieren. Je näher man sich der Hauptstadt nähert, um so dichter wird der Verkehr. Es hat irgendwie den Anschein als wäre ganz Oslo unterwegs, so dass es sehr schwer ist sich in diesem Getümmel zurecht zu finden. Noch dazu, weil zwei verschiedene „Sentrum“ angegeben werden. Es geht über Brücken und durch verschiedene Tunnel und Unterführungen. Irgendwo bin ich dann von diesem „Ring“ abgebogen, fahre am mir bekannten Hafen, am Königlichen Park vorbei, bis in die Nähe des Olympiastadions, wo ich einen Parkplatz finde. Ansonsten muss man hier auch wie in Trondheim eine Gebühr (12 NOK) für die Einfahrt in die Stadt bezahlen! Mit dem Rad erkunde ich nun die Stadt, die mir irgendwie so fremd vorkommt. Ich habe kaum noch Erinnerung von der 93- er Tour. So dauert es eine ganze Weile bis ich mich zurechtfinde. Ja, ich habe zwar viel vergessen, aber sobald ich etwas wieder sehe, fällt es mir wieder ein. So komme ich an der Uni vorbei, zum Nationaltheater, von wo man aus die Anhöhe hoch schauend einen Blick auf den Königspalast hat. Ich radle erst mal hoch. Der Bau ist ähnlich dem des Buckingham- Palace in London, jedoch bei weitem nicht so groß! Man kann hier aber bis zum Eingang gehen, wo dann zwei Wachen rechts und links patrouillieren. An der rechten und linken Flanke des Palastes, an dem auch ein paar Wachen stehen, besteht die Möglichkeit, in den umzäunten Königlichen Park zu gelangen, der völlig öffentlich ist. Vom Königshaus aus fahre ich nun weiter zum Hafen runter, der am Fuße der Alten Festung am Oslofjord liegt. Im Hafen selbst liegen eine ganze Vielzahl alter Holz- und Segelschiffe, die anscheinend alle zu buchen sind. Auf der anderen Seite des Hafens ist eine wunderbare Uferpromenade entlang der Alten Kontore entstanden, die auch allerhand Geschäfte, Restaurants, Kneipen und Cafes beinhalten. Hier kann man einkaufen, wie in jeder anderen Weltstadt! Gerade hier in den Straßencafes lässt es sich sehr gut aushalten und langweilig wird es hier beim Beobachten der flanierenden Menschen sicherlich auch nicht! Gegen 18.00 Uhr fahr ich weiter in die Fußgängerzone, die an der gegenüberliegenden Seite des Königshauses beginnt und am gelben Bahnhofsgebäude endet. Auch hier gibt es alles, was man aus anderen Großstädten her kennt. Danach fahre ich noch durch andere Viertel. Ich bin wieder sehr von dieser Stadt angetan, zumal auch das Wetter mittlerweile mitspielt! Gegen 19.30 Uhr fahr ich die E 6 weiter und übernachte an der Kirche von Onsøy, die man über die 110 Richtung Fredriksstad erreicht. Völlig gespenstisch wirkt dieser Ort bei Nacht, da die Kirche von einem großen Friedhof umgeben ist, in dem große, alte Bäume stehen, die ihre dunklen Schatten auf das künstlich angestrahlte Gebäude werfen.

Um 7.00 Uhr wache ich bereits auf. Ein wunderschöner Morgen. In den umliegenden Feldern liegt noch der Nebel, überall singen die Vögel. Allgemein ist die Gegend um Fredriksstad sehr ansprechend. Leicht hügelig, mal Wald, mal Felder und Bauernhöfe. Die Dörfchen klein und nett! Zurück auf der E 6 überquert man ein paar Kilometer nach Halden die Norwegisch- Schwedische Grenze. Svenja hat mir noch empfohlen bei der Ortschaft Smögen, das an der E 6 am Skagerrak liegt, vorbei zu schauen. Bei Dingle biege ich deshalb auf die 174 ab und fahre durch ein recht ansprechendes hügeliges Gebiet. Auch hier Wälder, Felder, Gewässer und Sümpfe. Smögen selbst ist eine typisch südschwedische Ferienortschaft, die sicherlich während der Hauptsaison stark frequentiert ist. Doch zu dieser Zeit liegen die kleinen, bunten Holzhäuschen in mitten des roten Granits recht verlassen am blauen Wasser. Hier lassen sich wunderschöne Eindrücke einfangen! Gerade bei so schönem, sonnigem Wetter, wie heute! Nach ein paar Stunden fahr ich die 171 und dann die 162 zurück auf die E 6. Die fahre ich dann ohne Unterbrechung Richtung Malmö bis ich wieder an die Öresundbrücke gelange. Da ich nicht wieder den gleichen Weg nach Deutschland zurückfahren will, entscheide ich mich zunächst noch nach Kopenhagen rein zu fahren und dann der E 47 nach Rødby zu folgen, um dann mit der Fähre nach Puttgarden auf die Insel Fehmarn zu gelangen. Kopenhagen ist ziemlich sehenswert, jedoch fahre ich nur mit dem Auto durch die Strassen, da ich ziemlich verdreckt bin! Danach geht es also weiter nach Rödby durch ziemlich langweiliges Dänisches Land. Am späten Abend komme ich am Fährhafen an und überquere noch mit der Fähre die Ostsee. In Deutschland wieder angekommen, stelle ich mich an den nächst möglichen Rastplatz, um die Nacht dort zu verbringen, da ich sehr müde bin.

Gut geschlafen habe ich heute nicht, da diese Fährüberfahrt von sehr vielen LKWs genutzt wird und ich immer mal wieder von einem auf dem Rastplatz heranfahrenden LKW aufgeweckt worden bin. Nun bin ich also wieder zurück in Deutschland. Irgendwie ein krasses Gefühl, nach all der vielen Natur und Einsamkeit! Andererseits freue ich mich schon auf meine Lieben und auf das Bayerische Essen. Endlich wieder mal ein Sonnenblumenbrot essen, Obst und Gemüse! Ich fahre nun auf der A1 weiter über Oldenburg nach Lübeck und biege in die Bundesstrasse 4 nach Uelzen ab, wo ich erstmal in den dortigen McDonalds einfalle und mir den Bauch voll schlage! Ist schon irgendwie cool mal wieder so was zu essen! Danach fahre ich weiter über Land immer der 4 entlang durch den Harz nach Erfurt, Ilmenau, Coburg und treffe bei Bamberg auf die A 73, die mich bei Nürnberg auf die A 9 bringt. Spät am Abend komme ich ziemlich müde und geschafft in München an. Wahnsinn, innerhalb eines Tages habe ich ganz Deutschland durchfahren!

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Hier gibt´s eine kleine Kartenskizze der Tour!

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Zuletzt aktualisiert: 22.01.2006

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