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Endlich ist es soweit! Der lang ersehnte Tag, - nun ist er da.
Es ist der 28.07.2000 und ich begebe mich heute auf eine lange
Reise, meinem bisher größten Abenteuer. Ich fahre alleine, mit
einem
Opel Corsa (B) nach Skandinavien. Wohin genau, - keine
Ahnung, es geht auf in den Norden! Das Auto ist randvoll gepackt
mit allerlei Ausrüstungsgegenständen und Verpflegung. Auf dem
Dach ein Fahrrad und ein Kajak, um die Natur und die vielen
Gewässer Nordeuropas zu erkunden.
Ich fahre nun los über die A9 nach Nürnberg, weiter auf die A3
Richtung Würzburg und dann auf die A7 nach Flensburg. Nach dem
kleinen Dänischen Grenzübergang geht es die E 45 nach Kolding
weiter und ich fahre auf die E 20, die nach Odense über den
Großen Belt führt. Eine beeindruckend große Brücke überspannt
diesen Sund. Von Dänemark kann ich nicht viel berichten,
da es stockdunkel ist. 300 Kilometer sind es jetzt noch bis nach
Kopenhagen. Diese Strecke schaffe ich aber heute nicht mehr und
- nun auf der E 20 angelangt- fahre ich etwa 20 km nach Kolding
auf einen Autobahnrastplatz, wo ich im Auto in halb sitzender
Position unter einem ausgebreiteten Schlafsack übernachte. An
dem Parkplatz gibt es ein WC, Duschen und Waschbecken, doch es
stinkt dort so sehr nach Urin, dass einem schlecht werden kann!
Ach ja, zu erwähnen ist noch, dass die Nordlichter hier eine
beträchtliche Anzahl an Windrädern aufgestellt haben, die auch
recht gut ins Landschaftsbild passen.
Nach einer etwas unruhigen Nacht und einem schmerzenden Rücken,
geht es nun weiter auf der E 20 Richtung Schweden, an Odense
vorbei, zur Großen Belt- Brücke. Eine etwa 10 km lange
Brücke mit zwei großen Betonpfahlbauten, die die Insel „Fünen“
mit der Insel „Seeland“ miteinander verbindet. Ein sehr
beeindruckendes Bauwerk, das man eigentlich nicht in Europa
erwarten würde. Parallel zur Fahrbahnstrecke laufen die
Bahngleise entlang. An der anderen Seite des Großen Belts
angelangt, befinde ich mich nun auf der Insel, wo auch
Kopenhagen liegt. Die Landschaft bäuerlich geprägt von Ackerbau
und ein wenig Waldwirtschaft. Neben einer auffallend großen
Anzahl an Windparkanlagen, sind auch immer wieder modernste
Gewerbegebiete von der Autobahn aus zu sehen. Das, was ich von
weitem aus von Kopenhagen gesehen habe, ist nichts als
Großindustrie, die vor sich hinqualmt!
Plötzlich taucht der Öresund mit seiner, erst dieses Jahr fertig
gestellten „Öresundbrücke“, auf. Die Brücke verbindet Dänemark
mit Schweden auf der Höhe von Malmö. Bevor man sie überqueren
kann, fährt man durch einen tiefen, 3.940 m langen Tunnel zu
einer künstlich aufgeschütteten Insel („Peberholm“; 4.055 m
lang) im Öresund. Die Konstruktion der Brücke ist vergleichbar
mit der Brücke über den Großen Belt. Sie ist nur noch gewaltiger
und 7.845 m lang! Skandinavien auf diese Art und Weise zu
erreichen empfinde ich als Bereicherung der Bewegungsfreiheit.
Bisher war man von den Zeitplänen und der Überfahrtdauer der
einzelnen Fährgesellschaften abhängig. Jedoch sind die Kosten
zur Benutzung dieser beiden großen Brücken in Dänemark nicht
billiger als die Kosten für die Fähre (Für PKW, einfache Fahrt
32 € bzw. 275 SEK).
Ist man in Schweden angelangt, muss man zunächst die
Brückengebühr bezahlen. Das Land erscheint zunächst genauso wie
in Dänemark; flach, durch Sanddünen ein wenig wellig, sonst
gespickt mit Feldern. Von Malmö aus geht es weiter auf der E 6
nach Helsingborg, um auf die E 4 nach Jönköping zu kommen. Fährt
man die E 6 weiter, würde man zwischen Halmstad und Varberg an
die „Schwedische Riviera“ gelangen. Die E 4 ist eigentlich keine
Autobahn, sondern eher eine gut ausgebaute Landstrasse mit einer
zweiten optionalen Spur; ähnlich wie bei uns der Standstreifen.
Fährt man gerade noch durch landwirtschaftlich geprägtes Gebiet,
so beginnt etwa ab Orkelljunga der Schwedenwald. Auffällig sind
hier die grün/ grünweißen Flechtenmatten (wie bei uns die
Moose!) und die vielen Ameisenhügel.
Bei Jönköping gelangt man an den Vättern- See. Ein wunderbarer
See mit glasklarem Wasser, gesäumt von z.T. hohen Klippen aus
rotem Granit, umgeben von tiefgrünen Wäldern. Schon hier würde
es sich lohnen länger zu bleiben! Östlich am See entlang, etwa 2
km nach Granna, kommt man am Brahehus vorbei, das leider nur
noch eine Schlossruine ist (Brand 1708). Von dort aus hat
man einen exzellenten Blick auf den See. Bei Ödeshög fahr ich
von der E 4 ab auf den RV 50. Der Vättern ist hier wegen des
dichten Waldes kaum zu sehen. Weiter östlich liegt eine Vielzahl
von typisch schwedischen Bauerngutshöfen, umgeben von goldgelben
Gerstenfeldern. Diese Gutshöfe bestehen meist aus mehreren
Holzhäusern, dem Wohnhaus, einer Scheune bzw. einem Stall und
mehreren Schuppen.
Die Hauptflächen der Häuser sind meist rot, braun, blau oder
gelb angestrichen und werden, so wie die Fenster meist von
weißer Farbe umrahmt. Sind die Häuser weiß angestrichen, so sind
die „Rahmen“ meist mit dunkleren Farben, wie Braun, Blau oder
Schwarz gefärbt. Am Fuße des Ombergs steht eine Klosterruine,
„Alvastra“
(gegründet von Zisterziensern). Das ehemalige Kloster hatte
anscheinend einen entscheidenden Einfluss auf die
Kulturlandschaft des dortigen Teils Schwedens. Hier wurden neben
der Felderwirtschaft, auch Obstbäume und Kräutergärten angelegt.
Fährt man weiter, so gelangt man in den „Naturpark Omberg“.
Die Anfahrt ist steil, aber der Blick über den Vättern ist
absolut lohnenswert. Eine „Einbahnstrasse“ führt durch den Park
und somit gibt es kein zurück mehr, immer entlang des Sees. Nach
einigen Kilometern komme ich dann endlich mal wieder direkt ans
Ufer, kurz vor der Stadt Vadstena. Der sommerlich warme Tag
heute, lädt nun zum Verweilen ein und ich entscheide mich, das
kühle Nass des Sees zu testen. – Es war saukalt! Aber wärmer
werden die Gewässer wohl nicht bei den Nordmännern!? Also gute
Abhärtung! Fast ganz alleine genieße ich den
Sonnenuntergang am
Ufer des Sees. Und jetzt fällt es mir das erste Mal auf, wie
ruhig es doch hier ist! Endlich, danach hab ich mich doch so
sehr gesehnt! Kein Hintergrundrauschen, nur das Summen der
fliegenden Insekten. Davon gibt es aber auch viele! Vor allem
große Fliegen gibt es hier, wie ich sie in ihrer Anzahl und
Lästigkeit noch nicht erlebt habe! Schnacken gibt es bisher noch
nicht so viele! Es geht nun weiter nach Vadstena, ein nettes
Städtchen mit kleinen Gässchen, Überresten eines Klosters und
vor allem ein tolles Wasserschloss, direkt am Vättern gelegen.
Um das Schloss herum liegt ein Park, wo gepicknickt, gespielt
und geratscht wird. Auffällig sind hier die vielen aufgemotzten
Autos; umgebaute Opel, Caddys und Baggys. Scheint so als wären
diese Vehikel geländefähig, ausgestattet mit viel PS, starken
Profilreifen und getönten Scheiben… Es fällt auch auf, dass die
Schweden einen Hang zur amerikanischen Nostalgie der 50er und
60er Jahre haben. So viele Caddys habe ich nicht mal in den USA
gesehen. Zum Teil hängt an den Autos noch ein passender
Wohnwagen dran! Aber auch sonst sind noch viele amerikanische
Oldtimer zu sehen. Allmählich wird es nun dunkel, doch mein
heutiges Ziel sollte Örebro sein. Weiter geht es nun vom RV 50
Richtung Norden erneut auf die E 20, Richtung Stockholm. Als ich
in Örebro ankomme, ist kein Halten möglich, da heute in der
Stadt eine fette Party stattfindet. Die ganze Stadt scheint auf
den Beinen zu sein. Überall sitzen die Leute und quatschen, hier
ein Rockkonzert, dort eine Disko im Freien. Könnte vielleicht
ein Bürgerfest sein? Es ist auf jeden Fall eine fetzige Stimmung
hier. Ich bin jedoch schon ziemlich müde und suche deshalb ein
ruhiges Plätzchen zum Schlafen. Ein paar Kilometer nach Örebro,
bereits auf dem RV 60, finde ich schließlich gegen 0.30 Uhr
einen ruhigen Parkplatz, auf dem ich nun die Nacht verbringen
werde. Rechts neben mir ein schwedisches Wohnmobil, in dem
anscheinend kräftig gefeiert wird, rechts ein Norweger mit
seinem Wohnwagen, der gerade zu Bett geht.
Gegen 6.30 Uhr wache ich auf, da dieser Sitz im Auto nicht sehr
angenehm ist! Das Wetter ist heiter bis wolkig und es ist 19
Grad warm. Jetzt geht es die 60 weiter Richtung Falun. Auf dem
Weg dorthin, fällt mir ein gewaltiges
Gebäude am rechten
Straßenrand auf. –Es handelt sich um eine alte Erzhütte, die
noch bis zu den 20igern betrieben wurde. Die Orte Avesta, Borlänge und Falun sind bekannt für ihre Eisen- und
Kupfererzvorkommen. An Bodenaufschlüssen erkennt man auch
rötlich- braun- schwarzes, schweres Gestein. Nach Falun geht es
nun weiter auf dem RV 80, Richtung Mora. Ursprünglich wollte ich
zwar ostwärts nach Gävle, um an der Ostseeküste entlang nach
Norden zu fahren. Jedoch habe ich in meinem Führer gelesen, dass
die Ostseestrecke recht langweilig ist und man von der Strasse
aus nicht viel von der Ostsee zu sehen bekommt. Deshalb habe ich
nun die „wildere Variante“ gewählt und werde den RV 45 („Inlandsvägen“)
gen Norden fahren. Bis nach Rättvik durchfährt man nun einen
Nadelholz- Birkenwald, der sich auf riesigen Schuttbergen aus
der Eiszeit angesiedelt hat (überall Findlinge!). In Rättvik
trifft man auf den
Siljan- See. Ein großer, weit ausufernder
See, der mit seinem blauen Wasser fast eins mit dem Himmel zu
sein scheint. Doch der Norden zieht mich nun weiter und in Mora
biege ich auf den
RV 45, der mich nach Orsa bringt.
Ich nenne dieses Städtchen das „Tor zur Wildnis“ oder der
„Endpunkt des zivilisierten Schwedens“. Ab hier fährt man durch
endlose
Sumpf- und Seengebiete, z.T. dicht umwachsen von
Kiefern-, vereinzelt auch Fichtenwäldern. Die Orte, die
plötzlich aus der Wildnis auftauchen, erscheinen mir wie ein
Brandzeichen im Fell eines Tieres, denn dort war von all dem
Wilden nichts mehr zu sehen. Bauernhöfe, Felder, Ferienhäuser
und vielleicht noch eine Tankstelle. Ab Orsa nimmt nun auch
deutlich die Mückenzahl zu! Ein weiteres Highlight sind meine
ersten zwei skandinavischen Elche auf dem Weg nach Östersund,
ein Pärchen. Das Männchen mit einer großen Schaufel, das
Weibchen ohne. Beide haben gerade die Strasse überquert und äsen
nun am Straßenrand. Ich steige aus dem Auto aus und nähere mich
ihnen langsam. Dabei muss man einen Sicherheitsabstand
einhalten, da Elche sich durchaus zu wehren wissen, was dann
meist schmerzhaft oder sogar tödlich ausgehen kann. Als sie mich
bemerken, schauen sie mich an und halten inne. Alles ist ruhig! Nach einer gewissen Zeit senken sie wieder
ihre Häupter, und fressen an den kleinen Birken am Straßenrand
weiter. Ich beobachte sie noch so lange bis sie im dichten
Unterholz verschwinden. Das ist der Unterschied zwischen Elch
und Renntier. Die
Elche sind sehr gelassene Genossen, die sich
kaum aus der Ruhe bringen lassen, während die Rentiere immer
einen etwas gestressten Eindruck auf mich machen und weglaufen.
Dabei vermeiden sie immer den Augenkontakt.
Übrigens wird es auf meiner Fahrt in den Norden schon nicht mehr
richtig dunkel. Ab 2.00 Uhr wird es dann schon wieder heller.
Ich bin so begeistert von dieser Natur, dass ich gar nicht mehr
schlafen will. Ich bin so gespannt, wie es noch weiter
nördlicher ausschaut. Wenn es schon hier so schön ist, wie wird
es erst dort sein? Ja, ich fühle es, wie mich der Norden, die
Wildnis und die Einsamkeit anziehen, so wie damals in Kanada
1995! Gegen 3.30 Uhr erreiche ich einen netten, ruhigen
Parkplatz bei Hoting, wo schon eine ganze Zahl an Wohnmobilen
steht und ich beschließe, dort die „Nacht“ zu verbringen.
Heute ging es besser mit dem Schlafen im Auto. Es ist 8.30 Uhr
und nach einer ausgiebigen Morgentoilette in einem kalten Teich,
fahr ich die 45 weiter nordwärts. Nach Storuman komme ich an
einen wunderbaren See mit einem rostbraunen, feinen Sandstrand
vorbei. Da es mittlerweile sehr schön warm ist und die Sonne
scheint, beschließe ich den Mittag am Ufer des Sees zu
verbringen. Keine Menschen Seele hier, nur ein Haufen Mücken! Ab
und zu ein kleines Lüftchen, das sachte über die Kiefernwälder
streicht und die Wasseroberfläche des Sees kräuselt. So lässt es
sich aushalten! Wenn da nicht diese Quälgeister wären.
Mittlerweile habe ich eine dicke Jacke mit Kapuze, dicke Socken
und feste Schuhe angezogen. Jede freie Hautfläche wird sofort
von blutrünstigen Insekten genutzt! Nach zwei Stunden
Belästigung fahr ich weiter. Ich fahre durch endlose, leicht
hügelige Wälder und Sumpfgebiete, nur sehr selten kommt mir ein
anderes Auto entgegen. Mein Ziel ist Jokkmokk (kulturelles
Zentrum der Samen). Die 45 ist in diesem Abschnitt stark
beschädigt. So wird auch der Corsa auf seine Festigkeit geprüft.
Es geht über viele, viele Schlaglöcher und über Schotterpisten.
Schnelleres Fahren als 60 km/h ist kaum möglich. Immer wieder
Baustellen, die sich kilometerlang hinziehen und mich auf
abenteuerliche Behelfswege zwingen. Hoffentlich hält das Auto
bzw. halten die Reifen! Die Autofahrt kann man heute durchaus
als anstrengend bezeichnen.
Einige Kilometer vor Jokkmokk wird am Straßenrand angekündigt,
dass man nun bald den Polarkreis überquert. An dieser Stelle
kann man von der 45, auf einen Rastplatz abfahren. Dort steht
ein Steinsockel, der darauf aufmerksam macht, dass ab hier der
Polarkreis beginnt. Das ist also das erste Mal, dass ich soweit
im Norden bin! Darauf trinke ich einen Schluck Cognac „Hennesey“.
Überquert man den Polarkreis mit dem Schiff, wird man mit
Eiswasser und Schnaps getauft. Das ist halt „meine“
Polartaufe. In Jokkmokk selbst komme ich erst spät gegen 1.00
Uhr an. Das Städtchen selbst ist ein Kuhnest, das mir irgendwie
surreal vorkommt. Hier gibt es neben ein paar unschmucken
Häusern, zwei Tankstellen, zwei Supermärkte, einen Friseur, eine
Videothek und einen Campingplatz. Es ist irgendwie unheimlich
hier bei diesem dämmrigen Licht. Ich stell mich an den
Straßenrand, um zu sehen, welche Strasse nun weiter gegen Norden
verläuft, denn hier möchte ich nicht übernachten. Während ich so
die Karte studiere, fällt mir auf, dass immer wieder die
gleichen Autos an mir vorbeifahren. Bei genauerer Betrachtung
fahren die Leute hier mit den Autos ihre Schleifen, um
gegebenenfalls irgendjemand anderes auf bzw. an der Strasse zu
treffen. Sonst ist hier halt auch absolut tote Hose und vor
lauter Langeweile fahren die Leute hier ihre Autos Gassi! Ich
fahr also weiter die 45 und nach ein paar Kilometern nach
Jokkmokk liegt auf der linken Straßenseite ein passabler
Rastplatz, wo schon andere Wohnmobile halt gemacht haben. Jedoch
sind anscheinend schon alle im Bett. Nun ja, es ist bereits 2.30
Uhr.
Schon gegen 6.30 Uhr bin ich durch lauten Schienenverkehr
geweckt worden. So wie in Kanada verlaufen auch in Skandinavien
die Gleise der Bahn (Inlandsbana) größtenteils parallel zu den
Hauptverkehrswegen. Es handelt sich hier um einen kleinen Zug
mit nur zwei Waggons, die jedoch mit Touristen voll besetzt sind
und nun hier stehen geblieben sind, um auf der
gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes einen Kunstschmied in
seinem Laden zu besuchen. Man kann hier anscheinend eine Reise
mit der „Inlandsbahnen“ buchen. Nun aber mal Frühstück machen.
Der Himmel ist heute stark bewölkt und es sind 16 Grad. Während
ich meinen Kaffee am Auto koche, spricht mich ein älteres
Ehepaar aus Hannover an, die mit ihrem Wohnmobil bis hierher
gefahren sind. Der Mann fragt mich, wo ich denn das Wasser zum
Kaffeekochen her habe; sie würden auch Wasser benötigen. Leider
kann ich ihnen nicht weiter helfen, da auch mein Wassertank fast
leer ist; jedoch für einen Kaffee hätte es auch für die beiden
gereicht. Dies lehnen sie jedoch dankend ab. Wir kommen jedoch
in ein nettes Gespräch, wobei die beiden von ein paar
interessanten Routen hier oben in Nordschweden, wie die nach
Kvikkjokk, erzählen. Diese Tour steht auch in meinem
Reiseführer. Sie soll entlang eines großen Sees durch fast
menschenleere Wildnis bis zum bekannten Kungsleden, ein
bekannter Wanderpfad in Schwedisch- Lappland, führen.
Bei Vajkijaur, ein paar Kilometer nördlich von Jokkmokk, biege
ich also links ab, Richtung Kvikkjokk. Diese Route sollte sich
landschaftlich als Glücksgriff herausstellen. Es geht auf einer
Schotterpiste entlang einer Anzahl verschiedener großer,
seichter Seen, durch den endlosen Schwedenwald. Elche trifft man
hier mit einer hundert Prozent Chance! Jedoch ist die Gegend
hier auch ein Erlebnis anderer Art! In Kvikkjokk an einem großen
Parkplatz angekommen, wundere ich mich über die recht große
Anzahl von Autos und Menschen. Auf der ganzen bisherigen Strecke
heute sind mir vielleicht zwei Autos entgegen gekommen. Wie
schon oben erklärt, scheint Kvikkjokk ein wichtiger
Ausgangspunkt für verschiedenste Wanderungen ins Fjell zu sein.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele hier mit Rucksack
und Campingausrüstung unterwegs sind, meist eingehüllt in
Fliegennetzen! Ich möchte heute auch endlich mal im Zelt
übernachten, mit ausgestreckten Beinen. So fahr ich wieder ein
paar Kilometer zurück, denn ich habe während der Hinfahrt ein
paar schöne Plätze am See gesehen, um auch das Kajak mal zum
Einsatz zu bringen. Was nun in den nächsten Stunden passiert,
kann man sich nur vorstellen, wenn man es am eigenen Körper
erlebt hat. Zunächst baue ich mein neues
Zelt auf. Währenddessen
werde ich bereits von ein paar Stechmücken (Aedes sp.
bzw. Culex sp. ???) und diesen gemeinen, winzigen „Gnitzen“
(Forcipomyia sp.) belästigt. Deshalb gemein, da man sie
erst dann bemerkt, nachdem sie einen gebissen haben! Um sich von
deren Attacken etwas zu erwehren, zünde ich ein stark rauchendes
Feuer an und schmiere mich kräftig mit Autan ein (auch die
Haare!). Jedoch hilft dieses Mittel nur für etwa 10 Minuten,
dann sind anscheinend die ätherischen Öle verflüchtigt!
Mittlerweile scheint aber meine Anwesenheit alle Blutsauger aus
der Umgebung anzulocken. Graue Wolken mit tausenden von Tieren
bilden sich über meinem Zeltplatz! Es hilft Nichts! Auch ich
ziehe nun mein Fliegennetz über meinen Hut und Kopf, wie die
Leute, die ich in Kvikkjokk gesehen habe. Man hält es ohne nicht
aus! Wie soll es aber jetzt weiter gehen. Zwar sind nun alle
nackten Hautstellen bedeckt, jedoch stechen die Viecher durch
Hose und Jacke; z.T. warten die Stechmücken solange am
Fliegennetz sitzend, bis sich eine Gelegenheit zum Hautkontakt
ergibt! Es ist einfach furchtbar… der einzige Ausweg ist die Flucht ins Zelt, um dort zu verharren. Jedoch sitzen
die Blutsauger überall an der Kleidung, wo sie nervös versuchen
ein Tröpfchen Blut zu erhaschen. Sobald ich ins Zelt
gekrochen bin, habe ich eine ganze Anzahl von ihnen mit im Zelt-
Massen dieser böse surrenden Insekten! Nein, das kann es nicht
sein, denke ich mir. Die saugen mich hier aus! Diesen Kampf kann
ich nur verlieren. Nach hunderten von Stichen (auch in den
Genitalbereich!), beschließe ich, meinen Lagerplatz wieder zu
räumen und von hier zu verschwinden! Erst gegen
0.00 Uhr, mit
den Nerven am Ende und körperlich erschöpft, steig ich
erleichtert ins Auto. Erstmal alle Fenster des Autos auf, um die
ganze Brut durch den Windsog wenigstens aus dem Auto zu
bekommen. Nach diesem Erlebnis steht für mich fest, dass
ich auf keinem Fall mehr im lappländischen Inland campen werde,
bevor nicht der erste Frost ein paar von den Blutsaugern das
Lebenslicht ausgelöscht hat.
Wieder auf dem RV 45 angelangt, fahr ich noch bis etwa 30 km
nach Porjus. Keine Menschen Seele auf der Strasse und es ist
taghell. Gegen 2.30 finde ich in der Nähe der Inlandsbana einen
Platz zum Übernachten. Im Auto bin ich recht sicher vor den
Schnacken, die es aber nicht unversucht lassen, eine geeignete
Lücke durch das Auto zu finden!
Geweckt werde ich heute durch die Sonne; ein wunderbarer Tag,
kein Wölkchen am Himmel. Die Gegend um Porjus ist geprägt von
der Stromgewinnung durch Wasserkraft. Riesige Staudämme wurden
hier errichtet und große Hochspannungsleitungen führen von hier
in alle Richtungen Skandinaviens, um die Bevölkerung mit Strom
zu versorgen. Der Landstrich ist trotzdem sehr interessant, da
er von tiefen Schluchten durchzogen wird und mit hellweißen
Birkenwäldern bewachsen ist. Aber auch hier Schnacken über
Schnacken!!! Weiter also nach Gallivare, das man wieder mal als
von Menschenhand gebildete Oase in diesem endlosen Schwedenwald
bezeichnen kann. Hier wird viel Eisenerz abgebaut. Die Stadt ist
so groß, dass sie mit der Nachbarstadt Malmberget
zusammengewachsen ist. Die 45 nordwärts geht es weiter durch
wunderbare Birkenwälder, unterbrochen von zahlreichen Seen und
Flüssen. Vielerorts hätte es sich gelohnt, das Zelt
aufzuschlagen, aber auch hier wieder Mücken über Mücken. Der
Entschluss steht fest, Richtung Küste ans Meer (Norwegen) zu
fahren, da ich mir dort weniger Blutsauger verspreche. Etwa 40
km vor Karesuando bleibe ich an einem tiefen Fluss stehen, um
dort einen Kaffee zu trinken. Sein Wasser ist tiefbraun, gefärbt
von den Huminstoffen der umliegenden Sumpfgebiete. Im Wasser
leben große Krebschen (Daphnien), die vor mir flüchten, sobald
ich mich ihnen nähere. Eigentlich will ich ein paar fangen, um
sie genauer betrachten zu können. Jedoch macht sich erneut eine
ganze Horde Schnacken über mich her, so dass ich wieder
weiterfahren muss. Bei Karesuando überquere ich den Grenzfluss
Könkämäälven nach Finnland. Somit bin ich am nördlichsten Ende
der 45 angelangt, deren Verlauf ich über 1.200 km gefolgt bin.
Nun befinde ich mich also in Finnland auf der E 8, Richtung
Nordwesten nach Norwegen, an die Meeresküste. Die
Landschaft,
die ich hier durchfahre, möchte ich besonders hervorheben, da
sie mir besonders gut gefällt. Eine Sumpflandschaft, gespickt
durch Seen und Bäche; im Hintergrund lang gestreckte, von den
eiszeitlichen Gletschern abgehobelte Hügel, die z.T. dicht von
niederen Birkenwäldern bewachsen sind. Im Herbst muss es hier
sicherlich noch schöner sein, wenn die Blätter der Birken sich
gelb und die Heide sich rot verfärben.
Nähert man sich der norwegischen Küste, so gelangt man in ein
montanes Gebiet. Ringsherum ragen die eis- und schneebedeckten
Gipfel in den Himmel, die von Wasserfällen und Schutthalden
bestückt sind. Bei Kilpisjärvi (bestehend aus einer Tankstelle!)
überquert man die Grenze nach Norwegen. Auch hier führt die
Strasse an Gebirgsflüssen entlang, bis man bei Skibotn an den
Lyngenfjord kommt und auf die E 6 trifft. Nun ist also der
Nordatlantik erreicht. Hohe Berge verdecken jedoch die
Sicht auf ihn, verleihen aber dem Fjord ein typisch norwegisches
Landschaftsbild. Auf der Halbinsel von Rotsund, finde ich ein
geeignetes Plätzchen zum Übernachten mit fantastischem Blick.
Mir ist klar, dass ich hier in der Nähe, frei von Schnacken, ein
paar Tage bleiben muss.
Gegen 8.30 werde ich von lautem Möwengeschrei geweckt. Direkt
hinter mir befindet sich ein kleiner Hügel, auf denen eine ganze
Reihe von Seevögeln nistet. Ein wunderschöner, sonniger Tag und
dann dieses Panorama hier! Die Kombination aus Meer und Bergen
ist einfach herrlich! Der Platz ist jedoch etwas zu „öffentlich“
zum Campen. Deshalb mache ich mich nun auf die Suche nach einem
geeigneten Zeltplatz.
Die E 6 zieht sich ziemlich lang am Lyngenfjord entlang. Ich
wäre sehr gerne hier irgendwo stehen geblieben, jedoch finde ich
dort keinen geeigneten Platz am Fjord, der einsam und geschützt
gewesen wäre. So gelange ich zum nördlich gelegenen Reisafjord.
Ca. 3 km vor Storslett finde ich endlich am Abhang des Fjordes
einen schönen Platz. Ich sehe von der Strasse aus ein paar
kleine Hütten und suche nun den Zufahrtsweg, den ich dann auch
bald finde. Über einen Feldweg, der parallel zum Fjord führt,
kommt man an einen kleinen Parkplatz. Von dort aus kann ich zu
Fuß zum Fjord gehen (300- 400 m). Es scheint, als wäre dieser
Ort gerne von Einheimischen besucht worden, denn ein Trampelpfad
führt bergab an einigen Feuerstellen vorbei. Ich suche mir einen
schönen Platz aus, direkt am Fjord, umringt von einem
Birkenwäldchen. Der Strand besteht zum größten Teil aus
Schieferplatten, die z.T. von verschiedenen Tangen (v.a.
Fucus sp.) bewachsen wurden. Auf der linken Seite,
ungefähr 500 m entfernt, liegen zwei kleine Ferienhütten und im
Wasser sind 4- 5 Boote an Bojen befestigt. An einer der beiden
Hütten kann ich beobachten, wie jemand Bäume in seinem „Garten“
ausschneidet. Um keine Probleme mit meinen „Nachbarn“ zu
bekommen, gehe ich zu dem Mann und frage ihn, ob es in Ordnung
wäre, wenn ich ein, zwei Nächte hier verbringen würde.
Der Norweger fragt mich höflich, wo ich denn zelten möchte und
wie viele Personen „wir“ wären. Er stimmte sofort zu, als ich
ihm erzähle, dass ich ganz alleine hier bin. Nun, dann ist das
auch in Ordnung und ich beginne mein Lager aufzubauen. Dabei
bemerke ich jedoch, dass meine Zeltplane von irgendwoher
komplett durchfeuchtet war und fahre, während sie in der Sonne
zum Trocknen hing, mit dem Kajak aufs Meer hinaus.
Betrachtet man den Fjord von Land aus, so kam er mir relativ
ruhig vor. Doch ist man auf dem Wasser, so kann es einem schon
mulmig werden. Das kleine Kajak wird hin und her geschüttelt,
auch wenn der Wellengang nicht gerade groß ist. Nur nicht
kentern! Jedoch ist es so schön auf dem Fjord. Eine frische
Brise weht mir um die Nase und dann diese viel beschriebene
Ruhe. Nach ein, zwei Stunden kehre ich zurück und nachdem
auch nun die Zeltplane getrocknet war, baue ich mein Zeltlager
auf. Es ist unwahrscheinlich, wie lange ich für den Aufbau
benötige; etwa drei Stunden! Das Fahrrad lass ich oben auf dem
Auto stehen. – So nun ist alles fertig, noch schnell eine
Feuerstelle präpariert und dann lasse ich die Einsamkeit auf
mich wirken. Ich packe mein Angelzeug zusammen und paddele mit
meinem Kajak erneut raus auf das Wasser. Gute Fisch- Standorte
in einem Fjord sind meist dort, wo eine Felswand fast senkrecht
bis an den Grund reicht. Viele Fjorde sind so tief, dass man
dort auch Hochseefische, wie Heringshai, Hundshai und Rotbarsche
fangen kann. Voraussetzungen sind jedoch ein gut durchströmtes
Tiefenwasser und ein tiefer Zugang zum offenen Meer, da sonst
der Sauerstoff knapp werden kann. An den seichteren Stellen
fängt man meist Kabeljau, Seelachs, Köhler, Makrele und Hering.
Ich entscheide mich vorerst mit einem kleinen, silbernen
Heringspilger zu beginnen. Ein Pilger ist ein recht schwerer
Kunstköder aus Metall, der meist bis zum Grund herabgelassen
wird. Hat man den Grund erreicht, so stellt man die Tiefe so
ein, dass er ein paar Meter über dem Grund bleibt. In
regelmäßigen Abständen wird dann die Angel auf und ab bewegt.
Dadurch bewegt sich der Pilger in der Wassersäule in
schlängelnden Bewegungen nach oben und fällt in chaotisch
schwimmenden Bahnen wieder ab in die Tiefe. Während ich also den
Pilger in die Tiefe herab lasse, stelle ich fest, wie lange man
ihn noch sehen kann; sicher 20 Meter Sichttiefe! Aber trotzdem
nur dunkle Tiefe unter mir. Irgendwie unheimlich! Stellt man
sich vor, dass manche Walforscher mit Kajaks raus fahren, um sie
beobachten zu können bzw. die Eskimos früher mit Kajaks auf
Walfang gegangen sind, so ist das doch eine kleine Mutprobe! Man
hat keinen Schutz und ist den Tieren voll ausgeliefert! Aber das
könnte ja auch der Reiz sein!
Innerhalb kürzester Zeit fange ich auch schon zwei kleine
Köhler. Einen muss ich wegen seiner schweren Verletzungen töten.
Dabei kommt mir in den Sinn, wie schwierig es sein könnte, wenn
ich einen wirklich großen Fisch an der Angel haben würde!? Die
Wahrscheinlichkeit ist hier zumindest gegeben, da ich in etwa 60
Meter Tiefe angele. In der Sitzposition im Kajak lässt sich ein
solch großer Fisch nur sehr schwer „anlanden“. Außerdem würde
mich der Fisch sicher mitziehen, da ich in dem Moment auch nicht
gegen paddeln könnte! Ich beschließe also mit dem Angeln
aufzuhören, genieße die Ruhe und paddele wieder zurück zu meinem
Lager. Heute gibt es also frisch gefangenen Fisch. Zunächst
suche ich Holz zusammen, das hier im Birkenwald zahlreich am
Boden liegt. Es stellt sich aber bald heraus, das Birkenholz
zwar schnell zu brennen beginnt, jedoch die Brenndauer sehr kurz
ist. Man muss große Mengen Holz verbrennen, um eine geeignete
Glut zum Kochen bzw. Braten zu erzielen. Bis ich meinen
„Steckerlfisch“ zubereiten kann, vergeht also eine ganze
Zeit mit Holzschüren. Zum Fisch mache ich mir einen Teller Reis.
Satt werde ich davon zwar nicht, aber es hat gut geschmeckt.
Gegen 1.00 Uhr bin ich in mein Zelt.
Nach einer langen, hellen Nacht wache ich heute erst gegen 12.00
Uhr auf. Endlich kann ich mal flach und ausgestreckt liegen und
mehrere Stunden am Stück schlafen! Durch die unbequeme
Sitzhaltung im Auto schläft einem ständig irgendein Körperteil
ein, so dass man immer mal wieder aufwacht. Heute, bei heiterem
Wetter, beschließe ich, meine benutzte Kleidung zu waschen. Dazu
bin ich zu einem kleinen Bach, der sich am Strand in den Fjord
ergießt. Die Wäsche hänge ich dann zwischen zwei Birken zum
Trocknen auf.
Ja und nun? Nun habe ich vorerst nichts mehr zu tun und mir
wird, erschöpft von den letzten Tagen, etwas unwohl ums Herz!
Ich merke plötzlich so was wie Heimweh in mir! Jetzt schon!? Das
gibt´s doch nicht! Hier, wo es doch so schön ist! Ja, ich
sehne mich nach meiner Freundin, nach meiner Familie und denke
mir, wie bequem das Leben in München ist! Mir fehlt jemand, mit
dem ich das Erlebte teilen kann! Dieses lähmende Gefühl lässt
sich erst durch ein tröstendes Telefonat mit Gwen auslöschen. Am
Abend versuche ich meine Gedanken durch Fischen zu vertreiben.
Ein Köhler, ein Dorsch und ein Seelachs gehen an meinen Haken.
Diesmal probiere ich es von Land aus. Auffällig ist, dass ich
nach jedem Fang den Standort wechseln muss, um erneut
erfolgreich zu sein. Anscheinend wird beim Fang ein Stresshormon
freigesetzt, das andere Fische warnt. Nach einem schönen
Lagerfeuer bin ich gegen 0.00 Uhr ins Bett.
6.00 Uhr; es regnet! Eigentlich war es doch um 0.00 Uhr zwar
bewölkt, jedoch trocken und warm. Nun hat der Regen mich und
meine Wäsche überrascht. Schnell stürme ich aus meinem Zelt, um
noch zu retten, was zu retten ist. Jedoch vergebens, so dass ich
das nasse Zeug jetzt in meinem Zelt aufhänge. Dann krieche ich
wieder zurück in meinen warmen Schlafsack. Ich wollte heute
weiter fahren! Bei dem Regen werde ich aber heute nichts mehr
trocken bekommen. Fast den ganzen Tag verbringe ich im Zelt.
Gegen Abend wird es lichter und die Sonne kommt noch mal zum
Vorschein. Der
Reisafjord liegt ruhig wie ein Ententeich vor mir!
Landschaftlich ist es hier wunderschön. Um 20.00 Uhr ruf ich
dann meinen Vater an, der ja heute Geburtstag hat. Er feiert
gerade in Kehlheim bei gutem und deftigem Essen. Irgendwie ist
es saublöd, dass ich immer bei seinem Geburtstag auf Reisen bin!
Wäre auf jeden Fall sehr gerne dabei gewesen.
Vormittags regnet es wieder, nun scheint aber wieder die Sonne,
so dass ich guten Mutes bin, dass heute wieder alles trocken
wird und ich weiter fahren kann. Das Kajak allein den Hang
hinauf zum Auto zu schleppen, ist eine Qual. Nun verstaue ich
wieder alle Sachen im Auto, nur das Zelt will nicht trocken
werden. Ich hänge es deshalb noch in die Büsche. Gegen 16.30 Uhr
ist alles fertig und verstaut. Es war ein schöner Platz hier,
jedoch bin ich nun froh weiter zu fahren, um von dieser
bedrückenden Einsamkeit etwas abgelenkt zu werden. Die E 6
entlang nach Alta ist traumhaft! Der Kvaenangenfjord und das
gleichnamige Gebirgsmassiv sind an Schönheit kaum zu
übertreffen. Am
Kvaenangen muss man über eine Passhöhe, an der ein
Hotel/Restaurant/Cafe („Gildetun“) liegt; völlig einsam in
dieser kargen, montanen Landschaft. Die Dächer mit Gras gedeckt…
und der Blick von hier aus auf den Fjord einfach super! Auch die
Fahrt entlang des
Altafjordes ist an Ausblicken nicht mehr zu übertreffen.
Abwechslungsreich fährt man durch Birkenwälder, an kleinen
Gehöften und an kleinen Fischerdörfchen vorbei. Alta selbst ist
als Durchfahrtsort zu bezeichnen. Die E 6 führt zentral durch
die Ortschaft, rechts und links an den üblichen städtebaulichen
Einrichtungen, wie Supermärkten und Tankstellen vorbei. Aber mir
gefällt es hier irgendwie, nicht zuletzt deswegen, weil ich
einen schönen Übernachtungsplatz am
Hafen, neben einem feinen Hotel finde, das, so glaube ich,
extra für die Passagiere der Hurtigruten gebaut wurde. Von dort
aus genieße ich einen sensationellen Sonnenuntergang am Wasser
und ich bin gespannt, was ich auf der weiteren Fahrt gen Norden
alles erleben werde.
Schon gegen 6.30 Uhr kann ich der Helligkeit wegen nicht mehr
weiter schlafen. Ein schöner Tag, bereits 15 Grad warm bei
Sonnenschein. Während der Fahrt durch Alta, bemerke ich erst,
wie groß diese Stadt ist. Typisch, wie in allen Nordstädten,
wird eine enorme Fläche bewohnt. Davon haben die Nordmänner auch
genügend! Es scheint so, als hätte hier jeder ein eigenes Haus
mit großem Garten! Die Häuser bestehen meist aus einem
Fundament aus Beton bzw. Naturstein (meist Granit) und da die
meisten Häuser meist am Hang liegen, werden die Fundamente meist
als Keller bzw. als nutzbares Stockwerk verwendet. Darüber liegt
das eigentliche Wohngeschoß (im typischen Fall aus reinem Holz
bzw. Sperrholzplatten). Die Grundform dieser Häuser ist fast
quadratisch. An das Haupthaus wird noch ein kleiner Anbau
gehängt, der den Eingangsbereich mit Windfang bilden dürfte. Die
allermeisten Häuser besitzen dann noch ein weiteres Stockwerk
unter dem Dach. Das Dach selbst ist als einfach zu bezeichnen,
das in den meisten Fällen mit Ziegeln gedeckt ist. Andere
Varianten sind Blechdächer. Ältere Häuser sind meist mit Gras
gedeckt. Bei besonders schönen Häusern umgibt eine große
Terrasse bzw. eine Veranda entweder ganz oder teilweise den Bau.
Da diese „Hütten“ nicht gerade groß sind, stehen meist ein oder
zwei Schuppen auf dem Grundstück, wo das Auto, Gartengeräte,
Angelzeug und viel Holz untergebracht wird. Die meisten Häuser
sind rötlich- braun gestrichen; die Fensterrahmen meist immer
weiß.
Also Alta verlasse ich nun weiter nordwärts auf der E 6. Im
Verlauf kehre ich dem Meer den Rücken und durchfahre zunächst
steil bergauf einen wunderschönen Birkenwald. Plötzlich öffnet
sich die Landschaft und ich befinde mich auf einer endlosen
Tundrahochebene, die an Weite nicht zu übertreffen ist. Die
Strasse schlängelt sich dünnbandig durch diese Landschaft, aber
auch hier, Gott verlassen, leben Menschen. Kleine Häuschen,
zusammengerottete Dörfchen, sogar eine kleine
Holzkirche haben sie sich hier errichtet. Es muss sich um
Lappen handeln, die hier im Sommer zusammen mit ihren
Renntierherden leben. Im Winter hier zu leben, kann ich mir nur
schwer vorstellen! Neben der Strasse verläuft auf der linken
Seite der Fluss Repparfjordelva, ein breiter, aber seichter
Fluss, der ein braunes Wasser führt. Hier soll es braune Äschen
geben! Paradiesische Verhältnisse für Fliegenfischer, jedoch hab
ich keinen Fisch zu Gesicht bekommen. Da man überall am
Straßenrand Fischerkarten kaufen kann, denke ich, dass auch hier
der Bestand überfischt ist. Auch wenn der Autor meines
Reiseführers Hammerfest und die Strecke dorthin nicht als
sehenswert beschrieben hat, entscheide ich mich gegenteilig.
Eine Nordkapfahrt ohne Hammerfest ist unvollständig, so denke
ich mir. Und recht hatte ich mit meiner Entscheidung! Die Fahrt
erwies sich als äußerst sehenswert, denn nicht nur die Gegend
entlang des Repparfjordes, sondern auch die Häuser und kleinen
Häfen der einzelnen Dörfchen stellten sich als sehr reizvoll
heraus. Vielleicht hatte der Autor schlechtes Wetter??? Um
Hammerfest erreichen zu können, verlässt man das norwegische
Festland am Kvalsundet über eine große Hängebrücke, die
plötzlich zwischen den steil abfallenden Fjordwänden erscheint.
In Hammerfest bei 20 Grad und Sonnenschein angekommen, ist mir
das Städtchen sofort sympathisch.
Hammerfest liegt in einer Bucht und die 94 läuft bergab auf das
Städtchen zu, so dass sich fantastische Blicke auf das Meer und
die Stadt ergeben. Ich staune, als ich die Hauptstrasse von
Hammerfest entlang fahre, was für Leben auf den Strassen
herrscht. Nach all der Einsamkeit in den vergangenen Tagen! Die
Leute sitzen in der Sonne, flanieren entlang des Hafens und
belagern die Schaufenster der Geschäfte. An der anderen Seite
der Bucht, vorbei an Gewerbe- und Automechanikerbetrieben,
erreiche ich den Industriehafen, wo Schiffe repariert und
riesige Ölmengen gelagert werden. Außergewöhnlich ist, dass hier
überall
Rentiere zu finden sind. Stehen sie den Autofahrern im Weg,
so wird kurz mal gehupt und so manches Renntier steht im
Vorgarten und knabbert an den Blumen. Am Industriehafen
lasse ich das Auto stehen und fahre mit dem Rad zurück in das
Zentrum. Gegen 13.00 Uhr legt das Hurtigrutenboot „Kong Harald“
am Stadthafen an. Touristen aus aller Welt erobern für zwei
Stunden die Stadt und die Einheimischen sehen zu, wer da so
kommen mag. Die größte Attraktion an diesem Tag sind acht
einheimische Mädels, die in die eiskalten Fluten ins Hafenbecken
springen. Sie gehen zum Steg, ziehen sich bis zur Unterwäsche
aus und springen fünf bis sechs Meter tief von der Kaimauer
runter ins Wasser. Ringsherum stehen die Schaulustigen im ganzen
Hafen verteilt. Dass das Wasser kalt ist, bemerkt man dadurch,
dass die Mädels möglichst bald wieder auftauchen und aus dem
Wasser klettern. Für ihren Mut ernten sie Applaus von den
Zuschauern. Nach dem lustigen Schauspiel gehe ich den Hafen
weiter entlang, wo noch zwei norwegische Großsegler festliegen;
auch ein Publikumsmagnet. Zum Schluss gehe ich noch zur Kirche
und brenne dort eine Kerze für all meine Lieben an. – Das ist
also Hammerfest, das ich jeder Zeit wieder besuchen würde,
zumindest wenn das Wetter gut ist. Außer der Kirche hat das
Städtchen sonst nichts Besonderes zu bieten. Ich persönlich
werde Hammerfest schon der Lage wegen in sehr guter Erinnerung
behalten. Gegen 15.30 Uhr fahr ich wieder auf dem RV 94 zurück
auf die E 6 nach Skaidi. In Olderfjord angekommen, sind es jetzt
noch ein wenig mehr als 100 km bis zum Nordkap. Bei einem solch
schönen Wetter wäre die Chance auf einen Sonnenuntergang am
Nordkap recht groß.
Entlang des
Porsangenfjordes führt die E 69, die fast die
gesamte Strecke in den Fels gesprengt ist. Die Tunnels, die man
auf dem Weg durchfährt, sind ein Erlebnis für sich, da sie nicht
beleuchtet und nicht verschalt sind! Der weitere Verlauf der
Strasse bietet Hunderte schöner Blicke auf den Fjord und wer
sich für
Makroalgen begeistert, kann hier im glasklaren
Meerwasser auf seine Kosten kommen! Etwa 30 km vor Honningsvag,
bevor es durch den Eismeertunnel (teure Maut und voll mit
Abgasen!) geht, verschlechtert sich leider das Wetter. Die
Bewölkung nimmt immer mehr zu, die Temperatur fällt auf 14 Grad
ab und es beginnt zu regnen. Ein Schauer, denke ich; doch weit
gefehlt! Je näher ich dem kargen
Nordkap komme, umso schlimmer werden die Wetterverhältnisse.
Die letzten Kilometer muss ich noch durch eine große und dichte
Nebelbank fahren. Halbblind komme ich also an einen unwirklichen
Ort. Bevor man den Parkplatz erreicht, wird man noch saftig
gemolken, um einmal am Nordkap übernachten zu können. Es ziehen
lange, dichte Nebelschwaden in einem Orkan an mir vorbei. Mein
Thermometer zeigt nur noch 9 Grad an. Nun stehe ich da, das Heck
des Autos gut im Wind und ich fang an zu frieren. Es zischt und
zieht durch alle Ritzen. Erkennen kann ich in dieser Hexenküche
weiterhin nix außer mein Auto und ein Mülleimer, der vor mir
steht. Erst mal warm anziehen! Das wird schon mit dem Wetter!
Allmählich knurrt auch der Magen, doch wie soll ich bei diesem
Sturm hier was kochen? Die einzige Möglichkeit ergibt sich nur
im Auto! Aus irgendeiner Richtung riecht es nach frischer Pasta.
Kurze Zeit später kann ich auch sehen, woher der Duft kommt.
Etwa 6 Meter neben mir steht ein Wohnmobil aus Italien! Doch
dann verschwindet es wieder im Nebel. Während ich meine Sachen
im Auto so zusammenkrame, um mir selbst eine Pasta zu kochen,
lichtet sich der Nebel wieder kurz auf und lässt den Blick auf
einen Zaun vor mir frei, in der eine Maggi- „Spaghetteria“- Tüte
hängt. Das find ich zum Schießen lustig! Nicht nur ich, sondern
auch die anderen Nordkapfahrer nehmen ihren Proviant von zu
Hause mit! Bei halbgeöffnetem Dachfenster kann ohne Gefahr auf
dem Boden des Beifahrersessels gekocht werden. Nach dem Essen
lichtet sich der Nebel immer mal wieder für kurze Zeit und ich
kann einen Blick auf die Barentssee erhaschen, sowie auf das
flache „Nordkapzentrum“. In diesem Bau sind Souvenirläden,
mehrere Bars und Restaurants, ein Kino und eine Kapelle
untergebracht. Zum Aufwärmen ist das Gebäude gut geeignet!
Als ich nach ein paar Fotoshootings wieder zurück ans
Auto komme, hatte sich ein weißer Passat aus Esslingen neben
mein Auto gestellt. Es handelt sich um ein Paar, das das erste
Mal wieder ohne Kinder in den Urlaub gefahren ist. Wir kommen
sehr schnell in ein nettes Gespräch, wobei wir uns über diverse
Touren unterhalten. Die beiden sind echt nette Schwaben und ich
bin froh, mal wieder mit jemandem zu reden.
Die Nacht am Nordkap, die ja keine ist (Sonnenuntergang gegen
0.30 Uhr), war kalt und stürmisch, aber trotz allem ein
Erlebnis!
Um
10.00 Uhr werde ich durch lautes Rattern diverser italienischer
Motorradfahrer geweckt. Es ist auffällig, wie viele Italiener
hier hoch in den Norden fahren! Die meisten sind mit wilden
Motorrädern oder Campingwagen oder gleich mit beiden Vehikeln
zusammen unterwegs. Wir Deutsche fahren das Nordkap zahlenmäßig
sicherlich am häufigsten an, dicht gefolgt von den Italienern.
Und wie die Italiener halt so sind, so wird das Erreichen des
Nordkaps zusammen mit dem Gefährt auch gebührentlich gefeiert.
Das schwere Motorrad wird dann 500 m lang über Stock und Stein
zum bekannten
Nordkap- Globus geschoben, um sich dort zusammen mit der
Motor Guzzi ablichten zu lassen. Irgendwie der Wahnsinn, aber
lustig zu beobachten! Der Nebel hat sich über die
Nachtstunden verzogen, es ist aber immer noch kalt und
stürmisch. Das Nordkap ist sicherlich ein „Mythos“! Man fährt
hierher, um sagen zu können, dass man dort gewesen ist. Viel zu
sehen gibt es in dieser kargen Umgebung jedoch nicht, außer
vielleicht einen schönen Blick auf das Meer, wenn es das Wetter
zulässt. Die
Rentiere fühlen sich allerdings hier in dieser
menschenleeren Umwelt pudelwohl. Hat man bisher noch keine von
ihnen gesehen, so wird man ihnen spätestens hier begegnen. Nach
der obligatorischen Postkartenschreiberei und diversen
Fotoshootings heißt es nun wieder Abschied nehmen. So gegen
17.00 Uhr fahre ich den Weg wieder zurück. Kaum habe ich
Honningsvag erreicht, wird auch das Wetter wieder besser.
Irgendwie ist das Nordkap eine Hexenküche! Man fühlt sich eher
auf dem Wasser als auf Land! An der E 6 wieder angekommen, fährt
man, man glaubt es kaum, durch eine liebliche, bäuerlich
geprägte
Landschaft entlang des Porsangenfjordes.
Viehwirtschaft, insbesondere Schafzucht, aber auch Pferdezucht
scheinen die Haupteinnahmequelle zu sein. Nähert man sich am
südlichen Ende des Fjordes der Stadt Lakselv, so fällt auf, dass
eine Menge kleiner Findlinge im flachen Wasser des Fjordes
liegen. Lakselv selbst kann man als Durchfahrtsort bezeichnen,
der geprägt ist durch den Angeltourismus (insbesondere Lachs).
Jedoch hab ich auch hier keinen einzigen Fisch gesehen! In
Lakselv verlasse ich vorerst die E 6 und fahre den RV 98 nach
Norden weiter. Auf der anderen Seite des Porsangenfjordes ist
das Landschaftsbild anders. Von schroffen Berghängen reichen
krüppelige Birkenwäldchen hinunter bis zum Fjord, durchzogen von
rauschenden Bächen. Diese Landschaft ändert sich, vorbei am
Laksefjord bis nach Ifjord kaum. Es ist mittlerweile schon spät,
aber die Dämmerung lässt es zu, weiterzufahren, da auch kein
geeigneter Parkplatz zu finden ist. Die Strecke zwischen Ifjord
und Vestertana kann man berechtigter Weise als Mondlandschaft
bezeichnen. Ein Hochplateau, kaum Vegetation, bestehend aus
Moosen und Flechten. Aber auch hier sind Menschen. Es sind
Samen, die hier ihre Hütten haben und mit ihren Rentieren den
Sommer verbringen. Des Öfteren fährt man an „Scheidegittern“
vorbei. Das sind Anlagen, in die die Rentierherden im Herbst
meist mit Helikoptern zusammen getrieben werden und zum
Schlachten sortiert werden. Es ist eine besondere Landschaft,
die im Großen und Ganzen so erhalten geblieben ist, wie es das
Eis geformt hat. Kurz nach Vestatana fallen mir die Augen fast
schon zu. Etwas oberhalb des Tanafjordes finde ich einen schönen
Parkplatz zum Übernachten.
Am
heutigen Morgen werde ich schon gegen 8.00 Uhr von trommelndem
Regen aufgeweckt. Jedoch bin ich so müde, dass ich mich noch mal
„umdrehe“ und dann bis um 12.30 Uhr weiter schlafe. Der
Regen hat zwar nun aufgehört, jedoch hängen dunkle Wolken in den
steilen Fjordwänden. Weiter geht es durch Krüppelbirkenwälder,
bis man plötzlich ein paar Kilometer vor Tanabru auf Bauernhöfe
mit ihren Feldern trifft. Der Regen hat mittlerweile wieder
eingesetzt. Tanabru beeindruckt mich irgendwie. Es ist zwar auch
ein Durchfahrtsort, ist aber von quirligem Leben erfüllt, wie
man es seit dem Nordkap nicht mehr gesehen hat. Viele Wohnmobile
sind hier zu sehen, die sich anscheinend mit Proviant versorgen.
An der E 6 wieder angekommen, beschließe ich, die E 75 zur
östlichsten Stadt Skandinaviens, nach
Vardö zu fahren. Vardö
liegt auf dem gleichen Längengrad wie Istanbul und scheint
während des Kalten Krieges eine wichtige Abhörstation der NATO
gewesen zu sein. Die Fahrt ist ein Erlebnis, nicht zu letzt
deshalb, weil auch das Wetter nun mitspielt! Zunächst fährt man
wieder an einer Vielzahl von Gehöften vorbei. Nach wenigen
Kilometern am Varangerfjord entlang, finde ich auf einer kleinen
Landzunge ein nettes Kirchlein (Nesseby). Wie werden die
Einheimischen zu Weihnachten hier sitzen und feiern!? Im
weiteren Verlauf der E 75 ändert sich das Landschaftsbild.
Zunächst durchfahre ich wieder Krüppelbirkenwäldchen bis ich
Vadsö erreiche. Scheint ein bedeutender Fischereihafen zu sein.
Allerdings sieht man hier vor allem russische Fischkutter im
Hafen liegen. Norwegen hat kaum noch Fisch in seinen
Hoheitsgewässern! Jahrzehnte lange Überfischung hat ihre Spuren
hinterlassen. Die Barentssee auf russischer Seite hat noch große
Fischbestände, die von den Russen ausgebeutet wird und hier in
Vadsö für den westeuropäischen Markt verkauft wird. Folgt man
der E 75 weiter nach Vardö durchfährt man eine karge, aber nicht
uninteressante Tundralandschaft, an mehr oder weniger
verlassenen Hüttenfeldern vorbei. Der Landstrich ist voll und
ganz in der Hand der Schafe, nur wenige Rentiere bekomme ich zu
Gesicht! Nach Vardö selbst fahre ich nicht mehr. Die Stadt liegt
auf einer Insel, die durch einen Tunnel mit dem Festland
verbunden ist.
Ich fahre den gleichen Weg wieder zurück nach Varangerbotn, um
wieder auf die E 6 zu gelangen. Bei Neiden finde ich dann einen
guten Parkplatz zum Übernachten. Auch hier das gleiche
unglaubliche Bild; Bauernhöfe, Felder, Viehweiden,
Krüppelbirken! Am Abend wird es am Parkplatz richtig nebelig.
Am nächsten Morgen wird mir klar, warum es gestern so nebelig
wurde. Gleich in der Nähe liegt ein wunderbarer Fluss mit dem
Wasserfall Skoltefossen. Das Wasser ist auch hier braun gefärbt,
aber glasklar.
Die E 6 nach Kirkenes führt dann weiter durch karges, steinig-
felsiges Terrain, bis man die Stadt erreicht. Für mich seit
Jahren die Stadt als Inbegriff des Wilden, Unbezähmbaren,
letzter westlicher Posten auf dem Weg nach Russland. Die Stadt
liegt an einem Hang mit einem kleinen Zentrum und einem großen
Industriehafen am Bökfjord. Bei schönstem Sonnenschein bei 20
Grad bin ich erstaunt, wie schön und gepflegt diese Stadt ist.
Wunderschöne, frisch gestrichene Holzhäuser, blühende Gärten mit
Fjordblick. Es fällt auch auf, dass hier fast nur alte
Menschen leben. Woher haben die das Geld für ihre schönen
Häuser? Ich habe gelesen, dass der norwegische Staat 100.000
DM/Jahr demjenigen zahlt, der im Norden bleibt. Wahrscheinlich
gilt dies auch für Kirkenes. Anders ist das nicht zu erklären.
Die Menschen, die hier leben, scheinen durch ihre private schöne
Umgebung die harten Wintermonate so erträglich wie möglich zu
machen. Was mir auch hier auffällt, dass kein einziger
norwegischer Fischkutter im Hafen zu sehen ist. Nur rostige,
abgewrackte russische „Seelenverkäufer“.
Nach einem längeren Aufenthalt am
Hafen, an dem noch diverse
Hinterlassenschaften der Deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg zu
sehen sind, geht es nun weiter an die russische Grenze Richtung
Murmansk zum „schmiedenen Tor“, das sich jedoch als Törchen
entpuppt (!), das nun auch offen steht. Keine Ahnung, wie das
hier noch vor 10 Jahren ausgesehen hat. Heute jedoch würde ich
diesen Grenzübergang mit allen anderen europäischen
Grenzübergängen gleich stellen. Noch Reste des
gegenseitigen „Abhörens“ und „Misstrauens“ findet man entlang
der russischen Grenze nach Grense Jakobselv. Eine Fahrt durch
eine bizarre Stein- und Felswüste, farblich geprägt von einer
Vielzahl unterschiedlicher Flechtenarten. Ein See folgt auf den
anderen. Die letzten Kilometer bis zur Barentssee wird die
Strasse steinig. Die Grenze verläuft hier mitten durch einen
kleinen Grenzfluss (Jakobselva). Eine in den Hang gebaute
Kirche
fällt sofort auf der linken Seite auf, die von norwegischen
Fischern gebaut wurde als Symbol dafür, dass hier die Orthodoxen
Christen aus Russland nichts zu suchen haben, nachdem es damals
immer wieder Grenzüberschreitungen der Russen gegeben haben
muss. Auf der rechten Seite des „Feldweges“ zieht sich der
Grenzzaun entlang. Der meiste Stacheldraht rostet eingerollt in
den Wäldern und Wiesen vor sich hin! Zu beiden Seiten steht auf
erhöhter Position eine Radarstation. Außerdem sind auch hier
Deutsche Spuren aus dem 2. Weltkrieg zu finden
(Artilleriestellung?). Am Ende der Straße erreicht man einen
kleinen Parkplatz, der an einem kleinen Hafen liegt mit Blick
auf die offene See. Die Aussicht auf die Barentssee ist
gigantisch. Die Küste ist schroff, vom Eis abgehobelt. Während
ich den schönen Blick auf die Barentssee genieße, spricht mich
ein Schweizer an. Er erzählt, dass er aus Basel komme und vor
zwei Wochen nach Ivalo (FIN) geflogen sei, um sich dort ein Auto
zu mieten, mit dem er in den letzten Tagen von Hotel zu Hotel
gefahren ist, immer auf der Suche nach den besten Fischgründen.
Das Gebiet um Kirkenes gefiele ihm gar nicht, er bevorzuge doch
eher Finnland, weil da alles so „ordentlich“ sei. Was auch immer
er damit gemeint hat …. Erst durch einsetzenden Regen am
Nachmittag kann ich mich von diesem schönen Platz lösen.
Allerdings ist dieser Parkplatz nicht als einsam zu bezeichnen;
ein kontinuierliches Kommen und Gehen von Autos und Besuchern.
Zurück geht es also dann im Regen nach Kirkenes und Neiden auf
der E 6. Da ich noch nicht müde bin, beschließe ich die 971 zum
Inari- See (FIN) zu fahren. Die Fahrt, von der ich mir soviel
versprochen habe, stellt sich als enttäuschend und langweilig
heraus. Mag sein, dass das schlechte Wetter, oder aber auch das
sehr abwechslungsreiche Norwegen schuld für diesen Eindruck ist!
Man fährt durch endlos monoton wirkende, ja fast aufgeräumte
Birken- Kiefern- Wälder; mal hier ein Sumpf, mal dort ein See.
Aber fast alles ausschließlich flach, so dass mir die weite
Sicht fehlt, die ich doch in den letzten Tagen so schätzen
gelernt habe! Die finnischen Wälder sind meist recht licht,
grünweiße Flechten bewachsen den Waldboden und eine Vielzahl an
Pilzen entzückt jeden Sammler. Jedoch drückt die spürbare Enge
zwecks mangelndem Überblick auf das Gemüt! Der Inarisee mag
schon schön sein, ist jedoch touristisch voll erschlossen! Es
sind viel zu viele Menschen hier! Gerade deutsche Touristen! Das
gefällt mir alles hier nicht und ich beschließe die 955 nach Lemmenjoki weiter zu fahren. Lemmenjoki ist ein Nationalpark und
ein Goldgräberort, der allerdings in der Vergangenheit nie große
Mengen dieses Edelmetalls zu Tage gefördert hat. Trotzdem will
ich mir mal dieses Gebiet anschauen. Auch hier endlose finnische
Wälder, von Mückengeschwadern durchsetzt, auf sandigem bzw.
kiesigem Untergrund. Ich hatte den Eindruck als hätte der Sand
einen goldfarbenen Touch.
Erst um 1.00 Uhr finde ich einen geeigneten Rastplatz direkt am
Touristen- Informationszentrum des Naturparks Lemmenjoki. Dort
begegne ich einem kleinen Hasen, der in der Dämmerung neugierig
um mein Auto hobbelt und mich anscheinend beobachtet, wie ich
mich für die Nacht fertig mache, bevor er dann wieder in den
dunklen Wald verschwindet.
In der Nacht, als ich hier in Lemmenjoki angekommen bin, bin ich
vollkommen alleine gewesen, kein einziges Geräusch war zu hören-
gespenstisch. Am nächsten Morgen werde ich schon gegen 8.00 Uhr
durch diverse heranfahrende Autos geweckt. Viele Deutsche und
auch Spanier sind darunter! Unter ihnen ist ein etwa 65-
jähriger Mann aus dem Ruhrpott. Er ist mit einem VW- Bus durch
den wilden Finnenwald unterwegs, am Heck das Rad, oben auf dem
Dach ein Faltboot geschnürt. Wir kommen ins Gespräch: Er sei
bisher 8 Wochen unterwegs und habe sich bisher nur in Finnland
aufgehalten, das ihm mächtig gefalle. Seine Frau sei letztes
Jahr verstorben und nun möchte er sich dieses Erlebnis alleine
noch mal gönnen. Was erleben in der Natur, zu sich finden!
Solche „lonelies“ sind mir ein paar mal in Finnland aufgefallen!
Lemmenjoki scheint ein bekanntes Wandererziel zu sein. Als ich
dann sehe, wie viele Menschen diesen Pfad heute begehen wollen
(ganze Schulklassen!), entscheide ich mich für die Weiterfahrt.
Um nun weiter in den Süden Finnlands vorzustoßen, fahr ich die
955 wieder zurück nach Inari, um von dort aus, der E 75 folgend,
nach Rovaniemi zu gelangen. Auch an diesem Tag sehe ich, wie am
Vorabend, dass hier Touristen über Touristen sind. Das gefällt
mir einfach nicht, so dass ich schnurstracks durch die weiten
finnischen Wälder bis an den Polarkreis gefahren bin. Dieser
Polarkreisübertritt ist insofern erwähnenswert, da er als das
Zuhause des Weihnachtsmannes gehalten wird und die Kinder hier
ihre Wunschzettel abgeben können. In meinen Augen ein totaler
Kitsch, aber das ganze Jahr über ein Publikumsmagnet aus aller
Welt! Zu Weihnachten scheint sogar eine Concorde mit Amerikanern
hierher zu fliegen. Der Parkplatz ist abends über recht ruhig,
weshalb ich hier die Nacht verbringen will. Links und rechts
neben mir stehen zwei Italienische Wohnmobile aus Rom bzw.
Mailand, die köstliche Pasta und Oliven essen. Bin dann ziemlich
bald eingeschlafen. Ach ja, es wird hier in Rovaniemi das erste
Mal wieder für kurze Zeit dunkel!
Trotz dessen, dass die Nacht auf dem Parkplatz recht ruhig war,
bin ich bereits um 7.00 Uhr durch fahrende Autos und
Weihnachtsmusik geweckt worden. Das „Weihnachtsfantasia“ öffnet
seine Tore. Ich habe gelesen, dass es hier in der Nähe von
Rovaniemi einen Deutschen Soldatenfriedhof geben soll. Etwa 20
km nordwestlich von Rovaniemi nach Nordajärvi, wo eine
Stichstrasse hinführt. An einem Parkplatz muss man das Auto
abstellen, um dann ca. 800m durch den Wald zum Friedhof zu
gelangen, der direkt an einem See liegt. Eine Art Segnungshalle
steht im Zentrum des Friedhofs, von hohen Bäumen gesäumt. Sonst
sieht man in diesem großen Areal keinen einzigen Grabstein bzw.
ein Kreuz. Erst bei Betreten des einzigen Gebäudes, das sehr
dunkel und unheimlich ist, kann man lesen, dass hier in mehreren
Kruften, die toten Soldaten im Boden dieser Halle ihre letzte
Ruhe gefunden haben. Etwa 3.000 Menschen sind hier aus
verschiedenen Teilen Finnlands zusammengetragen worden. Auf
Bodenplatten sind die einzelnen Toten in Reih und Glied
aufgelistet. Ist irgendwie gespenstisch hier, kein Licht, so
dass eine Taschenlampe empfehlenswert gewesen wäre. Am Eingang
liegt ein Buch aus, wo man den Namen, den Rang, Geburtsdatum und
Sterbedatum, falls bekannt, nachschlagen kann. Viele 19- und 20-
jährige haben hier in Finnland ihr Leben lassen müssen! Für nix
und wieder nix! Etwas bedrückt verlasse ich diesen sonderbaren,
aber sehr ruhigen Ort und fahre zurück nach Rovaniemi.
Überall auf den die Stadt umgebenden Seen sieht man die Finnen
in ihren Booten fischender Weise sitzen. Weiter geht es die 78
nach Ranua. In Ranua soll es einen schönen Zoo geben, wo alle
Tiere des Nordens zu besichtigen sind. Jedoch regnet es
mittlerweile in Strömen, so dass ich weiter durch endlosen
Finnenwald, der mal durch Sümpfe, mal durch Seen unterbrochen
wird, Richtung Kajaani unterwegs bin. Was über die meisten Teile
des Finnischen Waldes jedoch zu sagen ist, ist folgendes:
er besteht meist aus Kiefern und Birken und ist relativ licht,
so dass auch genügend Licht auf den Waldboden fällt, so dass
hier eine Vielfalt an Flechten, Moosen und diversen Beerenarten
ungehindert wachsen können. Der Charakter des borealen Waldes
lässt sich also nach anderen Kriterien beschreiben als wir
unseren, gemäßigten Wald kennen. Auch wenn auf der Straßenkarte
Finnland von der Infrastruktur ganz gut erschlossen scheint, so
darf man nicht den Eindruck haben, dass hier die Wildnis zu Ende
ist!
Gegen Abend komme ich in Kajaani an. Der Ort hat nicht viel zu
bieten. Eine größere Kirche und ein kleines, schmuckes,
hölzernes Rathaus. Ansonsten unschöne, moderne Betonanlagen und
eine Vielzahl von Einbahnstrassen. Weil ich hier zu Abend
gegessen habe, habe ich hier den alltäglichen „Schwachsinn“
erlebt, den die hier lebenden Jugendlichen verüben! Ich habe
mich auf einem leeren Parkplatz des hiesigen Stadttheaters
gestellt und esse meine Pasta. Vor mir drei parallel laufende
Strassen. Die eine der Zubringer zum Theater, die zweite die
Hauptstrasse und die dritte eine Strasse, die in ein Wohngebiet
führt, aber so breit ist, dass deren Mitte als Parkplatz genutzt
werden kann. Die Hauptstrasse ist an einen Kreisverkehr
geknüpft, der wiederum alle Strassen in alle Himmelsrichtungen
verbindet. Ein verrückteres Auto, oder Altes Auto nach
dem anderen, fährt hier an mir vorbei, z.T. toll aufgemotzt.
Ähnlich wie in Jokkmokk bemerke ich, dass sich die „Art der
Autos“ immer wiederholt, sprich die Fahrer also ständig im Kreis
fahren. Bei genauerer Beobachtung stellt sich auch heraus, dass
sich in den meisten Autos entweder nur Mädels oder nur Jungs
aufhalten. Die Mädels schauen mal bei den Jungs vorbei, fahren
dann weiter, kommen wieder zurück und stellen sich zu einem
anderen Auto. Dort bleiben sie dann so 5 Minuten, dann fahren
sie weiter, um nach ein paar Runden durch die Stadt erneut an
mir vorbei zu fahren. Ähnlich verhält es sich auch bei den
Jungs, nur dass die auch ordentlich Alkohol trinken. In der
dritten Strasse bildet sich so allmählich ein Cliquentreff aus.
Dort wird gesoffen und geraucht bei laut aufgedrehter Musik.
Doch es sind nicht nur junge Leute unter den Vielfahrern,
sondern man sieht auch ältere Pärchen, die immer mal wieder an
mir vorbei fahren. Die größte Attraktion ist dann so ein A-
Team- Bus, der mit drei total betrunkenen Jugendlichen vorbei
kommt. Der Fahrer wird noch nicht so voll gewesen sein, aber die
anderen zwei hängen zunächst noch angezogen grölend in der
Schiebetür. Jedes Mal, wenn sie wieder an mir vorbeikommen,
scheinen sie ein weiteres Bekleidungsstück abgelegt zu haben.
Dieses Spektakel ist echt amüsant zu beobachten, aber doch
irgendwie krass. Die leben hier nur auf der Strasse und in ihren
Autos. Da ist nix mit weggehen oder so. Außerdem kennen sich
hier anscheinend alle und deshalb muss es hier auch verdammt
langweilig sein! Wer fährt denn bei uns dauernd mit seinem Auto
im Kreis herum?
Ich bin noch nicht sehr müde, so dass ich noch eine ganze
Strecke weiter fahre, auf der E63 nach Lapinlahti, wo ich neben
einer sehr schönen Holzkirche und einem Altenheim einen
Parkplatz zum Schlafen gefunden habe. Auf der Strecke ist mir
aufgefallen, wie viele Frösche und Kröten die Strasse bei Nacht
überqueren und zu tausenden zusammengefahren werden. Es hat
übrigens den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch geregnet
bei etwa 14 Grad. Es war also wirklich ungemütlich und triste!
Die
Wahl des Schlafplatzes hat sich am heutigen Morgen als ungünstig
erwiesen. Gegen 5.00 Uhr setzt reges Begängnis um mein Auto
herum ein. Das ist mir irgendwo schon mal früher aufgefallen,
dass hier in Finnland recht früh aufgestanden wird (es ist ja
auch schon lange hell!), aber auch früh zu Bett gegangen wird.
Ich hab eigentlich noch gar nicht die Augen richtig auf
bekommen, aber ich fühle, dass ich hier auch nur geduldet werde.
Um keinen Ärger zu verursachen, fahre ich deshalb weiter, um
nach ein paar Kilometer später einen Rastplatz an der Strasse
anzusteuern und dort weiter zu schlafen. Erst gegen 13.00 Uhr
wache ich wieder auf und mir ist nun klar, dass ich mich noch
mal gründlich waschen möchte, bevor ich nach Helsinki fahre! Da
ich mich nun auch am Anfang der Finnischen Seenplatte befinde,
sollte dies auch nicht so schwer werden. Es ist mittlerweile
sonnig und 24 Grad warm geworden, so dass es mir nicht so schwer
fallen sollte, in einem klaren, aber kalten See bei Silinjärvi
zu baden. Während ich schwimme und mich wasche, werde ich von
einem Schwarm Fische beäugt. Mir tut´s irgendwie leid, dass ich
ihr Wasser mit ein wenig Seife verschmutzte. Man fühlt sich
wirklich ganz anders, wenn man so frisch gebadet ist und so geht
es nun weiter auf der 5 an Kuopio, Mikkeli und Lahti vorbei,
nach Helsinki. Die Sprungschanzenanlage von Lahti sei auf jeden
Fall noch zu erwähnen, die mich durch ihre Größe fasziniert. Da
sollen Menschen runterspringen? Die Finnische Seenplatte ist
zwar schön, doch für mich nichts Besonderes, da die Seen von
Wald umgeben sind und immer mal wieder auch durch Dörfer
unterbrochen werden. So ein wenig hat es mich an die
oberbayrische Seenplatte erinnert. Bei Sonnenuntergang treffe
ich in Helsinki ein. Eine Stadt mit einigen größeren Vororten,
so dass es einige Zeit dauert, bis ich das Zentrum erreicht
habe. Wie immer stürzt man sich ins Ungewisse bei der Suche nach
Zentrum und geeignetem Parkplatz. In der Nähe des Hafens finde
ich einen kostenlosen Abstellplatz, wie sich später
herausstellen sollte fast genau am Zentrum. Es ist gegen 21.00
Uhr und es ist schon fast dunkel. Meine Müdigkeit hält sich in
Grenzen, so dass ich nun noch eine Stadtrundfahrt per Rad
unternehmen möchte. Die fast mediterranen Temperaturen von 24
Grad laden mich dazu ein. Erstmal fahre ich der Straßenbahn
Nummer 4 nach, die an meinem Parkplatz vorbeiführt. So erreiche
ich gleich mal einen großen Platz, der von klassizistischen
Gebäuden umsäumt wird. An der anderen Seite des Platzes erhebt
sich der Dom empor, den man über ein paar Treppen erreichen
kann. Hinter dem Dom breitet sich die Universität mit einer sehr
hübschen Bibliothek aus. Ich fahre weiter an der Uni vorbei,
überquere eine Brücke und bin nun anscheinend im modernen Teil
Helsinkis gelandet. Zu allen Seiten stehen hohe, hell
erleuchtete Gebäude aus Glas und Beton; ein Fastfood- Restaurant
ans Nächste gereiht. Je weiter ich fahre, um so mehr öffnet sich
die Strasse wieder zu einem größeren Platz. Eine Strasse nach
der anderen erkunde ich nun von diesem Platz aus und fahre an
zum Teil schönen alten 3 bis 5- stöckigen Wohnvierteln aus dem
vorigen Jahrhundert vorbei. Nach einer Stunde Sightseeing per
Rad, entscheide ich mich den Weg zum Auto wieder zu finden. Ich
folge wieder den Straßenbahngleisen, habe aber nicht die
richtige Abzweigung erwischt, so dass ich nun in der
Fußgängerzone im Zentrum Helsinkis lande. Dort verfahre ich mich
nun vollends. Jedoch mache ich mir keinen Kopf, da hier das
Leben pulsiert. Überall in den Häuserfronten nette Bars und
Restaurants, mal wieder eine Fußgängerzone mit vielen schönen
Geschäften. Auf meiner Irrfahrt durch die Stadt gelange ich auch
zu dem bekannten Bahnhof Helsinkis. Nun ist es aber schon nach
1.00 Uhr und langsam bekomme ich Angst, das Auto wirklich nicht
mehr zu finden. Erst gegen 2.00 Uhr komme ich zufällig wieder an
den Ostseehafen und von da aus finde ich auch das Auto wieder.
Die Hauptsehenswürdigkeiten liegen also nicht weit von meinem
Parkplatz entfernt. Ich schau noch in meinen Stadtführer und
lese, dass dem auch so ist. Ich bin also heute Abend einiges an
Kilometern durch Helsinki geradelt, hab aber auch einiges vom
Nachtleben dieser Stadt erlebt. Nach dem ersten Eindruck ist mir
die Stadt sehr sympathisch. Bis um 8.00 Uhr vormittags kann ich
hier an meinem Parkplatz kostenlos stehen, so dass ich mich um
5.00 Uhr wecken möchte, um Helsinki auch bei Tageslicht
anschauen zu können.
Auch wenn die Nacht relativ ruhig verlaufen ist (viele
Betrunkene), so werde ich auch schon um 5.00 Uhr von lautem
Autoverkehr aufgeweckt. Mir scheint es wirklich so, dass die
Leute hier früher aufstehen als in Deutschland. Die
Straßenbahnen fahren die Menschen schon fleißig zur Arbeit.
Also geht´s wieder los mit dem Fahrrad. Zuerst zum Ostseehafen;
dort befindet sich auch der Marktplatz, wo jeden Tag von 7.00-
14.00 Uhr ein Markt stattfindet, an dem alles Mögliche angeboten
wird. Von Lebensmitteln, über Textilien und touristischen
Kitsch, alles, was das Land hergibt. Was ich lustig finde, ist
ein kleines „Zeltcafe“, dass schon um 5.30 Uhr vollkommen voll
ist. Die Leute frühstückten hier draußen bei 18 Grad und lesen
Zeitung. An der Hafenstrasse befindet sich dann der Präsidenten-
Palast und die Hauptwache. Vom Marktplatz aus erreicht man dann
die Esplanaden, eine Strasse wie in etwa die La Rambla in
Barcelona. An den Seiten Häuser mit den vielseitigsten
Geschäften aus aller Welt. Die Mitte wird von einem Art lang
gestrecktem Park gebildet, der von zwei Strassen eingerahmt
wird. Wenn man hier die Esplanaden entlang flaniert, könnte man
das Gefühl haben in jeder anderen südlichen Metropole Europas zu
sein! Ein Stückchen hinter den Esplanaden befindet sich der
Bahnhof, der ein archetektonisches Meisterwerk sein soll, das
ich aber nicht so beeindruckend finde. Der Busbahnhof, der dort
anschließt, ist durch seine Größe dagegen enorm beeindruckend,
wie auch die große Anzahl an Menschen, die man hier beobachten
kann. Zurück am Marktplatz, spitzt hinter dem Präsidentenpalais
der
lutherische Dom im Morgenlicht hervor, den ich ja bereits
gestern Abend gesehen habe. Auch die Universität schaue ich mir
noch mal genauer an und den modernen Teil Helsinkis, den ich
auch schon gestern durchfahren habe. Jedoch war ich nun bei
Tageslicht etwas enttäuscht, da die Stadt sehr dreckig ist.
Überall liegen Papier, leere Flaschen und Dosen herum. Mir fällt
auch auf, dass eine ganze Schar Straßenfeger die
Hinterlassenschaften der Nacht wegfegen. Ansonsten finde ich
Helsinki recht nett, da es mich auch ein wenig an Genf erinnert.
Jedoch hat die Stadt nicht mehr zu bieten, als dass man sie
nicht mehr als an einem Wochenende besuchen könnte! Gegen 8.00
Uhr fahr ich noch am Olympiastadion vorbei, das so ein wenig vor
sich hingammelt und auch nichts besonderes ist, so dass ich mich
also wieder auf die Strasse Richtung Tampere (E12) begebe. Die
ganze Strecke eigentlich bis nach Oulu kann man stark
landwirtschaftlich geprägt nennen. Schöne Getreidefelder (noch
fast grün, obwohl hier z.T. bereits die Herbstfärbung eingesetzt
hat!) und nette
Bauernhäuser, fast alle in Rot- Weiß! Manche
haben sogar noch eine
Getreidemühle. Sonst ist das Land fast
brettel- eben! Zu den
Schären kommt man nur recht selten, da man
meist durch privates Waldgebiet, das auch meist umzäunt ist,
laufen muss. Nur zweimal ist es mir gelungen, die Schären über
eine Stichstrasse zu Gesicht zu bekommen. Der Wald reicht bis
zur Küstenlinie und die kleinen charakteristischen Inselgruppen
im Meer sind fast ausschließlich von Bäumen bewachsen. Jedoch
auch hier alles eben, jedoch findet man hier wunderbare Strände
mit grobem, goldbraunem Sand. Ich habe es dann heute noch bis
zum Rastplatz „Oulu“ entlang der 8 auf dem Weg in die Wildnis
geschafft. Das Wetter war durchgehend heiter bei 20 Grad.
Trotz dessen, dass der Rastplatz stark besucht war, habe ich
gestern einen guten Platz gewählt, wo ich bis um 12.00 Uhr
schlafen konnte. Der Himmel präsentiert sich zunächst bescheiden
bei starker Bewölkung und 18 Grad. Ab Oulu kann man den
Landstrich wieder stark forstwirtschaftlich geprägt ansehen.
Viele Holztransporter prägen das Straßenbild und überall sind an
der Küste Holz- Verladehäfen zu sehen. Die E 75 bis nach Tornio
ist deshalb auch sehr von Industrie geprägt. Anders dann,
wenn man die E 8 wieder nach Norden abzweigt und zunächst
entlang des
Torneälv fährt. Hier findet man wieder ruhige Wiesen
und Wälder, die ab und zu von kleinen Dörfern unterbrochen
werden. Im weiteren Verlauf wird die Landschaft dann wieder
typisch skandinavisch, wo sich Sümpfe mit kleinen Birken- und
Kiefernwäldern und Heiden abwechseln. Der Torneälv ist
sicherlich als guter Lachsfluss zu bezeichnen, habe aber keinen
darin schwimmen sehen! Auffällig auch hier ist wieder sein
braunes, von Huminstoffen angefülltes Wasser. Kurz nach dem Ort
Pello mache ich Rast und werde von einem Finnen angesprochen. Er
ist so gegen Ende 60 und ist mit seiner Frau, so erzählt er,
unterwegs, um sein Land von Nord nach Süd kennen zu lernen. Wo
er eigentlich herkommt, hat er mir nicht erzählt. Er sagt mir,
dass er diesen Traum schon immer gehabt hat und ihn nach 30
Jahren endlich erfüllen möchte. Während wir uns so auf Finnisch-
Deutsch unterhalten, bereitet seine Frau das Essen vor. Seine
Frau ist irgendwie der Wahnsinn. Sie ist auch so Ende 60, hat
einen schiefen Hals, weshalb sie den Kopf immer schräg hält und
irgendwie schwerfällig wirkt. Beide tragen einen Trainingsanzug.
Er erzählt noch, dass er sich in seinem VW- Bus einen stärkeren
Motor einbauen lassen will. Das sind nun also die Gespräche, die
man hier draußen in der Wildnis führt. Nach diesem netten, aber
doch schweren Gespräch, fahr ich die E 8 weiter an Muonio
vorbei, um dann die 93 nach Kautokeino zu nehmen. Die Strecke
der E 8 verläuft auf jeden Fall endlos durch den finnischen
Wald. Kaum zu glauben, dass die E 8 eine „Europastrasse“ sein
soll. Es grenzt fast an Unglaubwürdigkeit, wenn man sieht, wie
klein bzw. eng sie ist. Aber so sind halt die Verkehrswege im
Hohen Norden, wie es sich damals auch am Alaska- Highway in
Kanada erkennen ließ! Also kurz nach dem Dorf Palojoensuu stelle
ich mich zum Schlafen neben die Strasse. Ein aufgerissener
Müllbeutel lässt erahnen, dass in der Nacht einiges Getier hier
sein Unwesen treibt. Der Herbst ist hier bereits eingezogen, was
man auch anhand der niederen Temperatur von 10 Grad spüren kann. |
Die Temperatur hat sich auch um 10.00 Uhr kaum verändert. 11
Grad, noch bei nur stark bewölktem Himmel. Kautokeino ist die
offizielle Hauptstadt der Lappen. Deshalb will ich auf jeden
Fall noch einen Abstecher dorthin unternehmen. Was wieder auf
dem Weg auffällt, ist, dass man eigentlich durch Sanddünen
fährt, die nun von lichtem Wald bewachsen sind. In diesen
lichten Wäldern gibt es eine ganze Vielzahl an unterschiedlichen
Flechten- und Pilzarten. Die Pilze werden hier auch sehr groß!
Ein El Dorado für alle Pilze- Sammler und – Esser! Nach dem
Finnisch- Norwegischen Grenzübertritt setzt dann ein
unangenehmer Nieselregen ein, so dass ich eigentlich froh bin,
dass Kautokeino zum einen nicht groß und zum anderen nicht sehr
sehenswert ist, außer vielleicht die dortige Holzkirche. Von der
Skisprungschanze aus, hat man einen umfassenden Blick über die
Stadt der Nordeuropäischen Ureinwohner! Der Regen sollte
an diesem Tag leider nicht mehr aufhören, aber für mich steht
fest, dass die E 8 einer der schönsten Strecken in Skandinavien
ist. Im westlichen Verlauf wird das Gebiet hügeliger bis man
dann vor Kilpisjärvi in montanes, raues, kaum bewachsenes Gebiet
kommt. Fast den gesamten Abend verbringe ich an der „Sturmbock-
Stellung“. Ein Festungs- Relikt der Deutschen aus dem 2.
Weltkrieg. Zu sehen ist ein rekonstruktiver Teil eines Hügels,
der vom 20. Gebirgsregiment in eine Festung umfunktioniert
wurde. Beeindruckend, was sich dort die Deutsche Wehrmacht
während des Rückzugs hat einfallen lassen! Das Besondere ist
noch ein völlig intaktes 75 mm Panzer- Abwehr- Geschütz. Die
Nacht verbringe ich noch vor der Grenze an der Straßenseite, was
sich allerdings am nächsten Morgen als Fehler herausstellen
sollte. Gleich in der Nähe ist eine Abzweigung zur Feltstasjon
der Universität Tromsö, jedoch kann ich dort nichts besonderes
ausfindig machen.
Schon um 5.30 Uhr werde ich aus dem Schlaf gerissen. Ein
orkanartiger Regensturm bei 10 Grad (das ganze Auto war
vollkommen beschlagen!) und noch viel schlimmer anrückende
Straßenbaufahrzeuge, die den Seitenstreifen der neu geteerten
Strasse bearbeiten wollen. Da ist an Schlafen nicht mehr zu
denken, weshalb ich nun weiter fahre. Wieder in Skibotn
angekommen, stehe ich erneut an der Kreuzung, wo es rechts nach
Kirkenes und links nach Tromsö geht, wie vor über 14 Tagen. Die
Route nach Norden ist schon verdammt gut und ich würde sie jeder
Zeit wiederholen. Leider geht´s nun links die E 6 nach Süden.
Das Wetter bessert sich allmählich und ich fahre zunächst an der
anderen Seite des Lyngenfjords entlang. Die Troms würde ich als
die Alpen Norwegens bezeichnen. Hohe von Wäldern bewachsene
Berge umrahmen die Strasse. Überall schlängeln sich kleine
Gebirgsbäche entlang der dunkelgrünen Hänge. Tromsö liegt nicht
an der E 6, sondern ist etwa 73 km nördlich davon durch die E 8
zu erreichen. Eine winzige Strasse, die größtenteils nur mit 60
km/h zu befahren ist, führt entlang des Balsfjordes durch eine
Vielzahl kleiner Bauerndörfer. Eine wirklich sehr ansprechende
Strecke, die sich lohnt! Tromsö selbst überrascht mich durch
seine Größe und durch seinen Charakter. Die Nördlichste
Universitätsstadt der Welt, scheint dem harten Klima so hoch im
Norden zu trotzen. Das Wahrzeichen der Stadt ist die
„Eismeerkathedrale“. Um sie von innen betrachten zu können, muss
man einen horrenden Eintritt bezahlen, den ich mir jedoch spare.
Architektonisch macht die Kirche auf jeden Fall was her! Die
eigentliche Stadt liegt auf einer Schäreninsel, die man über
eine große Brücke vom Festland aus erreicht. Dort zu besichtigen
sind das Polarium (Tromsö ist traditioneller Expeditionsausgang
nach Spitzbergen!), sogar eine Katholische Kirche und eine recht
nette Fußgängerzone mit diversen Geschäften und Kneipen.
Mittlerweile hat es 17 Grad und die Menschen füllen leicht
bekleidet und gut gestimmt die Strassen und Straßencafes. Die
Universität interessiert mich noch sehr. Um sie zu erreichen,
muss man durch zwei Straßentunnels, so dass ich die Orientierung
verliere und nicht sagen kann, wo sie eigentlich liegt. Der
Universitätskomplex hat diesen Namen auf jeden Fall verdient!
Eine so große Uni hätte ich hier nicht erwartet! Hier findet man
von natur- bis literaturwissenschaftlichen Instituten alles.
Überall auf dem Gelände moderne und ansprechende Gebäude.
Am späten Nachmittag geht´s dann wieder die E 8 zurück zur E 6,
wo ich noch bis zum Målselvfossen fahre. Das ist ein Lachsfluss,
wie er im Bilderbuch steht! Dazu muss man ein paar Kilometer von
der E 6 weg bis man zu einem Campingplatz gelangt. Hier treffe
ich noch ein Ehepaar mit ihrer Tochter und ihrem Freund aus
Berlin, die jetzt schon zum zehnten Mal zum Nordkap fahren! Die
Frauen sind damit beschäftigt „Strandgut“ entlang des Flusses zu
sammeln. Alle möglichen Hölzer und Steine, während wir Männer
uns über die Routen und die Reise (das Erlebte) unterhalten. Sie
sind über Kiruna nach Norwegen gekommen und haben fast die ganze
Zeit über schlechtes Wetter gehabt. Noch hält sich das Wetter
hier und sie wirken ein wenig überrascht, als ich ihnen erzähle,
wie schön der Tag heute in Tromsö war. Sie erzählen mir weiter,
dass dieser Fluss hier ein exzellenter Lachsfluss sei, jedoch
die Fangerlaubnis bereits ein Jahr vorher zu kaufen ist, da man
sonst keine Chance hat, einer dieser begehrten Fischerkarten zu
kaufen. Ich gehe dann den Fluss am Ufer entlang und da sehe ich
sie, die Profi- Fliegenfischer, mit fast 5 Meter langen Ruten.
Der Fluss selbst führt glasklares, aber auch hier bräunliches
Wasser. Am Ufer liegen vom Eisenerz geprägte, rostig- braune
Steine. Der Weg führt bis zu einem laut tosenden, breiten,
kaskadenartigen Wasserfall und man glaubt es kaum … hier
springen sie, die
Salmons! Fast unvorstellbar, dass sie eine
solche Hürde nehmen können! Was das Kraft kosten muss! Oberhalb
des Wasserfalls beginnt dann ein Schutzgebiet, wo nicht mehr
gefischt werden darf, was ich für sehr sinnvoll halte, da sich
hier die Fische ausruhen können, ohne gestört zu werden. Am
Wasserfall harre ich so etwa 2 Stunden aus bis es fast schon
dunkel wird. In dieser Zeit sehe ich aber nur 4 Lachse springen!
Auf dem Rückweg zum Auto stehen die Fliegenfischer immer noch
hüfttief im Wasser ihre Ruten schwingend. Ich sehe die Fischer
kaum, so dunkel ist es bereits. Auffällig ist, dass sie nun mit
Leuchtfliegen fischen! Der Hammer, oder? Nach dem kleinen
Lachsflusserlebnis kehre ich wieder auf die E 6 zurück und
verbringe die Nacht am nächsten Rastplatz direkt an der
Barduelva.
Das ganze Gebiet von Andselv, Bardu und Fossbaken ist z.T. sehr
stark durch Militäraktivitäten geprägt. Die Städte und Dörfer
haben deshalb hier auch alles zu bieten, was man so braucht,
obwohl es der Größe nicht unbedingt angemessen wäre! Die
Landschaft ist weiterhin gebirgig und bewaldet, sogar Fichten
sieht man hier wieder! Die Nacht war ruhig, da allgemein nicht
mehr viel Verkehr hier herrscht. Die Saison scheint vorbei zu
sein. Irgendwie kann ich mich heute nicht mehr riechen, weshalb
ich heute mal wieder eine vernünftige Wäsche benötige! Die
Barduelva ist jedoch so kalt, dass mir die Beine schmerzen
sobald ich im Wasser stehe! Nun dann gibt´s halt doch nur eine
Katzenwäsche, während ich diese herrliche Gebirgslandschaft um
mich herum genieße. Heute soll auch mal eine Bergtour fällig
sein! Zwischen Fossbakken und Gratangen halte ich an einem in
der Ferne ersichtlichen Gebirgswasserfall an der E 6 an und
starte um 14.00 Uhr bei heiterem Wetter die Tour, was hier im
Norden noch nicht zu spät ist, da der Tag auch länger ist!
Zuerst geht´s durch dicht mit Birken bewaldetes Gebiet bergauf,
dann wird es relativ sumpfig und zunächst eben. Hier wachsen
auch die berühmten
Moltebeeren (das Gold des Nordens!)!
Elchspuren und ihre “Koteier“ verraten, dass sie hier öfter
anzutreffen sind. Es geht nun immer weiter bergauf entlang des
Gebirgsbaches bis die Baumgrenze erreicht ist und sich die
Vegetation nur noch auf
Flechten und Moose beschränkt. Die
Sicht
von hier ist herrlich, die Luft und diese Ruhe hier oben! Nach
längerer Zeit oben am Gipfel angelangt bei noch gutem Wetter,
genieße ich die Sicht auf die Gipfel ringsum. Von meinem
Standpunkt aus öffnet sich der Berg in eine Hochebene, wo noch
riesige Schneefelder die grauen Bergrücken bedecken. Irgendwo
dort muss das Quellgebiet des Baches sein. Eine Unternehmung
wert, so denke ich. Aus einem kleinen Teich sprudelt die
Quelle. Allmählich ziehen jetzt schwarze Wolken auf und ich
glaube, nun wäre es an der Zeit, den Abstieg vorzunehmen. Ich
folge wieder dem Verlauf des Gebirgsbaches talabwärts. Mal führt
der Bach durch einen Eistunnel, ergießt sich dann in einen
kleinen Gebirgssee und fällt anschließend über hunderte von
Kaskaden den Berghang nach unten ab. Der Abstieg ist
dementsprechend schwer und z.T. auch gefährlich, so dass ich
nach ca. sechs Stunden froh bin, völlig verausgabt, das Auto zu
erreichen. Aber die Mühen haben sich gelohnt, da ich viele
Natureindrücke mitgenommen habe. Kurz nach Gratangen biege ich
dann rechts die 825 nach Grovfjord ab. Entlang des Fjordes führt
eine kleine, in den Fels gesprengte Strasse von einem Dorf in
das Nächste. Die kleinen Häfen gefallen mir dort sehr. Die
sportliche Unternehmung hat mir irgendwie einen Adrenalinschub
verpasst, so dass ich noch nicht gewillt bin, mich schlafen zu
legen. Also fahre ich weiter durch die hereinbrechende Nacht, am
Grovfjord vorbei, bis ich vor Gausvik die E 10 erreiche. Vorher
muss ich aber noch über eine lange Brücke, um die Vesterålen zu
erreichen. Noch immer bin ich nicht müde und da ich ja diese
Strecke bei der Rückfahrt ein zweites Mal befahren sollte, fahr
ich im Dunkeln weiter bis nach Lødingen, wo ich dann an einem
ruhigen Rastplatz halt mache und, immer noch aufgewühlt,
versuche, die Augen zu zumachen.
Das Schlafen sollte mir diese Nacht nicht so recht gelingen und
so fahre ich bereits gegen 6.00 Uhr bei strömenden Regen weiter.
Gegen 7.00 Uhr gelange ich in Melbu an und habe für die
Fährüberfahrt nur ein Auto vor mir. Gewöhnlich muss man hier
eine Stunde Wartezeit einkalkulieren! Hier ist also klar, dass
die Hauptsaison vorbei ist! Die Fahrt entlang der E 10 ist bis
Melbu als langweilig zu bezeichnen. Zwar öffnen sich immer
wieder schöne Blicke auf die Insel Hinnøya, da die Strasse
entlang der gegenüberliegenden Küste führt. Die Küste hier bei
Melbu ist eher flach und wird von Viehwirtschaft geprägt. Die
Überfahrt nach Fiskebøl dauert nur 20 Minuten. Während dessen
bemerke ich meine Müdigkeit, die mich allmählich übermannen
sollte!? Gleich nach Fiskebøl fahre ich deshalb den nächsten
Parkplatz an und schlafe dort bis um 12.30 Uhr. Der Regen hört
sogar mal zeitweilig auf. Die dunklen Wolken hängen aber tief in
den schroffen, fast kahlen Berghängen. Nur ein leichtes Grün
überdeckt den fast schon schwarzen Fels. Weiter geht es an
Svolvaer vorbei und über mehrere Brücken zur Insel „Vestvågøy“,
wo es wieder kräftig das Regnen beginnt. Ich beschließe jetzt
anzuhalten, an einem tollen Parkplatz, von wo man aus einen
fantastischen Blick auf ein Schärengebiet hat, wenn sich mal der
Nebel lichtet. Hier verbringe ich ein paar Stunden mit Schreiben
und Kochen, da es ja auch nur regnet und nebelig ist. Plötzlich
kommt ein Auto vorbei. Darin sitzt ganz allein ein blondes
Mädchen, das irgendetwas schnell in ihrem Handschuhfach sucht
und dann wieder weiterfährt. Sie hatte ein deutsches Kennzeichen
und ich frage mich, ob sie hier wirklich alleine durch die Lande
fährt und wenn ja, dann ist das doch echt sehr mutig! Na ja, ich
schreib weiter und weiter bis es dunkel wird. Müde bin ich auch
noch nicht, so dass ich jetzt noch ein wenig Strecke machen will
und letztendlich an der sehr engen Passage zwischen Ramberg und
Hamnøy übernachten sollte. Der Regen hat nun aufgehört und der
Wind bläst hier recht stark, so dass ich guten Mutes bin, dass
das Wetter morgen besser werden sollte.
So
ist es denn auch! Ich werde durch die warme Sonne geweckt.
Prachtvoll liegen die schroffen Berge vor mir, manche immer noch
von Wolken verhangen. Ich fühle, dass das ein super Tag werden
sollte! Die enge Meer- Passage ist durch eine etwas holprige,
einspurige Hängebrücke passierbar. Die Strasse entlang der Küste
ist wirklich in den Fels gesprengt; klein und eng. Und so sind
die Ortschaften - eigentlich gibt es hier keinen Platz für die
Häuser- sehr klein und sie scheinen wie an den rauen Fels der Lofoten gedrückt. Der Nordmann hat hier teilweise seine Häuser
ins Meer gebaut, sog. Meer- Pfahlbauten, die auf norwegisch „Rorbua“
genannt werden. Das sind einfache, aber schön angestrichene
Holzhütten. Die schönsten unter ihnen gehören einem in Reine
ansässigen Hotel. Also für Unterkunft ist für die etwas
komfortabler Reisenden auch gesorgt, denn man kann diese Hütten
als Ferienhütten mieten. Viele von ihnen tragen einen Name, wie
z.B. Bjørn, Niels … Darin ist Platz für ein Wohnzimmer, ein
Schlafzimmer und eine Küche. Man hat aber auch die Möglichkeit
im Restaurant des Hotels zu essen. Gerade Fischgerichte sollen
hier ein großer Genuss sein!? Die Lofoten dürften davon noch
genügend haben. Überall sind hier die Gestelle für den
Stockfisch zu sehen und die an den Häfen liegenden
Lagerhallen
sind voll von dem steinhart getrockneten Fisch. Die E 10 endet
bei Å, ein kleines Fischerdörfchen, wo es sogar ein
Stockfischmuseum gibt. Die Insel- Landschaft ist hier so, wie
ich sie aus dem Fernsehen her kenne. Schwarz- graue, steil aus
dem Meer ragende, von zart grüner Vegetation bedeckte Berge. Im
Hafen schaukeln kleine, farbige Fischkutter und bunte Häuser
geben der Landschaft einen freundlichen Eindruck. In Reine ist
die Statoil- Tankstelle sogar photogen in einer Holzhütte
untergebracht. In Moskenes finde ich auch eine hervorragende,
abseits gelegene Stelle, wo ich Dorsche aus dem Wasser ziehe,
wie selten zuvor. An dieser Stelle führt der Fels fast senkrecht
in die Tiefe, vorbei an großen Algenpflanzen. So in zehn Meter
Tiefe scheinen die Fische auf meinen Pilger zu warten! Einer
nach dem anderen und einer schöner als der andere (golden
gefärbt!)! Stundenlang halt ich mich hier auf. Gegen
Abend fahr ich wieder zurück, zuerst noch zum Ort Nusfjord, ein
kleines Fischerdorf, am gleichnamigen Fjord gelegen. Auch hier
Pfahlhütten und eine Fischzuchtanlage, die anscheinend Setzlinge
für die zahlreichen Fischfarmen produziert. Da ich denke, dass
an diesem schönen Abend auch ein wunderbarer Sonnenuntergang zu
erwarten ist, fahre ich fast bis nach Ramberg zurück. Dort habe
ich bereits bei der Hinfahrt einen weißen, langen Sandstrand
entdeckt. Doch leider macht mir eine große, dunkle Wolke einen
Strich durch meine Rechnung. Aber kein Problem, ich genieße
diesen herrlichen Abend in weißem Sand, an türkis- grünem Meer!
Es könnte hier genauso in der Karibik sein.
Es
wird nun allmählich dunkel und ich suche mir einen geeigneten
Schlafplatz, möglichst am Meer mit Blick auf die Lofotenwand.
Bei Vikten, ein kleines Dorf, das anscheinend die nördlichst
gelegene Glasbläserei besitzen soll, werde ich fündig. Jedoch
steht dort bereits auch ein anderes Auto. Wie sich bald
herausstellt, ist es das Mädchen aus Deutschland, das sich
gestern kurz neben mein Auto gestellt hat. Eigentlich will ich
weiter, steige aus dem Auto, um noch ein Foto von diesem schönen
Blick zu machen. Als ich zum Auto zurückkehre, steht das blonde
Mädchen vor ihrem Auto und wir kommen schnell ins Gespräch.
Tatsächlich ist sie hier alleine unterwegs, verlassen von ihrem
Schulkameraden, der sie eigentlich begleiten sollte. Es habe ihm
nicht gefallen, dass es in Norwegen soviel regnet, weshalb er in
Oslo bereits die Heimreise angetreten habe. Ihr Name ist Svenja,
sie hat gerade Abitur gemacht und kommt aus der Nähe von Hamburg
(Jesteburg). Sie besitzt ein Pony, will vielleicht Tierärztin
werden und möchte Anfang Oktober nach Island, um dort für ein
Jahr auf einem Pferdehof zu arbeiten. Wir merken beide, wie gut
dieses zufällige Zusammentreffen uns tut, nach all der langen
Einsamkeit. Sie ist über zwei Wochen allein! Deshalb beschließen
wir, eine Zeit lang gemeinsam die Inselwelt der Lofoten und
Vesterålen zu erkunden und ev. eine Whale- watching- tour in
Andenes zu machen. Verfroren (der Whiskey hat nur kurze Zeit
gewärmt!) und müde gehen wir dann gegen 1.00 Uhr in unsere Autos
schlafen.
Gegen 9.00 Uhr werde ich durch die Sonne, die gerade über dem
Bergkamm strahlt, geweckt. Es ist recht windig und nur 12 Grad
warm. Svenja ist schon auf und richtet ihr Frühstück her. Wie
sie gestern Abend angekündigt hat, ist sie auch schon im Fjord
schwimmen gegangen, nachdem sie eine halbe Stunde gejoggt ist.
Das Wasser hat sicherlich nicht mehr als 12 Grad und ich
bewundere sie ihrer Zähigkeit wegen. Wir wollen die nächsten
Tage vor allem die Nebenstrecken abfahren, die ich auf meiner
ADAC- Karte z.T. gar nicht finden kann. Wir biegen die 815
Richtung Stamsund ab. Irgendwo dort an der Strasse stellen wir
die Autos ab und erglimmen gemeinsam einen der zahlreichen
Berge. Wir wollen wissen, wie die Lofoten von „oben“ aussehen.
Wir beide haben uns enorm in Bezug auf Höhe und Steilheit
verschätzt. Mit allen Vieren stürmen wir den Gipfel. Vor allem
Svenja, die wie eine Bergziege ohne Probleme hochklettert! Sie
ist echt fit! Oben angelangt (nach ca. 1 ½ Stunden) bin
zumindest ich ziemlich geschafft, doch dieser Blick entschädigt
für all diese Mühen! Die Sonne strahlt uns an und wärmt uns
ausreichend, da der Wind hier oben doch recht heftig und kalt
ist. Im Hintergrund läuten die Glocken von ein paar Bergschafen,
die in diesen Bergen perfekt angepasst sind und auch gute
Nahrung finden. Überall an den Berghängen wachsen Beeren, Gräser
und Ericaceen. Während wir da oben so sitzen (ca. 1 Stunde)
graust es uns schon vor dem Abstieg, der bei dieser Steilheit
sicherlich nicht einfach werden sollte! Doch irgendwann müssen
wir uns von diesem Panoramagenuss wieder lösen, um auch noch
während des Abstieges was sehen zu können, da der Hang bereits
völlig im Schatten des Bergkammes liegt. Der Abstieg geht zwar
schneller, aber er ist für die Gelenke belastender als der
Aufstieg. Außerdem wird man mit der Zeit unvorsichtiger, so dass
man insgesamt den Abstieg schwerer einschätzen muss als den
Aufstieg. Gegen 18.00 Uhr (also 4 Stunden) sind wir froh, wieder
bei unseren Autos zu sein. Hunger und Durst sind natürlich
riesig. Jedoch ist es hier zu schattig und zu windig, um an
dieser Stelle Essen zu kochen. Wir fahren deshalb ein paar
Kilometer weiter an einen windgeschützteren Ort. Svenja kocht
Reis mit Suppe und ich Nudeln mit Tomatensauce. Danach fahren
wir erneut ein paar Kilometer bis zu einem netten Platz, wo man
einen recht guten Blick auf das Felsmassiv von Hennigsvaer, dem
„Hafen der Lofotfischerei“, hat. Schon gegen 22.30 Uhr gehe ich
schlafen, während Svenja noch eine Zeit lang an der Küste
rumklettert.
So gegen 10.00 Uhr werde ich von zuschlagenden Türen geweckt.
Svenja ist schon wieder auf, obwohl sie vorgestern behauptet
hat, eine Langschläferin zu sein!? Nun ja, im Fjord ist sie auch
schon wieder gewesen! Sie brauche das zum Aufwachen! Es ist
windig, bei 10 Grad! Schon irgendwie verrückt …
Nach dem Frühstück geht´s nach Henningsvaer. Das ist auch ein
nettes Fischerdorf! Auch hier gibt es ein Hotel mit einem
Fischrestaurant. Im Hafen liegt neben mehreren Fischkuttern auch
ein altes Walfangboot, das wir uns etwas genauer betrachten,
auch wenn eigentlich alles abgesperrt ist. Die Harpune ist
natürlich abgebaut gewesen, doch hinter der Abschussvorrichtung
liegen Rollen mit dicken Seilen, die wahrscheinlich ans Ende der
Harpune gebunden werden, um den Wal zu fangen und nicht zu
verlieren. Der Walfang ist als recht brutal zu bezeichnen. Vorn
an der Harpune ist ein Sprengsatz montiert, der nach dem
Auftreffen im Wallaib explodiert und die Innereien des Wales
sprichwörtlich zerfetzt! Von Island her weiß ich, dass die Wale
nach dem Fang mit Luft befüllt werden, damit sie nicht absinken,
und dann einfach längsseits des Bootes angebunden und zum Hafen
transportiert werden. Das Wetter ist heute leider nicht so
besonders. Es ist ziemlich bewölkt, windig und kalt. Dennoch
beschließen wir, den Blick auf die Schären und das Meer bei
„Lesen und Schreiben“ zu genießen. Ich setzte mich in eine
windgeschützte Felsspalte und schreibe dieses Tagebuch weiter.
Am späteren Nachmittag fahren wir weiter, an Kabelvåg vorbei, wo
eine schöne Holzkirche steht (Lofotenkathedrale). Gleich in der
Nähe befindet sich ein grauer Granitfels auf dem der jeweilige
Norwegische König seit 1850 seinen Namen hinterlassen hat. Der
Schriftzug wurde in den Fels gemeißelt und vergoldet.
Etwa 15 km vor Fiskebøl, finden wir einen netten Parkplatz, wo
wir auch über die Nacht bleiben sollten. Auch hier am
Austnesfjord ist mir das Fischerglück hold (5 kleine Seelachse).
Gleich in der Nähe muss der Trollfjord sein, der zweit
bekannteste Fjord Norwegens nach dem Geiranger Fjord. Das
Felsmassiv und das grüne Wasser des Fjordes haben auch was ganz
Besonderes an sich. Am Abend lassen wir diesen Anblick auf uns
bei einem guten Glas Whiskey wirken, bis es gegen 0.00 Uhr so
kalt wird, dass ich kaum noch meine Glieder zum Auto bewegen
kann.
Ein eiskalter, regnerischer Morgen, der einen eigentlich nicht
zum Aufstehen einlädt, empfängt uns. Die dunklen Regenwolken
hängen tief im Fels. Wir beschließen sofort nach Fiskebøl zu
fahren, um die Fähre nach Melbu zu erwischen. Irgendwie
bedrohlich erscheint mir dieser Fjord heute! Dunkel, fast
Weltuntergangstimmung bei diesem Regen!
In
Melbu angekommen, fahren wir zunächst die E 10 nach Stokmarknes
und biegen dann links Richtung Sandnes ab. Dort geht es entlang
der Küste Nordwestwerts. Dieser „Feldweg“ führt zum Teil an
landschaftlich schönen Gegenden vorbei und ist nicht so
langweilig wie die E 10. In Sortland angekommen geht es weiter
die 82 nach Andenes. Auch diese Strecke ist zunächst
recht schön entlang des Atlantiks, doch etwa ab Risøyhamn fährt
man durch absolut trostloses z.T. hügeliges Sumpfland, das auch
teilweise stark von Menschenhand bearbeitet worden ist. Gegen
18.00 Uhr kommen wir dann in Andenes an, eine Stadt am „Arsch
der Welt“! Irgendwie komisch! Ein Militärflughafen, viele
Wohnhäuser, ein Campingplatz, eine Bäckerei, mehrere Kneipen…
Man bekommt hier alles, was man so braucht! Auch eine Bank! Am
Leuchtturm finden wir dann auch das Whale- Watching- Zentrum,
das aber bereits um 17.00 Uhr geschlossen hat. Ein Ehepaar aus
Essen trifft auch noch ein und wir versuchen herauszubekommen,
wann die nächste Tour starten sollte. Jedoch sind die
Informationen, die man von draußen aus sehen kann, sehr
spärlich. Man hat auch den Eindruck, das hier nicht viel los
sein kann, weil alles so ruhig und vereinsamt aussieht, wie
übrigens die ganze Stadt! Um 8.00 Uhr sollte der Laden morgen
früh geöffnet sein. Nun ja, leider ist es aber nicht
ersichtlich, ob dann morgen tatsächlich eine Tour starten soll.
Während wir uns so beraten, sehen wir zufällig einen riesigen
Walschädel neben dem Gebäude. Echt der Wahnsinn, wenn man die
Knochen so sieht und sich vorstellt, wie groß dieses Tier
gewesen sein musste. Das hilft uns in unserer
Entscheidungsfindung irgendwie weiter und wir beschließen, diese
Tiere auch endlich mal lebend zu Gesicht zu bekommen. Schau ma
mal, was morgen möglich ist. Wir fahren zurück bis an die
Abzweigung nach Bleik, wo wir noch ein paar Kilometer entlang
einer Felsklippe fahren und von dort aus einen fabelhaften Blick
auf das Meer haben. Der Regen hat nun übrigens aufgehört, so
dass es uns nun auch möglich ist, zu kochen. Dabei fallen Svenja
zwei große Vögel auf, die über dem Meer kreisen. Sie fragt mich,
ob das Adler seien. -Ich habe natürlich keine Ahnung! So sind
wir fast den ganzen Abend damit beschäftigt die Vögel zu
beobachten und ich bin mir nun sicher, wir haben da Steinadler
gesehen, denn die waren wirklich riesig! Manchmal werden sie von
Raben oder Möwen attackiert, wenn sie der Vogel- Kolonie, die
auf einer kleinen Insel vor uns liegt, zu Nahe kommen. Ein
tolles Schauspiel! Um morgen auch wirklich bei einer
Walbeobachtungsfahrt dabei zu sein, gehen wir gegen 22.30 Uhr
Schlafen. Der Wind pfeift ordentlich durch das Auto!
Es
ist 7.00 Uhr; ein kalter, stürmischer Morgen! Doch Svenja ist
schon wieder im Meer schwimmen gewesen!! Heute friert sie aber
auch richtig!! Nach einem kurzen Frühstück bei Nieselregen
fahren wir wieder zum Whale- watching- center nach Andenes und
sind doch etwas erstaunt, wie viele Menschen hier anzutreffen
sind. Mehrere deutsche und italienische Autos stehen auf dem
Parkplatz, so dass wir schon fast Angst haben, die letzten zu
sein. So ist es denn auch irgendwie! Sie haben auf der
Schiffsliste nur noch zwei Plätze frei, die wir Gott sei Dank
deshalb, weil wir so früh da sind (8.15 Uhr), in Anspruch nehmen
können. Alle anderen Plätze sind irgendwie vorreserviert worden!
Als sich dann noch herausstellt, dass die 6- 8- stündige Tour
(davon 2 Stunden Museum!) nur 600 NKR für Studenten (ca. 150.-
DM) kosten soll, schlagen wir zu und wir sind nun dabei!! Wir
müssen erst um 10.00 Uhr zahlen, so dass wir auch noch
Gelegenheit haben, Geld von der einzigen Bank zu holen und
Proviant aufzunehmen. Dazu muss die nette Bäckerei in einer der
Seitenstrassen betont werden, die uns frisch duftendes Gebäck
verkauft. Um 10.30 Uhr geht es dann endlich los. Nach ein paar
Begrüßungsworten, werden die ultimativen Pillen (für manche, für
manche auch nicht, was sich z.T. später als Fehler herausstellen
sollte!) gegen die Seekrankheit ausgeteilt. Ich weiß, dass ich
seefest bin, während Svenja es nur glaubt! Anschließend wird die
ganze Gruppe (ca. 50 Leute) durch das Museum geführt. Die größte
Attraktion ist sicherlich ein echtes, komplett aufgestelltes
Pottwalskelett (ca. 12 Meter lang!), das in einem durchlüfteten
Raum liegt. Ansonsten könnte man den Trangestank kaum aushalten,
denn die Knochen beinhalten auch eine Menge von diesem Öl.
Dieser Pottwal ist durch einen Zusammenstoß mit einem Schiff ums
Leben gekommen, was man anhand des Schädels deutlich sehen kann.
Pottwale liegen (das sollte sich auf der Tour auf dem Meer
bewahrheiten) wie Baumstämme schwimmend an der Wasseroberfläche
(ca. 15 Minuten), wo sie Sauerstoff in ihr Blut pumpen, bevor
sie dann auf 400- 1000 Meter Tiefe, bis zu einer Stunde lang auf
Nahrungssuche abtauchen. Das ist der Grund, warum es viele
Unfälle zwischen Pottwalen und Schiffen gibt, wobei meist der
Wal den Kürzeren zieht. Eine zweite schöne Sache ist eine ½-
stündige Diashow über die hier lebenden Wale (Pott- und
Schwertwale), aber auch die dortigen Seevögel. Wunderbare
Lichtstimmungen, die man hier auf dem Meer erleben kann! Die
musikalische Begleitung, während der Diashow, gefiel mir
ungemein! Eine Mischung aus Wahlgesängen, untermalt von Oboe-
und Syntheziserklängen. Nach einer Pause, besteigen wir dann das
Boot. Das ist sicherlich auch ein altes Walfangboot mit Ausguck
und erhöhtem Bug. Ein ganzer Bus mit Spaniern trifft dann noch
kurz vor der Abfahrt ein, die anscheinend nur den Trip auf dem
Meer gebucht haben. Die Armen haben aber sicherlich alle keine
Pille gegen die Seekrankheit eingenommen! Nun sind wir also so
etwa 80 Personen auf dem Boot, was für die Größe dieses Bootes
nicht zu viele sind! Zwei Biologiestudentinnen aus Kopenhagen
und eine Studentin aus Barcelona begleiten die Fahrt raus aufs
Meer. Sie informieren und bewirten die Gäste, zuerst mit Kaffee,
Tee und Keksen, später dann mit Suppe! Das alles machen sie sehr
nett und kompetent, so wie man generell das Gefühl hat, dass
sich die Leute hier mächtig ins Zeug legen. Warum man von
Andenes aus fast 100 %ig Wale sieht, liegt an der geographischen
Lage. Ca. 15 km westlich von Andenes liegt ein 1000 Meter tiefer
Canyon, der enorm viel Fisch und Kopffüßer (Tintenfische)
beherbergt, die die Hauptnahrung der Pottwale sind. Eine Stunde
lang geht es raus auf das offene Meer. Svenja und ich stellen
uns natürlich ganz vorne an den Bug! Der Seegang ist
beträchtlich, so dass sich Svenja jedoch ziemlich bald nach
hinten von mir verabschiedet; sie ist also doch nicht seefest!
Wie übrigens viele andere, die auf dem Heck rumkauern und die
baldige Rückfahrt erhoffen, ja sogar die bereitgestellten Tüten
gebrauchen müssen. Außerdem ist es ziemlich kalt und windig auf
der Offenen See. Da haben sich vor allem die Spanier mit ihren
Jeansjacken verschätzt! Ich dagegen habe, passend gekleidet
(Watthose und winddichte Jacke), einen riesen Spaß da vorn am
Bug. Der Seegang wird immer stärker, bis sogar die Bugwelle über
das Schiffsdeck rollt! Coole Aktion, nun bin ich also ganz
allein und habe beste Sicht auf das wellige Wasser. Wie soll man
da einen Wal entdecken? Nach längerem Zickzackkurs macht uns der
Kapitän auf eine abtauchende Fluke eines Pottwals auf Steuerbord
aufmerksam. Ich hab sie allerdings nicht mehr gesehen! Das
Schiff dreht sich zu der Position, wo der Kapitän den Wal
angeblich gesehen hat. Ganz aufgeregt steigen nun die Passagiere
aus ihren „Lieblingspositionen“ zu mir auf den Bug, um mit als
erste den Wal zu finden. So wie wir nun alle da stehen, macht
sich auch das Jagdfieber breit. Wer sieht einen als erster!?
Plötzlich etwa 1 km auf der Backbordseite entfernt, sehen wir
zwei von ihnen „blasen“. Also schnell hin; der Kapitän gibt
mächtig Gas und da liegen sie nun im welligen Wasser, wie tote
Holzstämme treibend, zwei Kolosse, die sicher so lang sind, wie
unser Kutter! Das Boot neigt sich nun durch die heranströmenden
Menschen auf die Backbordseite (ich denke, dass deshalb nur 80
Leute mitfahren können, damit ein Kentern ausgeschlossen werden
kann!). Ruhig und fast bewegungslos liegen die beiden Wale vor
uns und atmen mit einer feuchten Luft- Fonthähne langsam Ein und
Aus. Nach ca. 5 Minuten gibt uns der Kapitän ein Zeichen und
einer von den beiden Walen streckt nun langsam seine
Schwanzflosse in die Höhe und taucht in die schwarze Tiefe ab.
Nach etwa 2 Minuten folgt der andere. Wie zum Abschied streckt
auch er seine große Fluke aus dem Wasser, dann sinkt er langsam
in die Fluten ab. Ein super cooles Erlebnis! Nun hab ich sie
auch mal lebend gesehen! Die Walsafari ist aber noch nicht zu
Ende, es geht weiter auf die Hohe See hinaus, da der Kutter noch
nicht die tiefste Stelle des Tiefsee- Canyons erreicht hat.
Plötzlich spitzen etwa 500 Meter vor uns mehrere schwarze Finnen
aus dem Wasser. Wie sich ein wenig später herausstellt, handelt
es sich um eine kleine Schwertwal- Schule, bestehend aus etwa 5-
6 Tieren. Als sie aber den Kutter herantuckern sehen, flüchten
sie. Einer von ihnen springt sogar mit einem riesigen Satz aus
dem Wasser nach vorne und platscht wieder zurück in die Fluten,
wie man es von Delphinen eher gewohnt ist. Der Kapitän versucht
ihnen zu folgen, jedoch sind diese Wale nicht so träge wie die
Pottwale. Sie sind einfach nicht mehr zu sehen und der Kapitän
bricht die Verfolgung ab. Total begeistert von diesen imposanten
Bildern, will ich mich aus diesem Menschenpulk da vorn am Bug
lösen, um nach Svenja zu sehen. Oweia, sie sieht nicht gut aus!
Sie ist bleich, hat eine sorgenvolle Mine aufgesetzt und steht
fest an der Rehling angepresst. Sie meint, dass ihr schlecht
sei, aber nicht kotzübel, so dass sie schon ein wenig diese
Safari genießen kann. Hier hinten am Heck, ist das Schwanken des
Bootes etwas sanfter, das Boot rollt eher über die Welle.
Mittlerweile nähern wir uns erneut zwei „Spermwhales“, wie sie
im Englischen genannt werden. Einer davon ist wirklich riesig!
Auch die beiden liegen langsam atmend fast bewegungslos an der
Wasseroberfläche, bis dann einer nach dem anderen abtaucht.
Erwähnenswert und irgendwie surreal ist die Situation an Bord.
Auch wenn ich mich hier nicht über die Seekranken lustig machen
will, so waren die Safaritouristen zweigeteilt. Der eine Teil
steht begeistert an der Rehling des Schiffes und erwartet den
nächsten Wal. Für sie könnte die Safari endlos weiter gehen. Der
andere Teil sitzt zusammengekauert auf dem Mitteldeck, blau und
grün angelaufen, hoffend, das der ganze Spuck bald vorbei ist.
Gerade die Spanier tun mir leid, da einfach viele unvorbereitet
wie Greenhörner an Bord gegangen sind und nun frieren und viele
von ihnen fleißig die bereitgestellten Tüten benutzen. Nach etwa
2 ½ Stunden wird nun durchgesagt, dass es wieder zurück zum
Hafen von Andenes gehe. Die Rückfahrt sollte noch mal eine
Stunde dauern, weshalb nun heiße Suppe und Brot angeboten wird,
um sich von dem Jagdfieber zu erholen. Nur fies für die
Seekranken! Ich bin auf jeden Fall vollends begeistert und kann
diese Walsafari in Andenes nur wärmstens weiterempfehlen! Die
150.- DM sind sehr gut angelegt, denn hier bekommt man was für
sein Geld! Allerdings ist dafür ein kompletter Tag einzuplanen!
Es ist nämlich bereits 18.00 Uhr als wir wieder bei unseren
Autos ankommen und Svenja und ich uns eigentlich heute wieder
trennen wollen. Allerdings sollte es sich heute nicht mehr
großartig lohnen, größere Strecken auf sich zu nehmen, weshalb
wir noch zusammenbleiben und Andenes Lebewohl sagen, bevor wir
den Nebenweg entlang der Westküste von Andøya einschlagen und
Richtung Børvagen fahren. Diese Strecke ist größtenteils als
Feldweg zu bezeichnen! Irgendwo auf dem Weg liegt ein
wunderbarer, weißer Sandstrand, an dem wir nun Halt machen und
hier auch über Nacht bleiben wollen! Hier zeigt sich auch mal
wieder kurz die Abendsonne und hüllt diese schöne Gegend in ein
oranges Licht. It´s a nice place to be!
Ich wache heute um 9.00 Uhr auf und wundere mich, dass Svenja
noch gar nicht aufgestanden ist. Es wird 10.00 Uhr, es wird
11.00 Uhr, da regt sich plötzlich was in ihrem Auto. Also stimmt
es doch, dass sie länger schläft. Das Wetter ist heute mal
wieder so schön und warm, dass ich heute mit Hemd rumlaufen
kann. Svenja ist das egal. Wie jeden Morgen stiefelt sie in die
kalten Fluten des Atlantiks. Ich bin mir ziemlich sicher, dass
das Wasser nicht mehr als 10 Grad hat. Währenddessen schlendere
ich entlang des schönen, weißen Sandstrandes. Dabei entdecke ich
eine tote, angespülte Robbe, bei der bereits der Kopf abgebissen
ist. Verschiedene Vögel fliegen den toten Kadaver an, um davon
zu fressen. Nachdem Svenja gefrühstückt hat, fahren wir die
Küste entlang weiter. Die Strecke lohnt sich landschaftlich eher
als die entlang der 82 bei der Hinfahrt nach Andenes. In Strand
angekommen verabschiede ich mich von Svenja. Sie fährt nun
weiter Richtung Harstad und ich fahre nun die E 10 zurück bis
zur E 6 Richtung Narvik. Die Zeit mit Svenja war recht nett,
noch dazu, weil Svenja so unkompliziert und eigenständig war und
wir die gleichen Interessen teilten -> Natur, Bergwandern und
Wale sehen. Echt ein nettes Mädchen.
Nun wieder allein, geht es die E 10 zurück nach Bjerkvik, wo ich
die E 6 Richtung Narvik abbiege. Was hier auffällig ist, sind
die hohen, z.T. schneebedeckten Berge, die den Ofotfjord säumen.
Allerdings schauen die Berge hier anders aus als auf den Lofoten.
Sie sind vom Eis abgeschliffen und z.T. von Wäldern bewachsen.
Narvik selbst ist wahrscheinlich nicht als schön zu bezeichnen.
Daran sind sicherlich auch wir Deutsche schuld, die Narvik, wie
auch viele andere Städte in Skandinavien, im 2. WK den Erdboden
gleich gemacht haben. Nach wie vor wird hier Erz abgebaut. Die
Bergwelt, die man hier im weiteren Verlauf der E 6 durchfährt
ist der absolute Hammer! Leider beginnt es wieder zu regnen. Da
es nun auch immer nebliger wird, beschließe ich hier in der Nähe
zu übernachten, um nicht etwas wegen des Nebels zu verpassen.
Unterhalb eines kahlen, graufarbenen Berghangs bei Saetran finde
ich einen ruhigen Platz zum Übernachten. Morgen wird das Wetter
sicherlich wieder besser sein.
Dem ist heute leider nicht so! Zwar hat der Regen aufgehört,
doch tiefe, dunkle Wolken ziehen die abgeschliffenen Berghänge
entlang. Bei Tageslicht erscheint die Gebirgslandschaft noch
imposanter. Ein Bach schlängelt sich ohne erkennbarem Bachbett
auf dem blanken Fels talwärts. Granit verwittert sehr langsam,
wie man sieht. Das lässt sich auch bei der Verteilung und
Ansiedlung der Vegetation erkennen. Sie ist nur dort zu finden,
wo das Eis Rinnen oder Spalten in das Gestein geschliffen hat.
Dort hat sich mit der Zeit ein Humusboden angesammelt, der
Pflanzen genügend Halt und Nährstoffe liefern kann. Das schaut
dann aber so ähnlich aus wie bunte Blumentöpfe auf kahler,
schwarz- grauer Fläche. Ich steige heute Vormittag bis an
den ersten Grat dieses Bergmassivs hinauf, wo ich mich auch in
das dort ausgelegte Gipfelbuch eintrage. Von hier oben hat man
eine fabelhafte
Sicht auf einen in der Nähe gelegenen Fjord.
Außerdem kann man von hier oben aus sehr gut nachvollziehen, wie
die Gletscherzunge bis runter zum Fjord verlaufen sein muss.
Nach zwei Stunden Wanderung muss ich mich heute auch mal wieder
gründlich waschen. Wenn es doch nur nicht so kalt wäre! An dem
vorher beschriebenen Gebirgsbach habe ich einen kleinen
Wasserfall entdeckt. Das ist doch eine passende Dusche!? Haha…
Was für eine Überwindung, sich unter dieses eiskalte Wasser zu
stellen, dann schnell einseifen und dann noch mal unter den
Wasserfall stellen. Das Gefühl nach der „Dusche“ ist jedoch
super. Man glaubt, dass die Haut brennt und es wird einem ganz
warm. Frisch gewaschen geht es nun weiter auf der E 6 bis nach
Skarberget. Von dort aus muss man mit einer Autofähre nach
Bognes übersetzen. Die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten, dann
führt die E 6 weiter durch eine bizarre, vom Eis deutlich
sichtbar geformte Gebirgslandschaft, wie ich sie bisher
höchstens im Jasper National Park (Kanada) gesehen habe. Sehr
beeindruckend, jedoch nur schade, dass das Wetter so scheußlich
ist! Außerdem stellt sich mittlerweile ein etwas gröberes
Problem mit meinem Auto ein. Beide Abblendlampen sind nun
ausgebrannt. Ausgerechnet jetzt, wo die E 6 durch eine Vielzahl
langer und dunkler Tunnel führt! Die Tunnel zu durchfahren, ist
bei diesen Bedingungen kein Kinderspiel, da ich kaum was sehe,
höchstens, wenn ich das Fernlicht einschalte. Das geht aber
natürlich nur, wenn kein Gegenverkehr kommt. Ca. 60 km nördlich
von Fauske verlässt man dieses schroffe, hoch montane Gebiet.
Nun fährt man weiter durch eine waldreiche Hügellandschaft. In
Fauske angekommen, fahr ich trotz Dunkelheit, noch weiter
Richtung Bodø die 80 zum bekannten Saltstraumen, der für seinen
großen Tidenhubunterschied bekannt ist. Hier in der Nähe zu
Übernachten, ist recht schwer, da inoffizielles Campen hier in
der Umgebung fast überall verboten ist. In der Nähe des
Saltstraumen, über den eine gewaltige Brücke führt, liegt eine
Kirche, auf dessen Parkplatz ich das Auto nun abstellen muss, da
ich mit meinen defekten Scheinwerfern nicht mehr weiter fahren
kann.
Schon gegen 6.00 Uhr wache ich heute auf und fahre nun eine
kurze Strecke auf der 17 über den Saltstraumen und biege dann
links in die 812 Richtung Beiarntal, von dem ich in meinem
Reiseführer gelesen habe, ab. Da ich doch noch sehr von
Müdigkeit geplagt bin, fahr ich den nächstmöglichen Parkplatz
an, wo ich dann doch noch 5 Stunden lang schlafe!
Von hier aus hat man übrigens einen super Blick auf den
Misvaerfjord. Das Gebiet ist bergig, jedoch nicht so hoch wie
das montane Gebiet nördlich von Fauske. Ab und zu sieht man hier
von der Eiszeit noch ein paar Spuren, aber meist sind diese
durch Vegetation verdeckt. Um das Tal mit dem gleichnamigen
Beiarnfjord zu erreichen, biegt man von der 812 in die 813 ab,
die zunächst auf einen steilen Pass führt. Die Passstrasse
verlangt dabei von seinem Fahrzeug einiges! So steil, wie es
hinaufgeht, geht es nach der Passhöhe wieder bergab. Während der
Fahrt öffnet sich langsam ein Tal, das an seiner Sohle eine sehr
hübsche Flusslandschaft beherbergt. Bis zum Ende der Strasse
fährt man entlang des Flusses durch viele, kleine Ortschaften.
In der Nähe von Tvervik stelle ich mein Auto auf einen
Parkplatz, von wo aus ich einen weiträumigen Blick auf das Tal
und den Fluss habe. Das Wetter spielt heute auch wieder mit und
beschert mir einen schönen Tag bei sonnigen 18 °C. Nach den
recht kalten Temperaturen in den letzten Tagen leg ich mich
erstmal ein paar Minuten in die Sonne. Ein paar hundert Meter
weiter flussabwärts stehen ein paar Fliegenfischer im Wasser. Es
sollten nicht die einzigen sein! Das Wasser ist hier aber auch
herrlich. Klar, grün- bläulich und recht tief. Ich kann
erkennen, dass der Flussboden vornehmlich aus Sand besteht. Ab
und zu springt auch was aus dem Wasser, was ich jedoch nie
rechtzeitig erkennen kann. Nach all diesen ansprechenden
Eindrücken hier unten im Beiarntal, meldet sich jetzt der
Hunger. Während ich mir eine Suppe koche, kommt ein Norweger mit
seiner Angelausrüstung vorbei und baut seine Angeln etwa 20
Meter von mir entfernt auf. Wie es halt immer so ist, kommt man
schnell in Blickkontakt und nach ein paar Minuten spricht er
mich auf Englisch an. Er ist etwa 40, starker Raucher und als
recht nett zu bezeichnen. Er kommt seit 25 Jahren jedes Jahr ins
Beiarntal, um zu fischen. Er will auch gern wissen, wie ich denn
in dieses ruhige Tal gekommen bin, weit abseits der üblichen,
touristischen Wege. Ich sage ihm, dass ich das Beiarntal per
Zufall gefunden habe, was ja nicht ganz stimmt, da ich etwas
davon in meinem Reiseführer gelesen habe. Er erzählt mir weiter,
dass er hier geboren worden ist, aber nicht hier lebe, aber
immer gerne zu seinen Wurzeln zurückkehre, weil das Tal einer
der schönsten Flecken Norwegens ist. Aha, nun, wenn er das sagt,
dann muss das ja auch stimmen! Ich denke, er hat auch wirklich
recht, vor allem, wenn man eine Angel dabei hat! Ein paar
Minuten später zappelt auch schon eine prächtige Meerforelle an
seinem Haken. Mittlerweile ist es gegen 14.00 Uhr und der
Parkplatz füllt sich hier mit anderen Fischern, die vom Ufer aus
ihr Glück versuchen. Der Norweger deutet nun auch an, dass die
Fische jetzt auch besser beißen werden, da die Sonne nun etwas
schräger steht. Er selbst fischt mit Wurm, den er dann mit einem
Blei auf Grund setzt. Er sei kein guter Fliegenfischer, meint
er. Die Fliegen seien immer in irgendwelche Bäume und Büsche
gelandet. Nun ja, seine Art und Weise Fische zu fangen ist zwar
irgendwie ein wenig langweilig, jedoch erfolgreich. Er fängt nun
nochmals zwei ca. 60 cm große Meerforellen, unglaublich! Seine
zwei Söhne, die jetzt angeradelt kommen, bringen sie in seinen
nahe gelegenen Wohnwagen, um sie einzufrieren. Er erzählt mir
weiter, dass der größte Lachs, den er hier gefangen hat, 18 kg
auf die Waage gebracht hat! Zu seines Vaters Zeiten fing man
hier jedoch Lachse bis zu 30 kg! Vor drei Jahren soll der
gesamte Lachsbestand wegen der Lachslaus getötet worden sein.
Mittlerweile gibt es strenge Fangbestimmungen. Von Mitte Juli
bis Ende August darf von Donnerstag Mitternacht bis zum darauf
folgenden Sonntag Abend Lachs gefangen werden. Die Angelkarte
ist relativ günstig und kostet ca. 75 NOK (denke, das gilt nicht
für Ausländer!). Nach ein paar Stunden Verweilens verabschiede
ich mich und wünsche dem Norweger noch viel Glück. Ich fahre
zunächst noch mal zum Ende der Strasse, da hier der Fjord
beginnt und der Fluss hineinmündet. Vom Meer ist nichts zu
sehen! Nach diesem schönen Nachmittag fahr ich den gleichen Weg
zurück, wie ich ihn gekommen bin. Ich möchte gerne den
Saltstraumen bei Tage sehen. Wie schon beschrieben, führt eine
ziemlich große Brücke über diesen engen, natürlichen „Kanal“,
der den Saltfjord mit dem Skjerstadfjord verbindet. Ein Straumen
ist also eine natürliche Verbindung zwischen dem Offenen Meer
und einem mehr oder weniger abgeschlossenen Fjordbecken.
Bei Ebbe und Flut leert bzw. füllt sich das Becken etwas Zeit
versetzt als die normalen Gezeiten. Dementsprechend starke
Strömungen sind an diesen Engstellen, wie hier, zu beobachten.
Gleich in der Nähe befindet sich ein Museum und ein
Informationszentrum, das allerdings jetzt schon geschlossen ist.
Weiter geht es nun die 17 südwärts. Im Reiseführer wird diese
Strecke als Traumstrasse bezeichnet. Die Berge werden hier
wieder höher und bizarrer. Die Spuren der Eiszeit werden auch
wieder deutlicher. Meine Scheinwerferprobleme und die dadurch
gefährlichen Tunneldurchfahrten, erlauben mir vorerst keine
Weiterfahrt, da doch relativ viel Verkehr ist. Irgendwo vor
Ørnes, vor einem lange Tunnel, geht links eine kleine Abzweigung
ab. Die Strecke verläuft durch recht wildes Gebiet, jedoch ist
die Strasse in sehr gutem Zustand. Nach etwa einer halben Stunde
gelangt man zu einer schönen Aussichtsplattform, von wo aus sich
anscheinend Drachenflieger und Paraglider den Hang
hinunterstürzen. Diese Nebenstrecke muss eine ehemalige
Passstrasse gewesen sein, die durch den Tunnel abgelöst worden
ist. Zu Fuß kann man ein kleines Stück den Hang in „Serpentinen“
hinunterlaufen. Nun ja, das wichtigste ist jedoch der Blick, den
man von hier oben aus hat. Die Abendsonne geht hier direkt im
Meer unter. Zunächst sind noch vier andere Autos anwesend. Wie
sich herausstellt sind es Paraglider, die eine Stunde später mit
einem anderen Auto zu ihren Autos hier oben gebracht werden.
Danach bin ich vollkommen alleine und genieße bei einem
herrlichen Sonnenuntergang diese Ruhe. Was für ein wunderbarer
Tag!
Wegen meines kleinen Scheinwerferproblems will ich den frühen
Morgen nutzen, da ich denke, dass jetzt weniger Verkehr auf der
17 sein wird. Es stehen nämlich einige lange und dunkle Tunnels
auf dieser Strecke an. So hab ich wenigstens die Möglichkeit mit
Fernlicht durch sie hindurch zu fahren. Ein Tunnel folgt nach
dem anderen, einer ist sogar über acht Kilometer lang. Die
Berge, wenn man sie denn wegen der Tunnels mal zu Gesicht
bekommt, sind bizarr und erinnern mich irgendwie an Beton,
obwohl es abgeschliffene Granithänge sind! Das Grau und die
Abrundungen erinnern mich irgendwie an Bunker in der Normandie!?
Leider ist der Himmel wieder sehr stark bewölkt. Möchte
gern wissen, wie die Felsen aussehen, wenn direktes Licht auf
sie fällt.
Bei Forøy wird die 17 das erste Mal durch eine Fährüberfahrt
unterbrochen. Die 17 ist dafür bekannt! Sechs mal muss man sich
im Verlauf der 17 einer Fähre bedienen. Die Gegend hier ist so
schön, da macht es auch nichts aus, dass die Fähre hier in Forøy
gerade abgefahren ist. Von hier aus eröffnen sich sehr
beeindruckende Blicke auf den
Svartisen- Gletscher. Das Wasser
des Holandsfjordes ist milchig- türkis. Die kleine Fähre bringt
mich in etwa 10 Minuten auf die andere Seite des Fjordes. Nun
geht es weiter durch wunderbare Gebirgsformationen; auch zwei
weitere lange Tunnel liegen auf dieser Strecke. Die Blicke, die
man auf die Fjorde und z.T. auf das Meer hat, sind der Hammer.
Für die Tunneldurchfahrt muss man übrigens nichts bezahlen. Nach
etwa 28 km auf dem Festland steht die nächste Fährüberfahrt an.
Auch hier muss ich warten, diesmal fast 2 Stunden. Bei diesem
Panorama jedoch kein Problem. Die Bergszenerie um Jektvik, das
Dörfchen selbst in einer Bucht gelegen, ist wie in einem
Bilderbuch. Die Fährüberfahrt nach Kilboghamn, wo ich den
Polarkreis diesmal mit dem Schiff überquere, dauert etwa eine
Stunde. Während der Fahrt hat man einen sehr schönen Blick auf
die typische Küste Norwegens. Der weitere Verlauf der 17 ist
kaum zu toppen, wie einfach die gesamte Strasse 17! Hier entlang
zu fahren ist ein absolutes Erlebnis! Doch durch meine
Scheinwerferprobleme beschließe ich nun bald eine Werkstatt
anzufahren, da mir der Blindflug durch die Tunnel allmählich zu
nervenaufreibend ist! Deshalb verlasse ich nun die 17 und biege
in die 12 nach Mo I Rana ab. Ist zwar schade, aber für mich
steht fest, dass ich die 17 noch ein anderes Mal erkunden
möchte. Das nächste Mal aber von Anfang (Steinkjer) bis Ende (Bodø)!
Mo I Rana ist wieder ein krasser Gegensatz zu dem, was ich die
letzten Tage so gesehen habe. Sie ist eine Industriestadt, die
auch einen großen Hafen besitzt. Jedoch findet man hier alles,
was man so braucht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es
hier einen Opelhändler gibt, der mir für 120 NOK die
Abblendlampen austauscht. Nun sehe ich also auch wieder etwas in
der Nacht! Um auch die E 6 im weiteren Verlauf nach Süden
Richtung Trondheim kennen zu lernen, fahr ich nun so weiter, was
ich aber irgendwie bereue. Die 17 wäre sicherlich besser
gewesen! Den Landstrich, den man hier im Verlauf der E 6
durchfährt, vergleiche ich mit dem im Allgäu. Er ist hügelig bis
sumpfig und z.T. stark von der Landwirtschaft geprägt. Überall
wird Heu geerntet und die Rinder stehen fressend auf den fetten
Weiden. Ich find es hier irgendwie langweilig! So fahr ich also
weiter Richtung Süden bis ich gegen 22.00 Uhr südlich von Grong
am Svåsavatnet an einem Parkplatz, neben der E 6, anhalte und
ziemlich müde die Nacht verbringen möchte. Wie gut das gehen
wird, weiß ich noch nicht, da hier auf der E 6 ziemlich viel
Verkehr ist! Allgemein werden die Europastrassen hier im
südlicheren Teil Norwegens stark von LKWs befahren, weshalb man
generell Nebenstrassen wählen sollte!
Na ja, so gut habe ich die Nacht hier nicht verbracht! Gegen
6.00 Uhr werde ich durch ein herannahendes Mähfahrzeug
aufgeweckt. Gleich am Parkplatz liegt der Svåsavatnet. Der See
ist vor allem wegen seiner lang gestreckten Ausdehnung zu
erwähnen. Das gegenüberliegende Ufer ist immer in Sichtweite und
von dichtem Wald bewachsen. Man hat hier aber nicht mehr das „Wildnisfeeling“.
Der Ort ist hier viel zu geordnet und aufgeräumt! Deshalb halte
ich mich hier nicht länger auf und fahre die E 6 weiter durch
relativ bäuerliches Gelände. Ich denke, dass ich heute meine
zwei Kommilitoninnen Wendy und Bettina besuchen werde, die hier
in der Nähe von Trondheim ein Experiment für ihre Diplomarbeit
durchführen. Dabei fallen mir die recht großen Gehöfte auf. Nach
Steinkjer biege ich rechts die 761 ab, die ich auch bald
Richtung Grønnesby auf einer unbefestigten Strasse verlasse, um
noch ein wenig von dem norwegischen Landleben zu erleben.
Die Strasse führt zunächst entlang des Breitstadfjordes an
vielen kleinen Bauernortschaften und Gehöften vorbei. Auf dem
Weg bekommt man einen recht guten Überblick von der Norwegischen
Landwirtschaft! Bei Utøy treffe ich auf die 755, die mich dann
über eine gebührenpflichtige Hängebrücke (ca. 67 NOK!) führt.
Nach der Brücke biege ich gleich wieder nach Vestvik ab, um
weiterhin am Breitstadfjord entlang zu fahren. Die Strecke
stellt sich jedoch dann nicht so heraus, wie ich es mir
vorgestellt habe, da die Strasse durch dichten Wald führt. Der
Wald macht den Ausblick auf das Meer unmöglich. Das ändert sich
dann auch nicht bis nach Varrabotn, wo ich auf die 720 stoße und
links nach Alset abbiege. Auch hier geht es durch ein Waldgebiet
bis ich nach Skalmerås auf die 715 nach Norden abbiege, um dann
nach ein paar Kilometern nach links in die 710 nach Brekstad
abzubiegen. Von Brekstad aus kann man dann mit einer kleinen
Autofähre nach Valset übersetzen, von wo aus ich vermute, dass
die Trondheimer Feltstasjon Sletvik in etwa 15 km südwestlich an
Mølnbukt vorbei, zu erreichen ist. Das ist immer so ein
komisches Gefühl, wenn man jemanden in einer anderen Umgebung
sucht bzw. besucht als man ihn sonst gewöhnlich antrifft. Ist
auf jeden Fall lustig, als ich den Feldweg zur Feltstasjon
hinauffahre, einen Bogen fahre und dann auf dem großen Vorplatz
der Station stehen bleibe. Da stehen sie nun, die Mädels und
scheinen irgendetwas vorzubereiten. Nach einer herzlichen
Begrüßung fahren wir mit Herwig gleich mal raus auf den
Hopavågen zu den Enclosures (Mesokosmos- Experiment), um ein
paar Proben zu nehmen. So ein marines Experiment ist schon etwas
anderes als in Seeon! Wellengang und Gezeiten sind
wichtige Faktoren, die beim Floßbau zu berücksichtigen sind! Wie
es der Zufall so will, soll heute auch noch eine Party
stattfinden, mit allen, die hier arbeiten. Gegen 19.00 Uhr geht
ein Grillfest los. Aus Trondheim sind etwa 30 Norweger
angereist. Ein 55 Liter Bierfass (das ist hier wirklich was
besonderes, da die Halbe 10.- DM kostet!) steht noch bereit!
Auch ich werde vom „Norwegerchef“ Yngwar Olsen eingeladen. Es
gibt gegrillten Lachs und mal wieder Salat! Ein Hochgenuss nach
tagelangem Suppenfraß. Nach vielem Gequatsche (Nike, Anna und
Sabine sind die Hilfskräfte von Tom, der hier seine Doktorarbeit
anfertigt), baue ich mein Zelt neben der Station auf. Ich dürfte
so eine Stunde gebraucht haben, bis ich alles wieder aufgebaut
habe. Als ich dann zum Fest zurückkehre, traue ich meinen Augen
nicht. Die meisten Leute sind vollkommen betrunken, tanzen und
sind lustig. Es ist gerade mal 23.00 Uhr und Wendy kann nicht
mehr stehen!? Sie meint, dass sie nur drei Bier, 2 Wodka, 2
Whiskey und 2 Tequilla getrunken habe! Das Resultat ist, dass
sie nun „krank“ in ihrem Bett liegt! Nike geht´s da übrigens
nicht anders, die von drei Norwegern abgefüllt worden ist, bis
auch sie in den Federn landet. Szenen hab ich hier erlebt, wie
im Alten Rom! Die norwegischen Professoren toben sich bei „Rage
Against The Machine“- Klängen aus und wälzen sich im Dreck. Wie
zu meinen „Nirwana- Zeiten“! Zu etwas späterer Stunde gehen
Anna, Herwig und ich runter an den Hopavågen, um mir das
Meeresleuchten zu zeigen. Das ist dann schon auch was Besonderes
und irgendwie magic! Im Wasser blitzen immer wieder kleine,
bläuliche Punkte auf. Hält man die Hand ins Wasser und bewegt
sie, dann zieht ein heller Schweif nach. Das nennt man
Biolumineszens, der durch mechanische Reize ausgelöst wird und
wahrscheinlich der Feindabwehr dient (das ist noch nicht genauer
untersucht!). Vor allem Quallen und einige Algenarten können
dieses Leuchten hervorbringen. Sehr beeindruckend! Da ich ja
letzte Nacht nicht so gut geschlafen habe, bin ich nun hundemüde
und ziehe mich gegen 1.30 Uhr in mein Zelt zurück, während die,
die noch stehen können noch bis tief in die Nacht weiter feiern.
Ich bin trotzdem ganz schnell eingeschlafen.
Der gestrige Alkoholkonsum nicht nur der Deutschen Mädels zieht
heute morgen noch so seine Spuren. Wendy und Nike zeigen sich
immer mal wieder aus ihren Zimmern und behaupten, dass es ihnen
gut gehe. Bettina dagegen besucht des Öfteren die Toilette und
ist den restlichen Tag dann nicht mehr zu sehen. Trotz Regens
unternehme ich eine zwei stündige Wanderung entlang der Küste
über die hier so typisch mit Heide bewachsenen Felsen. Immer
wieder ergeben sich dabei recht schöne
Blicke auf die vorgelagerten Inseln der Kommune Agdenes. Ein wirklich schöner
Ort, um auch wissenschaftlich hier zu arbeiten, da auch während
der Freizeit Natur erlebt werden kann. Ian, ein weiterer
Mithelfer von dem Doktoranden Tom Kunz, ist heute gegen 16.00
Uhr hier in Sletvik eingetrudelt. Ich kenne ihn von diversen
Botanikvorlesungen. Er ist sehr interessiert, was ich in den
letzten Wochen so erlebt habe. Auch er hat vor noch einen
Abstecher zu den Lofoten zu unternehmen, sobald er das OK von
Tom erhält. Ob es da nicht schon zu spät ist??? Auch Nike
scheint sich für die Lofoten zu interessieren. Den Abend
verbringen wir bei warmen Tee und süßen Speisen in der
Feltstasjon. Der Regen hat gegen frühen Abend aufgehört und
sogar die Wolken haben sich ein wenig gelichtet. Was für ein
Sternenhimmel! Ich gehe noch mal runter an den Hopavågen, um
auch das Meeresleuchten zu sehen. Was für eine Kombination. Das
Wasser leuchtet wie der Himmel. Gegen 2.00 Uhr bin ich dann ins
Bett. Nur schade, dass ich das Meeresleuchten nicht auf Film hab
festhalten können!
Erst gegen 12.00 Uhr wache ich durch die Mittagshitze im Zelt
auf. Ein wunderbarer, fast wolkenloser Tag. Heute will ich mal
mit dem Rad die Gegend von Agdenes erkunden. Außerdem brauch ich
ein paar Sachen zum Essen. In Mølnbukt gibt es einen kleinen
Supermarkt. Das erste Mal kann ich mein Radldress anziehen!
Sonst ist es immer zu kalt gewesen. Ich hab mich trotzdem
verschätzt und bin nun ziemlich ausgefroren. Die Sonne hat aber
noch so eine Kraft, dass ich mich schnell wieder aufwärmen kann.
Wie schaut es wohl in Deutschland aus, wenn ich wieder komme?
Ist es dann auch schon so kalt? Die Mädels sind heute alle recht
fleißig und scheinen den Alkohol herausgeschwitzt zu haben. Nur
nicht Bettina, der es weiterhin recht schlecht geht. Wir werden
alle alt!!! Am Abend sitzen wir alle wieder in der Feltstasjon,
trinken Tee, Kaffee und essen Cornflakes mit Kakao. Wenn man
hier in Sletvik wissenschaftlich arbeitet, wird man sehr gut
versorgt. Es gibt dreimal am Tag etwas zu essen und man hat
jeder Zeit die Möglichkeit, sich aus dem Kühlschrank zu
bedienen. Wendy meint, dass ihr das gar nicht so gut tut und sie
sicher bereits ein paar Kilo zugenommen habe. Das Essen ist hier
auch recht deftig und fett! Der Koch Jon ist auch ein ehemaliger
Schiffskoch, was einiges erklärt! Heute hab ich auch von Herwig
erfahren, dass die Feltstasjon eine ehemalige Deutsche Kaserne
aus dem 2. WK ist! Reste von Bunkern und Funkanlagen lassen sich
entlang der Küstenlinie leicht ausfindig machen. Auf der
vorgelagerten Insel entdecke ich dann auch ein in Beton
geschriebenes Hakenkreuz und das Datum 1. Nov. 1941. Bis um 2.30
Uhr verweile ich wieder am Wasser und betrachte dieses
sonderbare Licht des Meeresleuchtens und den Sternenhimmel.
Die Nächte werden jetzt schon recht kalt! Es wird sicher schon 0
Grad bei unbewölktem Himmel. Heute verbringe ich fast den
gesamten Tag mit Schreiben und erst gegen Abend fahr ich mit
drei Norwegern, Wendy und Bettina mit dem kleinen Fischkutter „Calanus“
auf den Hopavågen hinaus zum Fischen. Nun ja, dafür, dass ich
eigentlich keinen so großen Bock habe, fang ich den größten
Fisch! Es ist ein riesiger Seelachs! Die Norweger haben nichts
gefangen! Ich denke, dass ihre Pilger auch viel zu bunt sind! Es
ist wichtig einen silbernen Köder zu verwenden oder eine
Kombination aus Silber/Blau oder Silber/Grün. Das weiß ich noch
aus Erzählungen der Norweger von der 93- er Tour. Das Ausnehmen
eines so großen Fisches ist nicht so einfach, weil die Innereien
viel fester in der Bauchhöhle verankert sind. Deshalb ist es
sinnvoller, den Fisch gar nicht auszunehmen, sondern nur die
Filets raus zu schneiden, was netter Weise der Norweger
Thorstein macht. Der kann das halt auch. So gibt es also noch
einen guten Mitternachtssnack, frisch gefangenen Seelachs in ein
wenig Mehl geschwenkt, gesalzen und gepfeffert und kurz in der
Pfanne angebraten. Zuerst sind die Gesichter am Tisch ein wenig
skeptisch, doch nach den ersten Bissen sind alle hell auf
begeistert. So sind die 2 ½ Kilogramm auch schnell von 10 Leuten
aufgegessen! So guten Fisch hab ich, glaube ich, nur in Island
gegessen. Ganz weiches, saftiges Fleisch, gar nicht nach Fisch
schmeckend! Am späten Abend fängt es nun wieder in Strömen zu
regnen an. Gegen 1.00 Uhr gehen wir alle dann ins Bett.
Auffällig ist, dass das Licht hier in Norwegen fast nie gelöscht
wird, weil der Strom anscheinend so billig ist!
Die ganze Nacht hat es hindurch geregnet. Auch der Tag wird
immer durch Schauer unterbrochen. Es ist irgendwie ungemütlich
kalt und feucht! Den ganzen Tag verbringe ich im Zelt mit
Schreiben und Lesen. Danach packe ich das Auto mal wieder
richtig ein, um auch was wieder zu finden. Die anderen sind
heute recht fleißig, nehmen draußen auf dem Hopavågen aus den
Enclosures Proben und werten sie teilweise bereits aus
(Wasserchemie). Am Abend bereitet Herwig ein paar Proben zur C14-
Bestimmung vor. Zuvor wandere ich noch zur vorgelagerten Insel,
um die Deutschen Bunkeranlagen noch mal genauer anzusehen. Es
sollte heute der letzte Abend sein. Ich will irgendwie weiter.
Der Regen hat mittlerweile auch aufgehört, so dass ich guter
Dinge bin, mit trockenem Zelt weiter zu fahren. Am späten Abend
genieße ich noch mal das Meeresleuchten unten am Hopavågen, das
man anscheinend nur an sehr wenigen Plätzen der Welt so intensiv
erleben kann wie hier!
Heute Nacht hat es mal nicht geregnet, allerdings ist es wieder
recht kalt gewesen! Jedoch gibt es am frühen Morgen einen
ordentlichen Schauer, so dass das Zelt nun wieder völlig nass
ist! Gott sei Dank spitzt gegen Mittag die Sonne aus dem Wolken
verhangenen Himmel heraus, so dass das Zelt relativ schnell
abtrocknet und ich gegen 14.00 Uhr abfahrtsbereit bin. Es ist
hier recht schön gewesen und ich kann mir es durchaus sehr gut
vorstellen, auch hier meine Diplomarbeit anzufertigen! Einfach
schöne Gegend und außerdem sehr gute Verpflegung!
Nachdem ich mich von allen verabschiedet habe, fahr ich auf der
710 entlang des Trondheimfjordes nach Orkanger und biege dort
links auf die E 39 nach Trondheim ab. Gegen 16.00 Uhr komme ich
dort an und parke gleich neben der berühmten
Trondheim-
Kathedrale. Die Kirche wird von einem alten Friedhof umgeben, wo
noch gut erhaltene Grabsteine aus dem 19. Jhd zu sehen sind. Das
Gotteshaus selbst ist durch sein enorm großes Portal bekannt, in
dem mehrere Reihen von Statuen in Portälchen aufgestellt sind.
Einer von den Statuen hält seinen abgeschlagenen Kopf in seinen
Armen! Wie die anderen skandinavischen Städte erkunde ich
Trondheim mit dem Fahrrad. Es geht weiter über eine kleine
Zugbrücke über die
Nidelva. Hier sind an beiden Uferseiten z.T.
sehr alte Kontore, die sehr schön renoviert sind und als
Mietshäuser genutzt werden. Auch einige Restaurants und Cafes
sind hier untergebracht. Auf der anderen Uferseite sind eine
ganze Vielzahl netter, alter Holzhäuser zu finden. Auch hier
sind viele Kneipen und Läden. Nun geht es weiter auf die
dahinter liegende Anhöhe. Hier ist die Kristiansfeste, die
Festung Trondheims, von wo aus man einen sehr schönen Blick auf
die Stadt und den Fjord hat. Dann fahre ich wieder runter in die
Fußgängerzone. Hier sind alle möglichen Läden und Restaurants
ansässig, wie man sie aus anderen größeren Städten her kennt.
Weiter geht es nun zum Hafen, in denen ein paar nette
Holzschiffe liegen. Der Bahnhof von Trondheim liegt hier gleich
in der Nähe. Trondheim ist wahrlich nicht sehr groß! Ca. 170.000
Einwohner leben hier in der ehemaligen Hauptstadt Norwegens.
Nach etwa vier Stunden Aufenthalt, fahr ich weiter.
Trondheim ist eine nette Stadt und ein Abstecher immer wert.
Allerdings muss man hier für die Einfahrt mit dem Auto bezahlen
(außer sonntags!)! Die Biologische Fakultät habe ich allerdings
leider nicht gefunden. Nun geht es also die E 6 weiter Richtung
Süden und nach etwa 40 Kilometern biege ich auf die 30 ab. Die
Strasse führt durch ein Tal entlang der Gaula. Das Tal wird von
leicht bewaldeten Hügeln umsäumt. Bei Tynset biege ich in die 3
ab. Nach ein paar Kilometern bei Alvdal übernachte ich an dem
Fluss Glåma.
Die Nacht war recht kalt bei 2,5 Grad und ich hab gefroren!
Gegen 9.00 Uhr geht es nun die 3 weiter nach Elverum. Die
Strasse führt dabei entlang der Glåma durch ein weites, offenes
und z.T. stark bewaldetes Tal. Immer wieder kommt man an sehr
charakteristischen Gehöften, Kirchen und Ortschaften vorbei.
Sehr idyllisch! Die lichten Nadelwälder sind charakterisiert
durch dichte Flechtenmatten und Beerengewächse am Boden! Hier
lässt sich noch mal der Unterschied zu den mitteleuropäischen
Wäldern anschaulich verdeutlichen. Nur an sehr schattigen und
feuchten Stellen findet man alle möglichen Arten von Moosen.
Sonst wird die Gegend landwirtschaftlich genutzt. Bei
Stange trifft man wieder auf die E 6, die hier am See Mjøsa
Schnellstrassencharakter hat. Die Gegend ist auch hier stark von
Felderwirtschaft geprägt. Die Getreidefelder reichen bis runter
an den See. Die Fahrt bis nach Oslo kann man jedoch
landschaftlich als langweilig charakterisieren. Je näher man
sich der Hauptstadt nähert, um so dichter wird der Verkehr. Es
hat irgendwie den Anschein als wäre ganz Oslo unterwegs, so dass
es sehr schwer ist sich in diesem Getümmel zurecht zu finden.
Noch dazu, weil zwei verschiedene „Sentrum“ angegeben werden. Es
geht über Brücken und durch verschiedene Tunnel und
Unterführungen. Irgendwo bin ich dann von diesem „Ring“
abgebogen, fahre am mir bekannten Hafen, am Königlichen Park
vorbei, bis in die Nähe des Olympiastadions, wo ich einen
Parkplatz finde. Ansonsten muss man hier auch wie in Trondheim
eine Gebühr (12 NOK) für die Einfahrt in die Stadt bezahlen! Mit
dem Rad erkunde ich nun die Stadt, die mir irgendwie so fremd
vorkommt. Ich habe kaum noch Erinnerung von der 93- er Tour. So
dauert es eine ganze Weile bis ich mich zurechtfinde. Ja, ich
habe zwar viel vergessen, aber sobald ich etwas wieder sehe,
fällt es mir wieder ein. So komme ich an der Uni vorbei, zum
Nationaltheater, von wo man aus die Anhöhe hoch schauend einen
Blick auf den Königspalast hat. Ich radle erst mal hoch. Der Bau
ist ähnlich dem des Buckingham- Palace in London, jedoch bei
weitem nicht so groß! Man kann hier aber bis zum Eingang gehen,
wo dann zwei Wachen rechts und links patrouillieren. An der
rechten und linken Flanke des Palastes, an dem auch ein paar
Wachen stehen, besteht die Möglichkeit, in den umzäunten
Königlichen Park zu gelangen, der völlig öffentlich ist. Vom
Königshaus aus fahre ich nun weiter zum Hafen runter, der am
Fuße der Alten Festung am Oslofjord liegt. Im Hafen selbst
liegen eine ganze Vielzahl alter Holz- und Segelschiffe, die
anscheinend alle zu buchen sind. Auf der anderen Seite des
Hafens ist eine wunderbare
Uferpromenade entlang der Alten
Kontore entstanden, die auch allerhand Geschäfte, Restaurants,
Kneipen und Cafes beinhalten. Hier kann man einkaufen, wie in
jeder anderen Weltstadt! Gerade hier in den Straßencafes lässt
es sich sehr gut aushalten und langweilig wird es hier beim
Beobachten der flanierenden Menschen sicherlich auch nicht!
Gegen 18.00 Uhr fahr ich weiter in die Fußgängerzone, die an der
gegenüberliegenden Seite des Königshauses beginnt und am gelben
Bahnhofsgebäude endet. Auch hier gibt es alles, was man aus
anderen Großstädten her kennt. Danach fahre ich noch durch
andere Viertel. Ich bin wieder sehr von dieser Stadt angetan,
zumal auch das Wetter mittlerweile mitspielt! Gegen 19.30 Uhr
fahr ich die E 6 weiter und übernachte an der Kirche von Onsøy,
die man über die 110 Richtung Fredriksstad erreicht. Völlig
gespenstisch wirkt dieser Ort bei Nacht, da die Kirche von einem
großen Friedhof umgeben ist, in dem große, alte Bäume stehen,
die ihre dunklen Schatten auf das künstlich angestrahlte Gebäude
werfen.
Um
7.00 Uhr wache ich bereits auf. Ein wunderschöner Morgen. In den
umliegenden Feldern liegt noch der Nebel, überall singen die
Vögel. Allgemein ist die Gegend um Fredriksstad sehr
ansprechend. Leicht hügelig, mal Wald, mal Felder und
Bauernhöfe. Die Dörfchen klein und nett! Zurück auf der E 6
überquert man ein paar Kilometer nach Halden die Norwegisch-
Schwedische Grenze. Svenja hat mir noch empfohlen bei der
Ortschaft Smögen, das an der E 6 am Skagerrak liegt, vorbei zu
schauen. Bei Dingle biege ich deshalb auf die 174 ab und fahre
durch ein recht ansprechendes hügeliges Gebiet. Auch hier
Wälder, Felder, Gewässer und Sümpfe. Smögen selbst ist eine
typisch südschwedische Ferienortschaft, die sicherlich während
der Hauptsaison stark frequentiert ist. Doch zu dieser Zeit
liegen die kleinen, bunten
Holzhäuschen in mitten des roten
Granits recht verlassen am blauen Wasser. Hier lassen sich
wunderschöne Eindrücke einfangen! Gerade bei so schönem,
sonnigem Wetter, wie heute!
Nach ein paar Stunden fahr ich die 171 und dann die 162 zurück
auf die E 6. Die fahre ich dann ohne Unterbrechung Richtung
Malmö bis ich wieder an die
Öresundbrücke gelange. Da ich nicht
wieder den gleichen Weg nach Deutschland zurückfahren will,
entscheide ich mich zunächst noch nach Kopenhagen rein zu fahren
und dann der E 47 nach Rødby zu folgen, um dann mit der Fähre
nach Puttgarden auf die Insel Fehmarn zu gelangen. Kopenhagen
ist ziemlich sehenswert, jedoch fahre ich nur mit dem Auto durch
die Strassen, da ich ziemlich verdreckt bin! Danach geht
es also weiter nach Rödby durch ziemlich langweiliges Dänisches
Land. Am späten Abend komme ich am Fährhafen an und überquere
noch mit der Fähre die Ostsee. In Deutschland wieder angekommen,
stelle ich mich an den nächst möglichen Rastplatz, um die Nacht
dort zu verbringen, da ich sehr müde bin.
Gut geschlafen habe ich heute nicht, da diese Fährüberfahrt von
sehr vielen LKWs genutzt wird und ich immer mal wieder von einem
auf dem Rastplatz heranfahrenden LKW aufgeweckt worden bin. Nun
bin ich also wieder zurück in Deutschland. Irgendwie ein krasses
Gefühl, nach all der vielen Natur und Einsamkeit! Andererseits
freue ich mich schon auf meine Lieben und auf das Bayerische
Essen. Endlich wieder mal ein Sonnenblumenbrot essen, Obst und
Gemüse! Ich fahre nun auf der A1 weiter über Oldenburg nach
Lübeck und biege in die Bundesstrasse 4 nach Uelzen ab, wo ich
erstmal in den dortigen McDonalds einfalle und mir den Bauch
voll schlage! Ist schon irgendwie cool mal wieder so was zu
essen! Danach fahre ich weiter über Land immer der 4 entlang
durch den Harz nach Erfurt, Ilmenau, Coburg und treffe bei
Bamberg auf die A 73, die mich bei Nürnberg auf die A 9 bringt.
Spät am Abend komme ich ziemlich müde und geschafft in München
an. Wahnsinn, innerhalb eines Tages habe ich ganz Deutschland
durchfahren!
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